Was bedeutet die Corona-Krise für Menschen in der Region?

In der Coronakrise...

Eine Krise wird ja zunächst einmal mit etwas Schlechtem gleichgesetzt. So verlangt es die Natur des Menschen. Und zweifelsohne hat auch diese Coronakrise nicht nur unseren Alltag mit seinen Höhen und Tiefen, sondern den der meisten Bürger gehörig durcheinander gewirbelt. Nicht nur in unserer unmittelbaren Umgebung oder über die Grenzen des Kreises Fulda hinaus – nein, überall auf der Welt herrscht Betroffenheit. Auf der einen Seite sind wir durch das Virus zusammengerückt, auf der anderen Seite aber kapseln wir uns ab, so dass man sich an die Kleinstaaterei des 17. Jahrhunderts erinnert fühlt. Die Coronakrise verlangt jedem Einzelnen gehörig Viel ab, und dies auf den unterschiedlichsten Ebenen. Dennoch meine ich, dass der viel zitierte Wandel in der Gesellschaft schon im Gange ist; die Menschen sind nachdenklicher, sensibler und zugewandter geworden. Was in dem schlichten Satz „Bleiben Sie gesund!“ zum Ausdruck kommt, der in diesen Zeiten eine so tiefe Bedeutung erfährt. Das Virus stellt vieles auf den Kopf, rückt möglicherweise aber auch Einiges gerade. Und bietet die Chance auf ein Zusammenleben unter anderen Vorzeichen. Eine Chance, die man nutzen sollte. Um sich vielleicht irgendwann einmal an den Albumtitel von „Supertramp“ erinnert zu fühlen: „Crisis? What Crisis?“ Bertram Lenz, Redaktionsleiter „Fulda aktuell“

Die Corona-Pandemie hat die Welt in einem erheblichen Ausmaß verändert. Ich denke, wir können heute noch gar nicht abschätzen, welche mittel- und langfristigen Veränderungen sie für die Menschen weltweit zur Folge haben wird. Auch wenn ein Impfstoff verfügbar sein wird, wird es noch lange dauern, bis die Folgen bewältigt sein werden. Positiv und für mich beruhigend ist die Erkenntnis, dass in dieser echten Krisensituation die Menschen in unserer Gesellschaft in großen Teilen doch schnell – nur im übertragenen Sinne – enger zusammengerückt sind. Die Stimmen von Populisten und derjenigen, die mehr oder weniger alles in unserem Land schlecht reden, sind, so meine Wahrnehmung, deutlich ruhiger geworden. Das ist wichtig, denn wir leben im Wohlstand, haben einen leistungsfähigen Staat und ein gutes Sozialsystem. Eine Tatsache, die in den letzten Jahren von vielen zerredet oder gar geleugnet wurde. Christian Henkel, Bürgermeister in Flieden

... nutze ich die Zeit, die mir durch Kurzarbeit und auch die Ostertage zur Verfügung stand und steht, auf ganz neue Weise. Zeit mit der Familie, Zeit für ehrenamtliche Projekte wie Videos für den Kirchenvorstand meiner Gemeinde, Zeit für Kreatives wie Musik habe ich jetzt. Daneben habe ich auch mehr Zeit für Artikel in unserer Zeitung, die trotz der Coronakrise jede Woche im Kollegium entstehen und guten Lesestoff bieten. Und ich hatte sogar Zeit, in Handarbeit und ohne Nähmaschine aus einem nicht genutzten Tischläufer Schutzmasken zu nähen (siehe Foto). Ich freue mich darüber, dass das Einkaufen für mich bisher noch nicht zum abschreckenden Erlebnis geworden ist und dass sich die allermeisten Menschen an das halten, was uns aus Schutzgründen vorgeschrieben wurde. Dass große Veranstaltungen wie beispielsweise die „Bad Hersfelder Festspiele“ abgesagt wurden, macht mich sehr traurig. Aber rational gesehen macht unsere Bundesregierung in dieser Krise einen guten Job. Ich freue mich auch darüber, dass in sehr vielen Bereichen unseres Lebens neue Ideen entstehen, wie diese Krise am besten für sich selbst, die Familie und die Geschäftswelt gemeistert werden kann. So schlimm Corona und die damit verbundenen Einschränkungen auch sind, so kann all das auch Gutes hervorbringen.

