„Beinahe-Katastrophe“

ICE-Unglck im Landrckentunnel bei Kalbach Staatsanwaltschaft Fulda hat Ermittlungen aufgenommen Fulda/Mittelkalbach. Die Staatsanwaltschaf

ICE-Unglck im Landrckentunnel bei Kalbach Staatsanwaltschaft Fulda hat Ermittlungen aufgenommen

Fulda/Mittelkalbach. Die Staatsanwaltschaft Fulda hat Ermittlungen zum ICE-Unglck im Landrckentunnel bei Mittelkalbach aufgenommen. Dort war am spten Samstagabend des 26. April 2008 gegen 21.05 Uhr ein aus Fulda in Richtung Wrzburg fahrender Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn am Eingang der Rhre bei einer Geschwindigkeit von rund 200 Stundenkilometern mit einer 75-kpfigen Schafherde kollidiert und etwa nach einem Kilometer im Tunnel an einer berleitverbindnung (Weiche) entgleist.

Bei der Beinahe-Katastrophe wurden gottlob nur 15 Fahrgste leicht (Prellungen, Hautabschrfungen) und vier mittelschwer (Knochenbrche) verletzt. Die Bergungsarbeiten laufen unterdessen auf Hochtouren, gestalten sich aber offenbar schwieriger als erwartet. Der eine Triebkopf des ICE wurde am Montagabend in Richtung sdlicher Tunnelausgang (Weichersbach/Mottgers im Main-Kinzig-Kreis) geborgen, der hintere, weniger stark beschdigte Triebkopf am frhen Dienstagmorgen nach Norden abgeschleppt. Probleme bereiten offenbar die zehn aus den Schienen gesprungenen Waggons, die mit zwei Spezialkrnen auf die Nebengleise gehoben und herausgezogen werden mssen.

Die Ermittlungen der Fuldaer Staatsanwaltschaft gehen in zwei Hauptrichtungen, wie Pressesprecher Harry Wilke auf Nachfrage von Fulda aktuell erluterte. Zum einen wrde gegen den Schafhalter wegen des Verdachts eines fahrlssigen gefhrlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Zum anderen laufen nach neuesten Erkenntnissen auch Ermittlungen gegen Verantwortliche der DB.

Unstrittig sei mittlerweile, dass nur wenige Minuten vor dem Unglck ein Zug in der Gegenrichtung nach Norden schon an gleicher Stelle mit einem Schaf zusammengestoen war. Der Zugfhrer hatte gestoppt, den Schaden begutachtet und vor dem Weiterfahren wohl auch Meldung gemacht. An wen, das ist eine komplizierte rechtlich Frage, sagte Wilke. Wer wo sa und was htte machen bzw. wen warnen mssen, das gilt es jetzt zu klren. Die Ermittlungen wrden aber wohl in Richtung des zustndigen Fahrdienstleiters gehen. Auch der Spur mglicherweise wildernder Hunde, die die Schafe aus ihrer elektrischen Umzunung in Panik gebracht und auf die Gleise getrieben haben knnten, werde nachgegangen. Bei welchem Hundebesitzer sollen wir ansetzen, wenn wir noch nicht mal genau wissen, ob es die Hunde tatschlich gegeben hat?

Nicht besttigen konnte Wilke, dass es auch Ermittlungen gegen einen der Zugfhrer des aus sdlicher Richtung einfahrenden Rettungszuges gibt, der angeblich mit einem niederen Alkohol-Promillewert bei Burgsinn (Unterfranken) aus dem Verkehr gezogen wurde. Das hre ich zum ersten Mal und betrfe auch wohl nicht unseren Zustndigkeitsbereich. Der betroffene Schfer Norbert W. aus Mittelkalbach und seine Frau wollten sich in der ffentlichkeit nicht mehr uern. Nachdem die Familie am Montagnachmittag von der riesigen Medienprsenz regelrecht berrolt worden war und quasi unter Schock stand, bernahm der Vorsitzende des Hessischen Verbandes fr Schafzucht und -haltung, Reinhard Heintz, von Kassel aus die Pressearbeit. Er bezeichnete W. als Spitzenkraft, der schon jahrelang einen Vorzeigebetrieb leitet.

