Arzeller fürchten die Starkstromtrasse

Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (links) sprach in Eiterfeld-Arzell mit Mitgliedern des Ortsbeirates wegen der geplanten 380-KV-Stromtrasse, die durch das Gemeindegebiet führen könnte.
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Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (links) sprach in Eiterfeld-Arzell mit Mitgliedern des Ortsbeirates wegen der geplanten 380-KV-Stromtrasse, die durch das Gemeindegebiet führen könnte.

Auf Einladung des Ortsbeirates Arzell kam Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber kürzlich gemeinsam mit Susanne Linnenweber von der Regionalplanung beim Regierungspräsidium Kassel nach Arzell. Grund war die in der Bundesfachplanung befindliche, geplante 380-KV-Höchstspannungsleitung (Fulda-Main-Leitung) im Abschnitt Mecklar-Dipperz.

Eiterfeld. „Neben der heute schon bestehenden 380-KV-Stromleitung, die bereits durch das Gemeindegebiet Eiterfeld verläuft, ist zwischen den Umspannwerken eine zweite 380-KV-Höchstspannungsleitung geplant, deren Vorschlagskorridor über Arzell verläuft. Etwa ein Viertel des Ortsteiles – nämlich die komplette Bebauung des Hisselsberges- liegt innerhalb des ausgewiesenen Trassenkorridors“, so der Ortsbeirat. Notwendige Mindestabstände der Trassenkorridore seien für Arzell nicht eingehalten. Der Ortsbeirat hatte sich aufgrund dieser Situation hilfesuchend an den Regierungspräsidenten gewandt.

Ortsvorsteher Klaus-Dieter Rucht begrüßte zu diesem Termin neben zahlreichen Bürgern auch den Bürgermeister der Marktgemeinde Eiterfeld, Hermann-Josef Scheich, den Bürgermeister von Neuenstein, Walter Glänzer, der Mitglied der Regionalversammlung ist, die umliegenden Ortsvorsteher aus Buchenau, Körnbach und Dittlofrod, deren Orte ebenfalls betroffen sind, sowie einige Kommunalvertreter der Marktgemeinde Eiterfeld.

„Die Arzeller Bürgerinnen und Bürger sind aufgrund der Dimension und Nähe der geplanten Leitungstrasse in großer Sorge um ihre Lebensbedingungen vor Ort. Der Ortsbeirat und zahlreiche Arzeller Bürger haben bereits Einsprüche im Beteiligungsverfahren erhoben“, so Rucht. In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen direkt angrenzend an die Ortslage und die Bebauung Arzells realisiert worden, die schon heute eine sehr große Belastung darstellen und den Ortsteil in seinen Entwicklungsmöglichkeiten erheblich einschränken. Zu nennen sind hier zwei Ferngasleitungen, die 110-KV-Hochspannungsleitungen der „Deutschen Bahn“ und der „Avacon“, die Soleleitung von „K+S“ sowie den Windpark Buchenau. Unser Dorf ist förmlich eingekesselt von diesen Infrastrukturprojekten, so der Ortsvorsteher, der hier von einer Überbündelung spricht.

Nunmehr soll laut Ortsbeirat das geplante, Netzausbauprojekt Fulda-Main Leitung als neue, zusätzliche 380-KV-Trasse zwischen den Umspannwerken Mecklar und Dipperz als sogenannte „Stromautobahn“ wieder unmittelbar an die Ortslage Arzell heranreichen.Jürgen Falkenhahn, ebenfalls Mitglied im Ortsbeirat: „Das Maß ist nun voll, trotz allem Verständnis für Infrastrukturmaßnahmen. Der ausgewiesene Trassenkorridor über und unmittelbar angrenzend an die Bebauung ist für Arzell nicht akzeptabel.“

Die Arzeller Bürgerinnen und Bürger befürchten neben massiven Eingriffen in das Orts- und Landschaftsbild und einer völligen technischen Überprägung durch Windkraft und Freileitungen besonders gesundheitliche Gefahren und Einschränkungen durch das von der 380-KV-Höchstspannungsleitung ausgehende elektromagnetische Feld.

Die geplante Leitung, deren Leitungsmasten mit einer Höhe von 60 bis 70 Metern doppelt so hoch werden sollen, wie die beiden vorhandenen Freileitungen, stellt laut Ortsberiat einen massiven Eingriff und eine neue Dimension der Beeinträchtigung dar. „ Sie überprägen das Erscheinungsbild unseres Dorfes und überformen die Landschaft des Hessischen Kegelspiels mit der hügeligen, weitgehend unbebauten Offenlandschaft, was durch Fotomontagen eindrucksvoll belegt wurde. Das Hessische Kegelspiel würde in seiner Einzigartigkeit und Gesamtheit zerschnitten und erheblich beeinträchtigt“, so der Ortsbeirat.

Falkenhahn erwähnte in der Diskussion weiterhin, dass technische Alternativen offensichtlich nicht ernsthaft geprüft worden seien, darunter die Neubeseilung der bestehenden, östlich parallel verlaufenden 380-KV-Leitung. Auch das Leitungsmonitoring zur Erhöhung der Durchleitungskapazität der bestehenden Freileitung sowie eine Erdverkabelung, die auf Teilstrecken möglich ist, seien „nicht ernsthaft geprüft“ worden.

„Der Nachweis der Notwendigkeit einer neuen zusätzlichen Höchstspannungsleitung dieser Durchleitungskapazität ist nicht gerechtfertigt und nicht hinreichend abgewogen, was auch im Dialogforum deutlich wurde, in dem bestätigt wurde, dass die vorhandene Leitung lediglich Engpässe und Überlastungen an zwei bis drei Monaten im Jahr aufweist“, der der Ortsbeirat.

Gegen eine Genehmigung der beantragten 380-KV-Freileitung sprächen auch allgemeine und energiepolitische Gründe. „Freileitungstechnik ist für die Energieübertragung über große Distanzen nicht geeignet, denn diese ist veraltet. Hohe Energieverluste und hohe Wartungskosten sowie umweltpolitische Gesichtspunkte sprechen gegen eine Genehmigung des Vorhabens“, so Falkenhahn.

In einem Bürgerbrief mit 270 Unterschriften, den Ortsvorsteher Rucht dem Regierungspräsidenten mit auf den Weg gab, bitten die Bürgerinnen und Bürger des Ortsteils Arzell den Regierungspräsidenten in seiner Verantwortung für die Raumordnung, auch gegenüber der Bundesnetzagentur, die massiven Beeinträchtigungen durch die neue Leitung abzuwenden und den Ortsteil auch für die Zukunft lebenswert zu erhalten. Klüber, der sich selbst ein Bild von der örtlichen Situation und der Vorbelastung der Anwohner machte, sagte zu, diesbezüglich auf die Bundesnetzagentur als verfahrensführende Behörde zuzugehen.

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