Christopher Göbel, Redakteur „Fulda aktuell“

Die freie Zeit, nahezu ohne Abend- und Wochenendtermine nutze ich mit meiner Familie. Wir gehen öfters spazieren, radfahren und genießen unsere blühende Landschaft. Gerade im Frühling wenn alles grünt und blüht spürt man die Kraft der Natur. Dieses Wachstum empfinde ich gerade in diesen Zeiten als motivierend und lässt mich hoffnungsvoll nach vorn blicken.

Hermann-Josef Scheich Bürgermeister der Marktgemeinde Eiterfeld

Die derzeitige Ausnahmesituation hat den Arbeitsalltag stark verändert. Fast alle Außentermine entfallen. Dafür bin ich zeitlich sehr stark durch Telefonkonferenzen und die Arbeit in Krisenstäben gebunden. Die aktuellen Herausforderungen erfordern es, in noch höherer Taktung Entscheidungen zu treffen und dabei mit Besonnenheit und Augenmaß zu agieren. Eine gewisse Anspannung ist in dieser Situation wohl nicht zu vermeiden. Umso wichtiger ist es, auch Kraft zu schöpfen. Dabei hilft mir die Familie, der Blick für die Schönheit der Natur und Joggen (natürlich mit Abstand!). Insgesamt erlebe ich die Krise mit ihrem hohen Entscheidungsdruck auch als Chance, das Wesentliche vom weniger Wichtigen noch besser unterscheiden zu können.

Dr. Heiko Wingenfeld, Oberbürgermeister der Stadt Fulda

Die aktuelle Lage bedeutet für viele Menschen der Verzicht auf soziale Kontakte. Auch für mich als Volontärin ist es merkwürdig, den Menschen nun aus dem Weg zu gehen, anstatt auf sie zu zugehen. Keine Interviews mit interessanten Persönlichkeiten zu führen und sich mit Kollegen meist nur noch digital auszutauschen, ist aktuell leider der Alltag. Trotz des Verzichts auf schöne Nachmittage mit der ganzen Familie oder mit Freunden, können wir alle die Zeit nutzen und auch einmal für die kleinen Dinge im Leben dankbar sein oder sich über kurze Begegnungen freuen. Martina Lewinski, Redaktionsvolontärin bei "Fulda aktuell"

Die Coronakrise bedeutet für mich und für uns alle eine komplette Umstellung unserer Lebens-, Arbeits- und Verhaltensgewohnheiten. Gerade die Aufgabe des Bürgermeisters der Stadt Fulda ist in hohem Maße mit persönlicher Begegnung, Kommunikation und sozialer Gemeinschaft verbunden, so dass nunmehr nahezu alle Abläufe verändert werden mussten. Gleichzeitig bewirkt die derzeitige Situation bei mir eine deutliche Fokussierung auf wesentliche Aufgaben und eine Rückbesinnung auf den Wert menschlicher Begegnungen.

Dag Wehner, Bürgermeister der Stadt Fulda

Diese Zeit und ihre Tage sind anders und auch besonders: Das Leben ist gleichermaßen aufreibend wie reduziert. Mein beruflicher Alltag, sonst so voller unterschiedlicher Themen und Aufgaben, fordert nun, alles und jedes im Hinblick auf das beherrschende Thema Corona abzuwägen und zu entscheiden. Keine Termine in den Gemeinden, keine Besuche bei Vereinsjubiläen und Festen, keine Begegnungen und Gespräche mit den Menschen vor Ort – daran würde ich mich nicht gewöhnen können. Das Leben im Miteinander ist beschränkt auf die kleinste soziale Einheit. Das klingt eintönig, ist es aber nicht. Sich beruflich und auch innerhalb der Familie zu fokussieren, ist eine gute Erfahrung, um wieder einmal zu erkennen, was wirklich wichtig ist. Bernd Woide, Landrat des Kreises Fulda