Die tragischen Umstnde knne er sich nur durch Fremdverschulden erklren, da die Herde bei einem letzten Besuch des Schfers etwa eine halbe Stunde vor dem Unglck innerhalb eines Elektrozaunes gestanden habe. In der Vorwoche am Donnerstag seien zwei schwarze Hunde beobachtet worden, die die Tiere mglicherweise vor sich her getrieben haben knnten. Heintz: Normalerweise berquert ein Schaf keinen Bachlauf, der zu dieser Zeit auch noch Hochwasser fhrte, und geht auch nicht auf groben Schotter. Das waren alles ortskundige Tiere, die im Umkreis von 800 bis 1000 Meter vom Tunnel auf den Weiden grasten.

Der Verband wolle seinem Mitglied auf jeden Fall untersttzend und hilfreich zur Seite stehen, der betroffene Schfer habe auch schon erste Kontakte zu seiner Haftpflichtversicherung und einem Rechtsanwalt aufgenommen. Heintz sieht aber auch die Bahn in die Pflicht genommen und eine Mitschuld tragend, zumal Norbert W. schon vor Jahren auf mgliche Gefahrenpunkte hingewiesen und es wohl auch in der Gemeinde entsprechende Initiativen respektive Unterschriftensammlungen fr eine Einzunung im Umfeld des Tunnelportals gegeben habe.

Insgesamt vertritt der Hessische Schafzchter-Verband 700 Mitglieder (Berufs- und Wanderschfer, Hobby- und Nebenerwerbslandwirte) mit 5.000 Schafherden und 185.000 Schafen, die eine wichtige landschaftspflegerische Aufgabe erfllten. Aber eine solche tragische Geschichte hat es bisher noch nicht gegeben. Ein Wunder, dass nicht noch mehr passiert ist, so Reinhard Heintz. Ein Bahnsprecher der DB-Netz AG sagte auf Anfrage von Fulda aktuell, dass ein Einzunen der insgesamt 34.000 Streckenkilometer keine Alternative sei. 34.000 km mal zwei das ist schon eine Hausnummer. Im Gegensatz zu den Hochgeschwindigkeitstrassen des TGV in Frankreich, die komplett eingezunt seien, verfge die DB ber ein Mischnetz, auf dem Personennah-, S-Bahn-, Gter-, Intercity und ICE-Verkehr abgewickelt wrde.

Das macht keinen Sinn, da viele Strecken durch bewohnte Gebiete fhren. Die Zune wren nie ganz dicht zu bekommen, auch die Wartung wrde Probleme bereiten. Und wenn denn doch mal Tiere reinlaufen, wie bekommen sie die wieder raus? In Einzelfllen und an exponierten Stellen, etwa an stark frequentierten Wildwechseln, seien indes schon Wildzune errichtet worden. Auch die Hochgeschwindigkeitsstrecke der dritten ICE-Generation von Kln nach Frankfurt sei durchgehend eingezunt. Bahnchef Hartmut Mehdorn jedenfalls zeigte sich nach dem Unglck von Mittelkalbach ziemlich konsterniert und hat zumindest fr die Tunneleingnge eine bessere Kontrolle angekndigt auch wenn diese vom Grundsatz her sicher seien.

brigens: Bei Arnstadt in Thringen raste am Dienstagvormittag ein DB-Regionalzug in eine Rinderherde. Dabei wurden 13 Khe von einer vier Kilometer entfernten Weide gettet. Es soll wie auf einem Schlachtfeld ausgesehen haben. Die Lok wurde schwer beschdigt, Personenschaden war hier glcklicherweise nicht zu beklagen. (ehr)

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