Anklage wegen Waffenbesitzes und Drogenhandels: Ist es eine Sammelleidenschaft?

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Seit Dienstag läuft ein Prozess gegen einen 46-Jährigen aus Hünfeld.

Fulda - Sammelleidenschaft oder zur Verteidigung gedacht? Professioneller Hanfanbau oder kleines Zubrot? Mit diesen Fragen beschäftigt sich seit Dienstag die erste große Strafkammer des Landgerichts Fulda.

Bei einem 46-Jährigen Hünfelder wurden bei einer Hausdurchsuchung im Oktober 2015 insgesamt 23 Waffen, darunter eine Pumpgun, mehrere Schusswaffen, Armbrust, Säbel, Dolche und selbstgemachte Messer gefunden, wie der selbstständige Handwerker sagte „aus Sammelleidenschaft.“ Richter Josef Richter war von dieser Leidenschaft nicht überzeugt. „Das ist eine ganze Palette von Waffen. Dazu auch noch die passende Munition“, so Richter erstaunt. Alle Waffen bis auf eine seinen einsatzbereit gewesen. Darunter Gewehre aus den Weltkriegszeiten. Einige Waffen gehörtne nach Angaben des Angeklagten dem Großvater. „Nur mit der Pumpgun ist einmal zu Silvester geschossen worden“, gab der Angeklagte Frank M. dem Gericht preis. „Die Waffen lagen in verschiedenen Räumen griff- und einsatzbereit für den Angeklagten da“, so Staatsanwalt Andreas Hellmich, der sich nach den ersten Ausführungen von M. nicht auf eine mögliche Verständigung auf eine Bewährungsstrafe einlassen wollte. Denn der Angeklagte ist zusätzlich zum Verstoß gegen das Waffengesetz wegen Handeltreibens mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge angeklagt. Vor einer Bedenkpause hatte M. angegeben, dass ein Freund die Hanfplantagen im ersten Obergeschoss seines Hauses installiert habe. „Mein Freund hat mich gefragt, ob ich ihm die Räumlichkeiten vermieten könne“, so M. Den Namen des Freundes wollte er jedoch nicht preisgeben. Der Handwerker soll nach eigenen Angaben lediglich zum Gießen und Düngen der 324 Hanfpflanzen und 66 Setzlinge zuständig gewesen sein. Auch die dafür vom Stromnetz abgezwackte Stromleitung soll der Freund verschuldet haben. „Ich wusste nicht, dass das nicht okay ist. Ich habe noch nie Drogen genommen und habe auch keine Kontakte in diese Szene“, beteuerte der Angeklagte immer wieder. Diese Geschichte konnte der Vorsitzende Richter nicht glauben. „Mir fällt es wirklich schwer zu glauben, dass dieses Risiko für einen Freund getragen haben sollen. Sie sind doch selbstständig. Eine Haftstrafe ist für diese Taten durchaus im Bereich des Möglichen“, gab der Vorsitzende zu bedenken.

Nach einer Beratungspause änderte M. seine Version der Vorkommnisse. Er habe gemeinsam mit seinem Freund die Indoorplantage installiert und sich das Wissen zur Pflege der Pflanzen angelesen. Er wollte sich ein kleines Zubrot zu seinem Betrieb verdienen. „Als Handwerker wartet man mal fünf bis sechs Wochen auf sein Geld. Es gibt kaum Kunden, die sofort zahlen“, so M. Die Pflanzen wollte der Angeklagte dann wieder an seinen Freund verkaufen. Die Plantage habe er nur eine kurze Zeit betrieben. Dagegen stand die Aussage eines Polizisten, der den Fall von Beginn an betreute. „Die Pflanzen waren in verschiedenen Wachstumsphasen“. Auch bereits getrocknete Stängel sollen gefunden worden sein. „Das lässt alles auf eine längere Anbauphase schließen“, so der erfahrene Polizist. „Eine derart professionell angelegte Plantage habe ich seit zehn Jahren nicht gesehen.“

Im Laufe des Verfahrens werden noch weitere Zeugen gehört. Dann muss die erste große Strafkammer entscheiden: Ist M. ein Waffensammler und wollte sich bloß ein kleines Zubrot verdienen oder betrieb der Handwerker bewaffneten Handel mit Betäubungsmitteln?

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