Gehört der Tod noch zum Leben? Bestatter, Pfarrer und Notar im FULDA AKTUELL-Gespräch über Bestattungs- und Trauerkultur

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Menschen, für die Tod und Trauer zum täglichen Geschäft gehört, trafen sich auf Einladung von „FULDA AKTUELL“, um über das Bestattungswesen und die Kultur der Trauer in der heutigen Zeit zu sprechen.

Osthessen/Fulda - Gehört der Tod noch zum Leben? Oder sind das Sterben und der Umgang mit dem Tod heute ein Tabu-Thema? Wie hat sich das Bestattungswesen im Laufe der Jahre verändert? Welche Rolle spielt die Kirche und wie kann man bereits vor dem eigenen Tod Vorsorge treffen?

Diese und viele weitere Aspekte diskutierten die Bestatter Philipp Heres, Silvia Neidert-Maienschein, Stefan Oestreich und Werner Petrasch, der evangelische Kreuzkirchenpfarrer Stefan Bürger, Rechtsanwalt und Notar Dr. Gerhard Schlitt aus Petersberg, Susanne Böse („Böse Grabmal Zentrum“) und Ramona Glück („Ruheforst Rhön“) auf Einladung von „Fulda aktuell“.

Der Wandel ist da

„Es gibt einen Wandel. Heute muss alles schnell-schnell gehen“, sagt Heres. Im Gegensatz zum „herkömmlichen“ Begräbnis mit Sarg, Trauerfeier und Tröster hätten auch anonyme Bestattungen zugenommen. „Ich hatte sogar mehrere Fälle, bei denen die Angehörigen vor der Beisetzung erst in den Urlaub fahren wollten“, fügt er hinzu. Das seien jedoch Ausnahmen, so Neidert-Maienschein. Ebenso wie See-Bestattungen, die in Osthessen eher selten gewünscht würden. „Das gibt es bei uns zwei- bis dreimal im Jahr“, so Neidert-Maienschein. „Man nimmt den Angehörigen allerdings einen Ort zum Trauern“, fügt die Bestatterin hinzu. Und auch Böse ist der Meinung, dass „die Kinder entwurzelt werden, wenn sie keinen Ort zum Andenken an die Verstorbenen haben“.

Galerie: Trauer-Gesprächsrunde bei FA

Trauer-Gesprächsrunde bei FULDA AKTUELL.
Trauer-Gesprächsrunde bei FULDA AKTUELL. © Schmitt
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Trauer-Gesprächsrunde bei FULDA AKTUELL.
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Trauer-Gesprächsrunde bei FULDA AKTUELL.
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Trauer-Gesprächsrunde bei FULDA AKTUELL.
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Trauer-Gesprächsrunde bei FULDA AKTUELL.
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Trauer-Gesprächsrunde bei FULDA AKTUELL.
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Trauer-Gesprächsrunde bei FULDA AKTUELL.
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Trauer-Gesprächsrunde bei FULDA AKTUELL.
Trauer-Gesprächsrunde bei FULDA AKTUELL. © Schmitt

Es könne aber auch sein, dass Eltern sich aus anderen Gründen für eine Urnen- oder Waldbestattung entscheiden, so Oestreich. „Es soll keiner mehr Arbeit mit meinem Grab haben“, sagt er. Dr. Schlitt sieht auch die gesellschaftliche Entwicklung als Grund dafür an, warum in Osthessen die Zahl der Urnenbestattungen höher ist als die der Erdbestattungen: „Die Familiensituation hat sich grundlegend geändert. Oft leben die Kinder gar nicht mehr am Ort, an dem die Eltern bestattet wurden, da ist eine regelmäßige Grabpflege gar nicht mehr möglich.“ Pfarrer Bürger, der aus Kassel stammt, kennt die Problematik: „Ich wollte ein richtiges Grab für meine Eltern. Einen Ort, zu dem ich mit meinen Kindern fahren kann.“ Die Grabpflege sei einer der wichtigsten Punkte bei der Wahl des Bestattungsortes, so Anwalt Schlitt.

Trauer verändert sich

Über den heutigen Umgang mit der Trauer sagt Böse: „Ich glaube nicht, dass anders getrauert wird als vor 20 oder 50 Jahren. Aber der Umgang damit hat sich verändert. Wer mag heutzutage trauernde Menschen?“ „Jede Generation trauert anders“, sagt Neidert-Maienschein. Laut Oestreich habe sich auf jeden Fall die Zeitdauer geändert, in der getrauert werde. „Früher war es ein Jahr, heute sind es vier Wochen.“ Laut Petrasch werde „die Trauer mehr ins Leben hereingeholt“. Als Beispiel nennt er Trauergruppen für Männer, die dem „Ein Mann weint nicht“ aus vergangenen Jahrzehnten gegenüber stünden, Hospizarbeit und weitere Gruppenangebote für Trauernde. „Der Tod wird heute mehr tabuisiert als vor 20 Jahren“, ist Schlitt sicher. Es gebe Berührungsängste mit dem Tod, was sich unter anderem daran festmachen ließe, dass Verstorbene früher bis zu drei Tage in ihrer Wohnung verblieben seien. „Heute sollen sie so schnell wie möglich geholt werden“, so Schlitt.

