Ein Teil der Schöpfung

Bischöfin Dr. Beate Hofmann auf dem Rad, denn die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck wurde als „Fahrradfreundliches Landeskirchenamt“ ausgezeichnet.
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Bischöfin Dr. Beate Hofmann auf dem Rad, denn die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck wurde als „Fahrradfreundliches Landeskirchenamt“ ausgezeichnet.

Aus den „Nachhaltiges Osthessen“-Sonderseiten: EKKW und Bischöfin D. Beate Hogmann zum aktiven Umweltschutz innerhalb der evangelischen Kirche

Region. Umweltschutz geht alle Menschen an. Der Klimawandel steht auf der Agenda zahlreicher Länder auf der ganzen Welt. Doch nicht nur Nationen, auch Institutionen befassen sich mit dem Thema und versuchen, Klima- und Umweltschutz zu praktizieren. Dazu gehört auch die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann an der Spitze.

FULDA AKTUELL hat nachgefragt, auf welche Art die EKKW sich für den Schutz des Klimas und der Umwelt einsetzt. „Unsere Umwelt ist für mich Teil der Schöpfung Gottes, die wir bewahren, nicht kaputt machen sollen. Die Folgen des Klimawandels, zum Beispiel das Fichtensterben, die Hitzewellen und Stürme sind für mich klare Warnhinweise, dass wir dringend unser Verhalten ändern müssen“, sagt die Bischöfin. Das sei der einzige Weg, um die Erde als Lebensraum für alles Lebendige zu erhalten. „Denn gegen Erderwärmung gibt es keinen Impfstoff und keine rettende Technologie. Da hilft nur eins: CO2-Ausstoß reduzieren“, so Dr. Hofmann.

In der Landeskirche gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, sich einzusetzen: Zum einen sind das die Pfarrerinnen und Pfarrer, die im Bereich der Verkündigung und der Seelsorge deutlich machen können, „dass die Bewahrung der Schöpfung zu ihren Kernaufgaben gehört und dass Menschen, die sich engagieren, auf Gottes Hilfe hoffen dürfen. In ihrer Bildungsarbeit kann sie ökologisches Verhalten erproben und erlernen“, so Pfarrer Stefan Weiß, der Klimaschutzmanager der EKKW. Mit ihren Liegenschaften, in ihrer Mobilität und ihrem Konsum müsse die Kirche laut Weiß maßvoll und zukunftsfähig wirtschaften.

Was kirchliche Gebäude betrifft, so spielen hier laut dem EKKW-Klimaschutzmanager Energieeffizienz, erneuerbare Energien und nachhaltige Baustoffe eine Rolle. Für diese nachhaltige Art des Bauens und Renovierens hat die EKKW seit Jahren einen Energiesparfonds. „Aufgrund der begrenzten finanziellen Mittel lässt sich aber leider nicht alles umsetzen, was wünschenswert wäre“, bedauert Weiß.

In jeder Kirchengemeinde

Doch nicht nur die Landeskirche selbst, sondern jede der rund 700 Kirchengemeinden der EKKW mit etwa 800.000 Mitgliedern kann selbst etwas für die Umwelt tun. „Sie können in ihrem Umgang mit den Gebäuden effiziente Technologien – wie zum Beispiel LED-Beleuchtung) – einsetzen, erneuerbare Energien nutzen und ihren Energieverbrauch jedes Jahr ein Stück senken“, so Weiß. Bei den Außenanlagen müsse die biologische Vielfalt im Vordergrund stehen. Außerdem könnten Gemeinden darin Vorbild sein, dass Menschen ihren Konsum an Fleisch überdenken.

„Mitarbeitende sollten da, wo es möglich ist, das Fahrrad und den öffentlichen Nahverkehr nutzen“, sagt der Klimaschutzmanager. Das Landeskirchenamt in Kassel ist kürzlich vom „ADFC“ mit dem Bronze-Siegel als „fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ ausgezeichnet worden und damit auch Vorreiter für andere Einrichtungen der EKKW.

Die Evangelische Kirche in Deutschland bietet ein „Grünes Datenkonto“ an. Dabei handelt es sich um ein digitales Hilfsmittel, um den Energieverbrauch und die Umweltfreundlichkeit einer Kirchengemeinde oder kirchlichen Einrichtung systematisch zu erfassen. Es hilft der Kirchengemeinde den Überblick zu behalten und sich Ziele im Umwelt- und Energiemanagement zu setzen.

„In den letzten Jahren wurden landeskirchenweit Kollekten für eine Öko-faire-soziale Beschaffung und für die Einführung von Radfahr-Kirchen an Fahrradwegen gesammelt. Außerdem wurden in Gemeinden örtliche Projekte mit Spenden beworben. Eine Gesamtsumme lässt sich im unteren fünfstelligen Bereich schätzen“, sagt Weiß.

Klima- und Umweltschutz sind nicht zuletzt sei Greta Thunberg und der „Fridays for Future“-Bewegung auch bei Kindern und Jugendlichen präsent. Auch die EKKW behandelt diese Themen beispielsweise im Konfirmandenunterricht. Der Klima-

schutzmanager nennt da vorrangig drei Punkte: das Glaubensbekenntnis („Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde“), dem Gebet („Danke für die Schöpfung“) und der Verantwortung der Christen (Was können wir tun?). Laut Weiß würden die Jugendlichen bei praktischen Projekten wie Baumpflanz-Aktionen; Waldexkursionen oder solarem Basteln am meisten über die Schöpfung lernen.

Umweltpreis

Die EKKW hat auch einen Umweltpreis ausgelobt, der jährlich an einzelne Projekte oder auch einzelne Personen vergeben wird, die sich im kirchlichen Rahmen in mannigfacher Weise um Natur- und Artenschutz, ökologischen Gartenbau und Umweltbildung verdient gemacht haben. „Für die Jury spielen Aspekte wie Umweltnutzen eines Projektes, Umweltbildung, die mit dem Projekt verbunden ist, Dauerhaftigkeit, Ehrenamtlichkeit, Öffentlichkeitsarbeit und auch Vorbildfunktion und kirchliches Profil eine entscheidende Rolle in der Beurteilung“, sagt Umweltpfarrer Uwe G. Hesse.

Der mit 2.000 Euro dotierte Umweltpreis der EKKW wird seit dem Jahr 2004 vergeben, verbunden mit einer Laudatio, die ein Jurymitglied übernimmt. „Der Umweltpreis der EKKW dient vor allem dazu, dass auf Umweltleistungen der verschiedensten Art innerhalb der Landeskirche hingewiesen wird, die zugleich Vorbildfunktion für andere haben. Er hilft aufzuzeigen, was seitens der Kirche und der Christenheit an dieser Stelle Gutes getan wird und welche Aufmerksamkeit kirchlicherseits den Umweltthemen in all ihren Facetten entgegengebracht wird“, so Hesse.

Ihren ganz persönlichem Umgang mit der Natur pflegt Bischöfin Dr. Beate Hofmann auch im privaten Bereich: Sie zieht beispielsweise in ihrem eigenen Garten Salat, Gewürze und Erdbeeren. „Ich bin gern in der Natur, gehe so viel wie möglich zu Fuß und verbringe meinen Urlaub mit Wandern, Radfahren und Schwimmen“, so die Bischöfin.

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