Barocke Eleganz

Fulda. Wer die Eleganz und Schnheit der barocken Innenausstattung des Stadtschlosses in all ihrer Pracht auf sich wirken lassen mchte, der

Fulda. Wer die Eleganz und Schnheit der barocken Innenausstattung des Stadtschlosses in all ihrer Pracht auf sich wirken lassen mchte, der muss unbedingt den Dalbergsaal besuchen. Nach monatelanger Erneuerung der krftig roten Wandbespannung mit ihrer filigranen, goldschimmernden Ornamentik, der Bestuhlung und Auffrischung der Farben des formenreichen Deckenstucks glnzt das edle Schatzkstlein" wieder. In frischem Kleid erwartet der Dalbergsaal nun die Besucher des Schlossherrn, egal ob nobler Ehrengast oder einfacher Tourist. Fuldas Kulturdezernent und derzeitiger Schlossherr" Gerhard Mller hatte die ehrenvolle Aufgabe, im kleinen Kreis - darunter die beiden Ehrenbrger OB a.D. Dr. Wolfgang Hamberger sowie der frhere Stadtverordnetenvorsteher Heinz Gellings - den fr rund 65.000 Euro restaurierten Saal wieder seiner Bestimmung zu bergeben. Am Empfang nahm auch Irmgard Kramer, die Witwe Ernst Kramers, teil, der entscheidenden Anteil an der Restaurierung und Wiedernutzung der historischen Rume des Schlosses hatte.

Spiegelkabinett zurck gekauft

Vor 50 Jahren gelang wesentlich durch Ernst Kramer der Rckkauf der Originale des barocken Spiegelkabinetts, das im Hanauer Schloss Philippsruhe lagerte. Das, so Mller in seiner einleitenden Rckschau, sei der wichtige Auftakt gewesen, die Wohnsttte der Frstbischfe im Sdflgel des Schlosses zu restaurieren." Mit der Inbesitznahme dieses Flgels war ein Markstein gesetzt. In einer schier unglaublichen Anstrengung sei es schlielich 1976 gelungen, den Frstensaal zu bergeben. Mancher der Gste, meinte der OB, knnten sicherlich anekdotenhafte Verbindungen aus dieser Zeit wiedergeben. Den abendlichen Empfang nahm Fuldas Kulturdezernent zum Anlass, jenen Menschen besonders zu danken, die die historische Bedeutung des Vorhabens damals zielsicher erkannt und mit hoher Kompetenz und Durchsetzungskraft dafr gesorgt haben mit der berzeugungskraft der Politik die Rume so prsent zu machen, dass sie ihre ganze barocke Pracht wiederentfalten konnten."

Gesamtrenovierung war notwendig

Im letzten Herbst begann die Renovierung des Dalbergsaals. Die zerschlissenen Polster seien frmlich ins Auge gesprungen." Doch nicht nur die Polster, auch Tapete und Decke konnten nicht im alten Zustand bleiben. Deshalb folgte die Gesamtrenovierung. Die berzeugungskraft von Kulturamtsleiter Dr. Werner Krichhoff habe geholfen, das Vorhaben umsetzen. Der OB hat sich um die Finanzierung gekmmert". Mllers Dank galt an dieser Stelle insbesondere der Sparkasse und ihrem Vertreter Alois Frchtl fr die finanzielle Untersttzung, insbesondere Dr. Werner Kirchhoff als spiritus rector", aber auch denjenigen, die die Restaurierung realisiert haben. Unter anderem die Gebrder Seng und der Fa. Bohn. Gleichzeitig erinnerte Fuldas Verwaltungschef an den ursprnglichen Frderer der Schlosssanierung: Ernst Kramer. Mit der bergabe des Dalbergsaals erinnern wir uns an das, was er uns und der Stadt hinterlassen hat."

An Ernst Kramer erinnert

Das Leben und Wirken Ernst Kramers" skizzierte Museumsleiter Dr. Gregor Stasch nach. Schon als junger Regierungsbaurat habe er in den 30er Jahren ber die Umgestaltung und Sanierung des Schlosses nachgedacht. Fast 40 Jahre sollten jedoch vergehen, bis 1976 diese Umgestaltung des Frstensaals mit Szenen des antiken Gtterhimmels unter seiner mageblichen Beteiligung Wirklichkeit werden konnte. Bereits in den 50er Jahren war die vereinfachte Wiederherstellung desSaals erfolgt, die Ernst Kramer allerdings als unzureichend ansah.

Wortgewaltiger Publizist und Privatgelehrter

Der am 31. Oktober 1909 Geborene folgte einer Familientradition: Vater und Grovater waren Architekten gewesen. Ernst Kramer studierte Bauwesen in Mnchen, Dresden und Berlin und schloss das Studium als Bauingenieur ab. Nach seiner 2. Staatsprfung 1936 kam er als Mitarbeiter Albert Speers zur Arbeitsfront" im Gebiet der Mark Brandenburg. 1939 folgte der Wehrdienst. Kurz vor Kriegsende geriet der gebrtige Fuldaer in amerikanische Gefangenschaft und kehrte in seine Heimatstadt zurck. Wegenseiner NS-Mitgliedschaft erhielt der Bauingenieur Arbeitsverbot. Deshalb arbeitet er ab dann als freischaffender Architekt. Sein Interesse galt den historischen Bauten seiner Vaterstadt. Whrend der Referendarzeit 1932 in Fulda war Ernst Kramer an bedeutenden Projekten wie der Freilegung der Fresken in der Krypta der ehemaligen Klosterkirche in Neuenberg, der Grabung am Domplatz oder der Sanierung im Bereich des ehemaligen Residenzgartens beteiligt. Schon damals zeigte sich sein Interesse an bauhistorischen Fragestellungen, an Kunst und bauhistorische Forschungen sowie aus tiefer Kenntnis abgeleitete Freude am Gestalten.

Die Sanierung des alten Rathauses oder des 1. Obergeschosses des sdlichen Ehrenhofflgels zhlen zu Ernst Kramers herausragenden Leistungen. Insbesondere im Schloss habe er eine von allen bewunderte barocke Raumfolge mit dem Spiegelkabinett als Hhepunkt geschaffen. Das Ergebnis nach sechs Jahren sei bestechend gewesen, urteilt Stasch, vor allem deshalb, weil sich Ernst Kramer auf sein Wissen und seine reiche Erfahrung verlassen konnte. Mit dem Rathaus und dem Frstensaal im Schloss habe er sich Denkmale gesetzt. Fr seine groartigen Leistungen verlieh ihm am 10. Mai 1976 die Stadt den Kulturpreis. Dieser Anlass konnte im Frtensaal, einer seiner herausragenden Wirkungssttten, festlich begangen werden. In der Sptphase seines Lebens, in der sich Ernst Kramer vom gesellschaftlichen Leben zurckgezogen hatte, habe er sich zum wortgewaltigen Publizisten und Privatgelehrten entwickelt. Es entstand eine ungeheure Zahl von 1.000 Verffentlichungen. Mitunglaublicher Energie korrespondierte Ernst Kramer in der Schlussphase seines Lebens mit der ganzen Welt. Er berzeugte durch Charme, Intelligenz und Bildung", bescheinigte Stasch dem groen Bauexperten und Restaurator. Der Dalbergsaal stehe am Anfang einer mittelfristig notwendigen Sanierung der historischen Rume, wo wir auf Schritt und Tritt E.K., wie er liebevoll genannt wurde, folgen knnen."

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