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Aus Geisa kommen vielerlei gute Nachrichten

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Von: Bertram Lenz

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Manuela Henkel
Manuela Henkel © Lenz

Etwas über zwei Jahre und knapp an der Schwelle zur Corona-Pandemie ist es her, dass FULDA AKTUELL zum Gesprächstermin bei der damals neu ins Amt gewählten Bürgermeisterin von Geisa, Manuela Henkel, war. Am Dienstag war es nun wieder an der Zeit, die 46-Jährige in ihrem schmucken Rathaus zu besuchen.

Geisa Von Interesse waren dabei besonders Fragen, wie Geisa mit seinen elf Stadtteilen bisher durch die Pandemie gekommen ist, wo aktuelle Problemfelder liegen und was an größeren Vorhaben geplant ist. Zur Sprache sollte auch das Verhältnis zu den Kommunen auf hessischem Nachbargebiet kommen.

„Der Tag fängt gut an“, sagt Henkel zum Enstieg. Was nicht nur am Sonnenschein, sondern auch daran liegt, dass Geisa ganz aktuell die Grenze von 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern geknackt hat und nun bei 5.039 liegt. Als so genannte „erfüllende Gemeinde“ ist die Stadt verwaltungstechnisch für insgesamt 7.527 Menschen zuständig, die in Geisa, Buttlar (1.341 Einwohner), Schleid (1.077) und Gerstengrund (70) zu Hause sind – dem „Geisaer Land“. Bei den anfangs erwähnten elf Stadtteilen handelt es sich um Borsch, Geismar, Spahl, Ketten, Bremen, Otzbach, Geblar, Wiesenfeld, Walkes, Apfelbach und Reinhards.

„Was die Einwohnerzahlen angeht, so sind diese in den letzten zehn Jahren um rund 4,5 Prozent gestiegen“, freut sich die Bürgermeisterin – in ganz Thüringen ist die Zahl dagegen um gut 12,5 Prozent zurück gegangen. Dass die Stadt Geisa als Wohnort begehrt ist, belegt auch die Tatsache, dass von 32 Plätzen im Baugebiet „Zum Weinberg“ aktuell nur noch vier frei sind. Um beim Positiven zu bleiben: Die Pro-Kopf-Verschuldung ist von 1.027,11 auf 979,31 Euro gesunken, eine Schuldenaufnahme soll es 2022 nicht geben. Stattdessen kann laut Haushaltsplan für Ende 2022 mit einer Rücklage in Höhe von einer Million Euro gerechnet werden.

Krise als Chance nutzen

Stichwort Pandemie: Henkel erachtet Corona als Herausforderung und Chance zugleich, sich darüber bewusst zu werden, was Gesellschaft, Frieden und letztendlich Demokratie bedeuten und welchen Wert wir diesen Werten beimessen. Sehr nachdenklich hat sie gemacht, dass oftmals der Respekt vor der Meinung eines anderen verloren gegangen ist und Risse selbst im engsten Umfeld deutlich geworden sind. Jetzt kämen noch Ängste wegen des Ukrainekrieges hinzu, gepaart mit Sorgen vor drohender Inflation sowie wegen der steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise. „Angst aber ist immer ein schlechter Ratgeber“, so die 46-Jährige.

Gleichwohl ist sie froh, dass Geisa bislang recht gut durch die Pandemie gekommen ist. Man verzeichne keine Einbrüche bei der Gewerbesteuer (sogar in 2021 eine leichte Steigerung auf 2,3 Millionen Euro) und keine erhöhte Arbeitslosigkeit. Zur Unterstützung der Unternehmen und zur Sicherheit der Bürger betreibt die Stadt ein eigenes Testzentrum und versucht über das kommunale Nahwärmenetz sich unabhängiger zu machen gerade auch vor dem Hintergrund der steigenden Energiepreise. Dazu gehört auch die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf Photovoltaik.

„Natürlich hat es wegen der Corona bedingten Einschränkungen Veränderungen in unserer Gastronomie, darunter auch Schließungen, gegeben“. Gleichwohl verzeichne das „Schloss Geisa“ seit Übernahme durch die Stadt stetig steigende Übernachtungs- und Tagungszahlen, „das Team ist gut aufgestellt und klotzt mächtig rein“. Verändert habe sich auch die Arbeit der Verwaltung, beispielsweise durch digitale Sitzungen oder auch digitale Bürgerstammtische. Ihr Fazit bei diesem Thema: „Alle Projekte wurden fortgeführt, auch wenn es bei einigen zeitliche Probleme gab und größere Veranstaltungen zurück gestellt werden mussten“.

