Bedroht der Waschbär das Birkwild in der Rhön?

Das Birkwild steht ganz unten in der Nahrungskette und kann sich selbst nicht schützen.
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Das Birkwild steht ganz unten in der Nahrungskette und kann sich selbst nicht schützen.

Der Waschbär verbreitet sich in unserer Region immer weiter. Nun bedroht der Räuber das Birkwild in der Rhön.

Hilders. Ganz niedlich, flauschig und völlig unscheinbar scheint er, der Waschbär. Zahlreiche Videos  und Fotos kursieren von diesem kleinen Raubtier im Internet, die ihn als süßen, gar charmanten Futterdieb darstellen. Doch zeigt der anpassungsfähige  Nordamerikaner seine Zähne und sein Gefahrenpotenzial, dann ist es aus mit dem Niedlichkeitsfaktor.

"Der Waschbär frisst das, was er in die Finger bekommt", erklärt Christian Lintow, Berufsjäger der "Wildland Stiftung Bayern". Die ist verantwortlich für das "Birkwild-Projekt" in der Rhön. Seit 1976 sorgt das Projekt für den Erhalt des Birkwildes. Dazu gehört auch die Birkhühner vor Prädatoren  wie zum Bespiel den Waschbären zu schützen. Im vergangenen Dezember hat das Bundesland Hessen seine jagdrechtliche Verordnung geändert und eine Schonzeit für Waschbären eingeführt. Dieser darf nun nur noch vom 1. August bis zum 28. Februar auf hessischem Boden bejagt werden. Das Problem dabei ist, dass an das  Naturschutzgebiet "Lange Rhön" (Bayern) auch die beiden Bundesländer Hessen und Thüringen direkt angrenzen. "Der Waschbär kann ja nicht wissen, wann er sich in welchen Bundesland aufhält", gibt Lintow zu bedenken. Und fragt sich, warum bei der Verordnung keine Differenzierung nach Naturschutzgebieten vorgenommen worden sei. "Der Waschbär ist ein absoluter Lebenskünstler. Er passt sich seiner Umgebung völlig an und hat das Glück, hier keine natürlichen Feinde zu haben. So kann er sich ungehindert fortpflanzen", sagt der Berufsjäger. Lintow sieht die elf Birkhähne und sieben Hennen durch die Waschbären gefährdet.

"Der Waschbär ist nachtaktiv und lässt sich nur selten blicken. Das macht eine Zählung unmöglich und erschwert die Jagd.", erklärt Florian Wilshusen, Leiter des Forstamtes Hofbieber. Man könne nur die verstorbenen Tiere zählen. So seien 816 Tiere mit gefangen oder geschossen und 47  Waschbären überfahren worden. Die Dunkelziffer liege jedoch höher. "Der Waschbär ist für Jäger ein Problem, da er eine Bedrohung für einheimische Tierarten wie das Birkwild, den Roten Milan und den Schwarz Storch sein kann", so Wilshusen weiter.

"Das Problem ist, dass man beim Waschbären nicht zwischen Männchen und Weibchen unterscheiden kann und somit die Gefahr besteht, dass Junge verhungern, wenn die Mutter eingefangen oder erlegt wird. Die Schonzeit hat tierschutzrechtliche Gründe." Auch die EU schätzt den Waschbären seit Juli als eine invasive Art ein. Der Beschluss soll die weitere Ausbreitung dieser Tierart verhindern. Er steht laut der Meinung des Forstamtleiters nicht im Widerspruch zur Schonzeit.

"Man kann den Waschbären nicht durch Jagd eindämmen. Bestenfalls können andere Tiere durch Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel Horst- Baummanschetten, geschützt werden", so Wilshusen.  "Die Eindämmung der flauschigen Raubtiere ist mutmaßlich nur durch natürliche Feinde, wie  den Wolf, der noch nicht wieder in der Region lebt, oder den Uhu, der sich wahrscheinlich nur an Jungtiere traut, möglich. Oder die Population erkrankt an Staupe oder ähnlichen Krankheiten, die dann den Bestand verringern."

"Wir hoffen auch weiterhin den Waschbären jagdlich in vollem Umfang nutzen zu dürfen. Das die Bemühungen um den ehrenamtlichen Arten- und Naturschutz der Jägerschaft besonders hier in der Rhön weiter Früchte tragen", sagt Lintow."Ich wünsche mir für unsere Arbeit ein bisschen mehr Verständnis und hoffe, dass die Menschen verstehen, dass wir nicht einfach nur Tiere erlegen, sondern unser Ökosystem schützen und erhalten möchten", so Lintow abschließend.

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