Es ist eine herausfordernde Zeit, in der wir alle das uns Mögliche tun, um die Situation im Griff zu behalten. Da uns dies nach meinen Eindruck mit großem Einsatz unserer Mitarbeiter gelungen ist, ist es wichtig, ruhig und besonnen zu bleiben. Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Die Pandemie ist nicht so schnell zu Ende – sie ist erst am Anfang. Jede Lockerung bedeutet daher auch mehr Risiko. Deshalb ist der Eigenschutz durch Abstand und Hygienemaßnahmen und gegebenenfalls auch durch einen einfachen Mundschutz immens wichtig. Die Folgen dieser Pandemie werden uns noch lange beschäftigen, hart treffen wird es die kommunalen Finanzen. Im Moment rechnet man mit Einnahmeverlusten und höheren Ausgaben, die sich bundesweit auf 11,5 Milliarden Euro summieren. Wir werden, ohne Hilfe von Bund und Land, nur sehr schwer in sicheres Fahrwasser kommen. Die Verschuldung wird steigen und viele Leistungen werden nicht mehr bezahlbar sein. Es wird Einschnitte geben müssen – für alle. Wirtschaftlich hoffe ich, dass unsere Unternehmen mit den Hilfen von Land und Bund die Zeit durchhalten können und danach wieder, wenn auch anfangs langsamer, die Motoren unserer Entwicklung werden.

Manfred Görig, Landrat Vogelsbergkreis

Für mich als neuen Bürgermeister ist es natürlich ein schwieriger Start. Das hätte ich mir sicher anders gewünscht. Allerdings macht man in solchen Krisenzeiten auch viele positive Erfahrungen. Dazu gehört ganz sicher die Kreativität und Einsatzbereitschaft vieler Menschen, die gerade in solchen Zeiten über sich hinauswachsen und für uns alle das Leben trotz der notwendigen Einschränkungen erträglicher machen. Ich bin sehr stolz darauf, Bürgermeister von Hünfeld zu sein, weil es gerade in unserer Stadt viele dieser Menschen gibt. Auch die Mitarbeiter in der Stadtverwaltung will ich hier gern einschließen, weil sie mit hoher Motivation vieles leisten, damit wir diese Zeit gut bestehen. Es ist richtig, dass derzeit in der Politik viel auf Sicht gefahren werden muss, weil wir mit der Corona-Pandemie einer Herausforderung gegenübersehen, über die wir alle noch zu wenig wissen. Wir können die gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Risiken noch nicht vollständig einschätzen. Gleichwohl ist es aber wichtig, sich schon jetzt Gedanken darüber zu machen, wie wir die Folgen dieser Krise überwinden können. Ich vertraue darauf, dass wir uns den guten Zusammenhalt auch für die Zeit nach Corona bewahren werden. Wichtige Etappenziele sind schon erreicht, aber der Weg wird noch lang sein. Ich gehe das mit Respekt aber auch dem notwendigen Optimismus an. Benjamin Tschesnok, Bürgermeister der Stadt Hünfeld

Durch die Coronakrise hat sich die Welt verändert und sie verändert sich weiter. Ich bin kein Pessimist, gehe aber davon aus, dass sie nicht mehr so sein wird, wie sie vor Corona gewesen ist. Was uns die aktuelle Situation hoffentlich lehrt, das ist, den Blick für das Wesentliche zu bekommen und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Was die tägliche Arbeit angeht, so läuft jetzt der Großteil digital ab, und da kommt schon Einiges zusammen. Aber auch hier muss man den Überblick behalten und sich auf das Wesentliche beschränken. Man ist jetzt auf eine andere Art und Weise gefordert als vorher. Etwas Positives hat die Krise schließlich auch noch für mich persönlich: Ich komme jetzt dazu, meine Mahlzeiten regelmäßiger einzunehmen. Rainer-Hans Vollmöller, Bürgermeister Lauterbach

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