Aktuell unproblematisch gestalte sich auch die Arbeitslosenzahl, und für das Gewerbegebiet habe man drei neue Unternehmen gewinnen können. „Die Infrastruktur ist kein Problem“, so Henkel und nennt als Herausforderung die steigenden Materialkosten auf Baustellen und die zumeist gut ausgelasteten Handwerksbetriebe, was den Fortgang an Baustellen verzögere. „Was wir freilich angehen müssen, das sind Projekte bezüglich des altersbetreuten Wohnens“, sagt sie.

An Investitionen sind für 2022 im Vermögenshaushalt 6,2 Millionen Euro eingeplant. Hier die wichtigsten Projekte:

• Abschluss IKF-Anlage mit Mehrzweckgebäude, Pumptrack sowie Skaterbahn und Liegewiese. Die Einweihung ist für August 2022 vorgesehen, Gesamtinvestition beträgt 4,7 Millionen Euro bei 500.000 Euro Eigenmitteln.

• Planung Radwegeprogramm ist abgeschlossen, Beginn erster Baumaßnahme Wiesenfeld-Geismar in 2022 für rund 250.000 Euro. Gesamtkosten bei 2,8 Millionen Euro, bundesweites Programm der Nationalen Klimaschutzinitiative

• Sanierung der Kita Geismar für 600.000 Euro und des DGH Ketten für 750.000 Euro

• Sanierung Ulsterbrücke in Borsch für 516.000 Euro

• Auftaktveranstaltung „Forschungsinstitut Point Alpha“ am 3. Mai, Zusammenarbeit mit „Hochschule Fulda“ und der Uni Erfurt

• Projekt der Technischen Kaiserslautern „Ageing Smart – das Geisaer Land intelligent gestalten“

• Erschließung Baugebiet, Abschnitt II

• Umsetzung von Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern des Sportlerheims Borsch und des Mehrzweckgebäudes der Interkommunalen Sport- und Freizeitanlage

• Energiekonzept mit der Uni Stuttgart (Umsetzung nachhaltiger energetischer Pilotprojekte)

• Sanierung der Stadtmauer und Instandsetzung der Mauergasse auf der Westseite der Altstadt, insgesamt 317.000 Euro bei 159.400 Euro Fördermitteln.

Und wie ist es um das Verhältnis zu den hessischen Nachbargemeinden bestellt? „Das ist ausgesprochen vertrauensvoll, zumal das Geisaer Land ja zum Bistum Fulda gehört und von jeher eine enge Verbindung pflegt“. Die Zusammenarbeit komme zum Ausdruck beispielsweise in der „Touristischen Arbeitsgemeinschaft“ (TAG). Mit der Gemeinde Rasdorf sei man natürlich über „Point Alpha“ eng verbunden, und auch mit der Stadt Hünfeld gebe es guten partnerschaftlichen Austausch über aktuelle Entwicklungen.

Zur Person

Die 46-jährige diplomierte Bankbetriebswirtin war im Januar 2020 bei der Bürgermeisterwahl als unabhängige Kandidatin angetreten und hatte sich mit 76 Prozent gegen ihren vom CDU-Stadtverband Geisa aufgestellten Mitbewerber Matthias Breitenbach durchgesetzt. Henkel ist verheiratet und hat vier Kinder. Seit 2015 war sie ehrenamtliche Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Schleid und Mitglied des Kreistages.

Während ihrer Tätigkeit als Kreditreferentin und Innenleiterin bei einer Privatbank schloss sie ein Studium bei der Bankakademie in Frankfurt ab, sammelte später beim „Caritasverband für das Bistum Fulda“ als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Erfahrungen im PR- und Marketingbereich und war im Anschluss während ihrer Elternzeit als freie Redakteurin tätig. „Nach reiflicher Überlegung“ hatte sie sich entschieden, für das Amt im Rathaus von Geisa zu kandidieren: „Ich möchte für die Menschen vor Ort da sein und die Region gemeinsam voranbringen.“

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