Anträge und Tränen: Berufungsverfahren wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung

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Die Angeklagten mit ihren Verteidigern und Dolmetscherinnen.

Heute wurde die Berufungshauptverhandlung gegen zwei Männer wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung eröffnet.

Fulda - Heute wurde die Berufungshauptverhandlung vor der Dritten Strafkammer des Landgerichts gegen zwei Männer wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung eröffnet. Die 29 und 32 Jahre alten Männer wurden am  20. August 2017 vom Amtsgericht Fulda unter Vorsitz des Richters Dr. Szymon Mazur zu jeweils zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt und sitzen derzeit noch in Untersuchungshaft.

Den Rumänen wird vorgeworfen, am 8. März 2017 nach einem Streit wegen Lärmbelästigung nachts in die Zimmer dreier Pensionsgäste, zwei Männer und eine Frau,  in Eichenzell-Lütter eingedrungen zu sein und diese mit Schlägen und einem Messer schwer verletzt zu haben. Dabei sollen sie die Gäste im Schlaf überrascht haben. Lokalo24.de berichtete über den Fall.

Der Angeklagte B. und zwei Opfer, Frau. I. und Herr F., sollen sich von einer "Fete" aus Rumänien kennen. Die Geliebte des B. und I. seien zum Tatzeitpunkt Arbeitskolleginnen gewesen und im Etablissement "Das 5. Element" der Prostitution nachgegangen sein.

Beide Angeklagten legten gegen das Urteil des Amtsgerichts Berufung ein. Klares Ziel des Berufungsverfahrens ist für die Angeklagten, eine Bewährungsstrafe zu erreichen. Die beiden Rumänen gestanden damals ein, die Körperverletzungen begangenen zu haben. Jedoch beteuert der Angeklagte B., nichts von dem Kauf und Einsatz eines Messers gewusst zu haben. "Diese Aussage unterstützt die Gerichtsmedizin in ihrem Gutachten, dass keine DNA-Spuren von B. am Messer zu finden waren", so der Verteidiger Nikolaus Krebsbach-Noske aus Frankfurt am Main. "Wie kann man eine Frau mit einem Messer verletzten", fragt der Angeklagte B. mit Tränen in den Augen. Er bereue die Tat ungemein. Hat sogar einen Brief an Richter Mazur geschrieben, um ihm glaubhaft zu machen, wie sehr er diese Tat bereue. Er fühle sich durch seine Anwältin Isabelle Gronemeyer nicht ausreichend verteidigt und müsse die Möglichkeit ergreifen, seine Tat zu erklären. "Der Alkohol ist schuld, hätte ich nicht getrunken, wäre es nicht passiert", so B.

Die beiden Täter haben vor ihrer Tat zwei Flaschen "Jägermeister" in der Tankstelle des "Rhönhofs" in Eichenzell getrunken. In der Tankstelle soll es wieder mit den Opfern zum Streit gekommen sein. Nach weiterem Alkoholgenuss soll der Angeklagte C. ein Klappmesser, die spätere Tatwaffe, gekauft haben. Die beiden Männer seien dann zurück in die Pension. Was im Anschluss wirklich geschah ist noch nicht abschließend geklärt. Fest stehe, B. und C. haben sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. "Auf den Bildern sahen die Zimmer aus wie ein Schlachthaus", so Richter Dr. Jochen Müller. Er schilderte zu Beginn der Verhandlung seine Einschätzung des gesamten Verfahrens: "Ich kenne die Akten und habe mir ein Bild gemacht. Das Urteil des Amtsgericht sieht gut aus. Die Angeklagten haben kein ,lupenreines Geständnis' abgelegt und sich gegenseitig belastet. Ich sehe daher keine Möglichkeit auf Bewährung."

Nach einer einstündigen Beratungspause stellten die Verteidiger des Angeklagten C., Rechtsanwalt Werner Momberg aus Kassel und Manuel Lüdtke aus München, einen Befangenheitsantrag gegen Richter Müller. "So eine Einschätzung ist mir noch nie passiert", so Momberg. Viele Dinge seien in der Verhandlung vor dem Amtsgericht nicht geklärt worden. "Ihre Ausführungen und Vermutungen sind aktenwidrig. Unser Mandant hat nichts mit dem Milieu zu tun und weist ihre Unterstellungen strengstens zurück", erklärt der Verteidiger weiter.

Nach der Einlassung des Angeklagten B. wurde der Verhandlungstag beendet. Es bleiben viele Fragezeichen in den Köpfen der Beteiligten. Die Opfer der beiden Angeklagten waren nicht zur Zeugenaussage erschienen. "Ob die noch kommen ist sowieso fraglich", so Rechtsanwalt Krebsbach-Noske. Ein bereits hinterlegtes Schmerzensgeld in der Gesamthöhe von 7.000 Euro wurde ebenfalls noch nicht abgeholt.  

Rechtsanwältin Gronemeyer lehnt eine weitere Beteiligung am Fall ab. "Ich komme nicht aus Essen, um mich hier so vorführen zu lassen" und spricht von einem zerrütteten Mandaten-Verhältnis. "Von dem Brief von B. an Richter Mazur habe ich nichts gewusst", so Gronemeyer. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Fall weiterentwickeln wird.

Am Freitag wird die Verhandlung um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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