Aus für Apfelprojekt: Schwache Ernte ist schuld

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Eichenzell/Flieden. Eine erneut schwache Ernte bedeutet das Aus für das Regionalprojekt "Unterm Apfelbaum"

Eichenzell / Flieden. Eine einzigartige Kooperation gingen im Januar 2010 der Eichenzeller Mineralbrunnen Förstina und die Kelterei ELM aus Flieden ein. Mit "Unterm Apfelbaum" wurde eine neue Generation der Direktsaftschorlen auf den Markt gebracht, mit denen das vielzitierte Konzept eines regionalen Wirtschaftskreislaufs realisiert wird. Nun steht das Regionalprojekt – nach der fünften schwachen Apfelernte in Folge – vor dem Aus.Mit dem gemeinsamen Projekt setzten die beiden Unternehmen auf Nachhaltigkeit in einem regionalen System: "Der Griff ins ,Unterm Apfelbaum'-Regal ist eine bewusste Entscheidung für die Region. Denn alle Früchte wie Äpfel, Kirschen, Johannisbeeren und Holunder stammen ausschließlich aus der Region, in der die Schorlen und Säfte auch verkauft werden", erklärt Harald Elm, Geschäftsführer der gleichnamigen Kelterei. "Und das Wasser dazu stammt aus den tiefen Quellen der Rhön. Regionaler geht es nicht!", fügt Förstina-Verkaufsleiter Gerhard Bub an. Dieser strikt regionale Ansatz wird nun, nach vier äußerst erfolgreichen Jahren der gemeinsamen Produkte, zum Problem: 2013 lieferte das schwächste Ernteergebnis der ohnehin schon unterdurchschnittlichen letzten fünf Jahre."In 2008 haben wir mit mehreren tausend Tonnen Äpfeln aus der Region die letzte Rekordernte eingefahren. Während weltweit die Finanzkrise um sich griff, herrscht seitdem eine Art Apfelkrise in der Rhön", formuliert Harald Elm. Nach bereits zwei eher schlechten sowie zwei durchschnittlichen Apfeljahren deutete sich auch 2013 eine ganz schlechte Ernte an: Ein Totalausfall bei den frühen Apfelsorten sorgte dafür, dass die Annahmestellen der Rhöner Apfelinitiative (RAI) erst Anfang Oktober – also rund sechs Wochen später als normal – öffneten. Und während der Kelterbetrieb in Flieden normalerweise mindestens bis Weihnachten läuft, herrscht in diesem Herbst schon seit Mitte November wieder Apfelebbe.Die Gründe dafür sind vielfältig: Kahlfrost im ausgehenden Winter, kaltes Frühjahr gefolgt von einer Nässeperiode, dann eigentlich eine üppige Apfelblüte – in der es größtenteils aber wiederum zu kalt war zur Bestäubung. "Und Wildbienen gibt es nach dem harten Winter sowieso kaum noch – hier müssen wir in den kommenden Jahren etwas tun", heißt es aus den Reihen der RAI. Letztlich sorgte die lange Hitzeperiode im Sommer mit entsprechender Trockenheit dafür, dass Bäume mit Behang ihrer Früchte nur unzureichend ausbilden konnten.Während die Erträge in den vergangenen Jahren regional stark schwankten, also zumindest eines der drei Länder Hessen, Bayern oder Thüringen eine ordentliche Ernte liefern konnte, sah es in diesem Jahr auch bei den späteren – und fürs Keltern besser geeigneten Sorten – über die Landesgrenzen dünn aus: Gerade einmal zehn Prozent eines Durchschnittsjahres konnten eingefahren werden."Mit den regionalen Produkten aus dem ‚Unterm Apfelbaum‘-Sortiment haben wir von Beginn an den Geschmack der Zeit getroffen. Die Nachfrage hat sich von Beginn in 2010 an deutlich besser entwickelt als prognostiziert. Doch nach mehreren schlechten Erntejahren werden wir das gemeinsame Projekt im Laufe des Januar 2014 einstellen müssen – denn es geht uns schlicht der regionale Saft aus", erklärt Peter Seufert. Der Marketingleiter von Förstina Sprudel in Eichenzell-Lütter steht derzeit bereits im Kontakt mit den Kunden: "Wir haben die Groß- und Einzelhändler, die wir im Umkreis von rund 250 Kilometern beliefern, bereits informiert." Als nächstes sollen die Verbraucher Informationen erhalten, warum statt "Unterm Apfelbaum" künftig andere Produkte aus dem Förstina-Sortiment im Regal stehen werden. "Wir wollen hier bewusst über unsere anderen hochwertigen Direktsaft-Schorlen informieren – für die wir die Zutaten eben aus ganz Deutschland beziehen, nicht nur aus der Region", erklärt Peter Seufert. Ob "Unterm Apfelbaum" zurückkehren wird, hängt von den nächsten Ernteergebnissen ab: "Hier benötigen wir mindestens eine überdurchschnittliche Apfelernten, um die Läger wieder dementsprechend zu füllen, dass wir die hohe Nachfrage nach den Regionalprodukten decken können", schließt Seufert ab.

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