Auf 100 Bewerber kommen 247 Lehrstellen

Der Leiter der „Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda“, Waldemar Dombrowski.
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Der Leiter der „Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda“, Waldemar Dombrowski.

Netzwerkpartner im Landkreis Fulda ziehen Halbjahresbilanz

Fulda. Die Corona Pandemie schlägt sich auf den regionalen Ausbildungsmarkt im Kreis Fulda nieder. Nachdem die Berufsorientierung für die jungen Menschen seit einem Jahr für alle Beteiligten mit erheblichen Hindernissen verbunden ist, trafen die Netzwerkpartner auf dem Ausbildungsmarkt bei einer digitalen Konferenz eine eindeutige Aussage: „Uns fehlen Bewerberinnen und Bewerber!“

Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen liegt mit 1.789 unter dem Niveau des Vorjahres. Ebenso sind mit 724 gut 33 Prozent weniger Jugendliche an einer Ausbildung interessiert als vor einem Jahr. Somit kommen rechnerisch 247 Lehrstellen auf 100 Bewerber. In Hessen ist diese Relation etwa 1:1.

„Der deutliche Bewerberrückgang ist zwar zum Teil dem Rückgang bei den Schulentlassenen geschuldet, doch auch fehlende Berufsorientierungsveranstaltungen in den Schulen sowie ausgefallene Ausbildungsmessen und -börsen spielen hier eine große Rolle. Hinzu kommen nicht realisierte Betriebspraktika, die normalerweise einen wichtigen Baustein im Berufswahlprozess der Jugendlichen darstellen“, erklärte Waldemar Dombrowski, Leiter der „Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda“, im Rahmen einer Videokonferenz, bei der sich die Arbeitsagentur mit Vertretern der Netzwerkpartner zur Halbzeitbilanz auf dem Ausbildungsmarkt austauschte. Teilnehmer waren die „Industrie- und Handelskammer“, die „Kreishandwerkerschaft“, das Staatliche Schulamt sowie das Kreisjobcenter.

Die Wirkung der Corona Krise zeigt sich auch durch den spürbaren Rückgang bei den neu abgeschlossen Ausbildungsverträgen 2019/2020 -270 oder -9,6 Prozent) im Agenturbezirk.

In allen Bereichen übersteigt die Anzahl der Ausbildungsstellen die der Bewerberinnen und Bewerber – teilweise um ein Mehrfaches. Gesucht werden unter anderem Auszubildende in unterschiedlichen kaufmännischen Berufen, Augenoptiker/innen, Einzelhandelskaufleute sowie Pflegefachleute. Daneben auch Mechatroniker und junge Menschen, die sich für eine Ausbildung im Hoch- oder Tiefbau interessieren. Auch seltenere Berufe wie Straßenwärter/in oder Tiermedizinische Fachangestellte finden sich in der Liste der offenen Lehrstellen wieder, ferner zahlreiche Duale Studiengänge.

„Wir hoffen, dass sich noch mehr junge Menschen für eine Ausbildung in unserer Region begeistern lassen. Die Situation ist deutlich günstiger als in vielen anderen Regionen in Hessen. Die Aussichten, eine Lehrstelle im Wunschberuf zu finden, sind vielversprechend“, erklärte Teamleiterin Isabel Müller. „Ein weiterführender Schulbesuch scheint zwar vielen vermutlich momentan einfacher, ist aber nicht für jeden die beste Lösung.“

Wer sich für eine Ausbildungsstelle im Sommer interessiert, der sollte sich schnell mit der Berufsberatung in Verbindung setzen. Eine Kontaktaufnahme zur Terminvereinbarung ist möglich unter der Service-Rufnummer 0661 17 111 oder per E-Mail an Fulda.Berufsberatung@arbeitsagentur.de.

Hoffnungen setzen die Ausbildungsmarktakteure auch auf die digitale Bildungsmesse am 23. und 24. April. Diese wurde vom Landkreis Fulda initiiert und wird gemeinsam mit den Netzwerkpartnern umgesetzt.

Stimmen der Kammern

Gabriele Leipold, Geschäftsführerin Kreishandwerkerschaft Fulda:

„Die aktuelle Ausbildungssituation verdeutlicht, dass unser Hauptproblem nicht die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist, die auch während der Corona Pandemie ein großes Angebot an Ausbildungsplätzen zur Verfügung stellen. Scheinbar haben aber viele junge Menschen immer noch nicht die beruflichen Chancen erkannt, die ihnen eine Ausbildung bieten kann. Daran müssen wir weiterarbeiten.“

Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Fulda:

„Wir erwarten kein einfaches Ausbildungsjahr 2021. Aktuell liegen die neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse mit 28,9 Prozent hinter den Zahlen des Vorjahres zurück Stand 31.03.2021). Dies entspricht einem Rückgang von 110 Verträgen. Gründe hierfür sind die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten und die mit der Corona-Pandemie einhergehenden Herausforderungen, mit denen sich unsere Ausbildungsbetriebe konfrontiert sehen. Trotz allem bleibt das Thema Ausbildung für die regionale Wirtschaft wichtig. Dies verdeutlicht die hohe Zahl der Unternehmen, die an der virtuellen Bildungsmesse am 23. und 24. April teilnehmen werden. Wir gehen davon aus, dass auch das Fehlen physischer Berufsorientierungsangebote für die Schülerinnen und Schüler die Vertragszahlen negativ beeinträchtigen und hoffen, dass die unlängst ins Leben gerufene digitale Plattform zur Berufsorientierung #Fulda4Future Abhilfe schaffen wird. Gleichzeitig freue ich mich, dass wir heute mit unseren Partnern den Startschuss für die Bildungsmesse 2022 in Form einer Präsenzveranstaltung gegeben haben.“

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