Welche Art der Bestattung ein Bestattungsunternehmen durchführt, entscheiden im Normalfall die Angehörigen oder der Verstorbene per Vorsorgevollmacht selbst. Wie bereits erwähnt, geht der Trend hin zu Urnenbestattung. „Bei uns ist es etwa die Hälfte“, so Neidert-Maienschein. „Bei uns sind es auf den Dörfern rund 80 Prozent“, sagt Heres. Bürger geht davon aus, dass in Osthessen etwa zwei Drittel der Bestattungen nicht im Sarg, sondern in einer Urne erfolgen. „Im Norden sind es mehr Urnen als im Süden Deutschlands“, sagt Böse. „Die Grabstätte als Statussymbol hat ausgedient“, konstatiert Schlitt.

Alternativen zum Friedhof

Auch an welchem Ort ein Mensch bestattet wird, kann zu Lebzeiten oder danach von Angehörigen bestimmt werden. Neben der klassischen Erdbestattung auf einem Friedhof gibt es beispielsweise Friedwälder wie den „Ruheforst Rhön“. „Anfänglich waren vor allem die Menschen aus den Dörfern rundherum skeptisch“, sagt Glück. Das habe sich inzwischen geändert. Man könne entweder mit einem Namenschild am Baum verewigt, aber auch anonym bestattet werden. Grabschmuck ist im Ruheforst verboten, und auch für Angehörige sei der Gedenkort eben ein Wald – mit allen Einschränkungen beispielsweise für Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind. „Auf uns kommen Menschen aller Altersgruppen zu“, so Glück. Heres erzählt, das sogar Freundescliquen einen Baum aussuchen, unter dem sie später gemeinsam bestattet werden möchten.

Aus kirchlicher Sicht

„Wir als Kirche gehen auf die Wünsche der Menschen ein“, so Pfarrer Bürger. Es gebe aber, so Neidert-Maienschein, auch Pfarrer, die Einfluss auf die Gestaltung der Trauerfeier nehmen. „Manche erlauben bestimmte Lieder nicht oder wollen keine Kondolenzlisten auslegen.“ Die Entscheidung, ob ein Pfarrer bei der Trauerfeier eines Menschen dabei ist, der aus der Kirche ausgetreten ist, liege bei der Evangelischen Kirche bei den Pfarrern und dem Kirchen- vorstand. „Die Institution Kirche, die von den Ausgetretenen abgelehnt wurde, ist genau dort, nämlich am Grab, wieder gefragt“, so Bürger. „Man muss sich überlegen, was man tut, wenn man aus der Kirche austritt.“

Laut dem Pfarrer suchten die Menschen Rituale, um sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Bei der evangelischen Kirche sei das beispielsweise der Totensonntag, in der katholischen Allerseelen und Allerheiligen. Damit sprach er auch für seinen katholischen Amtskollegen Stefan Buß, der seine Teilnahme am Redaktionsgespräch aus terminlichen Gründen absagen musste. „Man sollte sich Zeit zum Trauern nehmen, auch in unserer schnelllebigen Zeit“, so der Pfarrer.

Was die Bestattungskultur in Deutschland angeht, sollten Eltern ihren Kindern vorleben, wie angemessen mit Tod und Sterben umgegangen wird, so Neidert-Maienschein. Ihrer Meinung nach sollten auch Kinder an Beerdigungen teilnehmen. „Ich kenne Menschen, die als Kinder nicht zur Beerdigung der Großeltern mitgehen durften. Die sind heute noch nicht darüber hinweg“, so Neidert-Maienschein.

Die osthessischen Bestatter betreuen auch Verstorbene, die nicht christlichen Glaubens sind. Bei muslimischen Verstorbenen beispielsweise werde auf die Trauerriten Rücksicht genommen. „Türkische Verstorbene werden in den meisten Fällen in die Heimat geflogen“, sagt Neidert-Maienschein.

Zu Lebzeiten vorsorgen

„Wie man bestattet werden möchte, kann und sollte man bereits zu Lebzeiten festlegen“, so Anwalt Schlitt. Mit der Vorsorgevollmacht kann beispielsweise geregelt werden, ob es Erd-, Feuer- oder Seebestattung sein soll. Auch die Patientenverfügung ist ein Teil der Vorsorgevollmacht. „Solche Dinge gehören auf keinen Fall in ein Testament, denn bis das eröffnet wird, können Wochen vergehen“; so der Erbrechts-Experte. „Wer seine Angelegenheiten zu Lebzeiten geregelt hat, kann beruhigt sein. Änderungen sind auch jederzeit möglich“, sagt Schlitt. Laut den Bestattern sind Donnerstag, Freitag und Samstag die beliebtesten Tage für Bestattungen. „Das liegt daran, dass oft Verwandte und Bekannte angereist kommen“, so Oestreich.

Wichtig ist allen Gesprächsteilnehmern, dass Bestattungen individuell und nach den Wünschen des Verstorbenen oder der Angehörigen abgehalten werden sollten. Von sogenannten „Internet-Bestatter“, die ihre Leistung zu Dumpingpreisen anbieten, halten osthessische Bestatter nicht viel. „Wenn Sie eine Entsorgung haben möchten, dann können sie das per Internet so bestellen“, sagt Heres. Und die aufgerufenen Preise seien meist höher, als zuvor angegeben. „Da geht es nur um Masse“, so Neidert-Maienschein. In Osthessen seien das allerdings Ausnahmefälle.

Was die Bestatter auch umsetzen, ist ein möglichst umweltfreundliches Arbeiten. Kompostierbare Griffe am Sarg sind nur ein Teil dessen. Laut Heres ist die Feuerbestattung eine der umweltfreundlichsten Varianten, auch wenn für den Transport und die Verbrennung CO2 benötigt werde. Für Böse ist die Erdbestattung die „natürlichste Art“.

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