Besser Ossi

Wir schreiben das Jahr 2010 nach Christus und gut zwanzig Jahre nach der Wende in 1989. Ganz Deutschland wird mittlerweile von den Wessis besetz

Wir schreiben das Jahr 2010 nach Christus und gut zwanzig Jahre nach der Wende in 1989. Ganz Deutschland wird mittlerweile von den Wessis besetzt, besser gesagt, dominiert, bis - ja bis auf eine kleine aber feine und bis dato recht rechtsfreie Ossi-Enklave im Groraum Stuttgart. Dort, in der meist heilen, oftmals aber auch scheinheiligen und besserwisserischen Wessi-Welt der Schwabenmetropole, wollte nun eine frhere Ostberlinern vor dem ortsansssigen Arbeitsgericht kmpferisch klren lassen, ob sie sich, stellvertretend fr all jene Menschen aus und auf dem Territorium der frheren DDR als eigene Ethnie, oder anders ausgedrckt, selbststndiger Volksstamm fhlen und auch so (be-) nennen darf.

Pustekuchen! Die Richter aus dem Schwabenlndle verstanden keinen Spa. Solange Brathhnchen drben immer noch Broiler heien und Piefkes pullern statt pinkeln sind Thringer und Sachsen noch lange kein eigener Stamm, wie beispielsweise die Bayern und Schwaben. Wir Wessis laufen ja auch nicht im Sommerurlaub wochenlang (k)nackig durch Nudistencamps an der Ostsee oder belauern uns permanent am Maschendroodzaun. Wir weihen unsere Jugendlichen mit richtigem Wasser und taufen nicht Trabis mit Billigbrause. Wir traben in Lederhosen und mit Gamsbrten umherund knnen alles - auer richtig Hochdeutsch und Englisch sprechen (ttinger lsst schn gren). Und schlechte Witze, wie der, was die Sonne sagt, wenn sie abends untergeht (endlich wieder im Westen"), oder jener, warum die Ossis nicht vom Affen abstammen knnen (weil sie 40 Jahre ohne Bananen berlebten") wrden wir niemals erzhlen...

Aber jetzt mal ernsthaft und frei von allen gngigen, bisweilen glitschigen Kultur-Klischees: Gut so, dass weitestgehend zusammengewachsen ist, was zusammengehrt. Besser noch, dass wir nach 40 Jahren Trennung wieder ein einig Volk sind - mit all seinen Eigenheiten und Eigenarten. Am allerbesten, dass seinerzeit alles friedlich ber die Welt-Bhne ging und Ost und West heutzutage in Freiheit sehr gut zusammenleben knnen - wenn sie denn wollen. Dafr sollten wir alle froh und dankbar sein und grozgig darber hinwegsehen, dass es immer noch vereinzelte Dumpfbacken im Westen gibt, wie jenen schwbischen Personalchef, der die Buchhalter-Bewerberin aus Berlin mit dem Begriff Ossi" und einem Minuszeichen diskriminierte. Der ist in die Reihe jener Schwachkpfe einzuordnen, in deren querem Gedankengut die Mauer immer noch besteht. Die heutige (Hollywood-)Realitt sieht glcklicherweise anders aus - wie Ossi Angie und si Arnie aktuell im Wilden Westen bestens beweisen. Unter solchen Aspekten ist es doch vllig wurscht, ob die Sachsen, wie die Schwaben auch, partout ein eigener Stamm sein knnen - oder eben nicht ...______________________________________________________________Ihre Meinung? Schicken Sie mir eine E-Mail: ehrensberger@fuldaaktuell.de

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