"Wir möchten einfach wieder Gastgeber sein"

Carolin Zuspann.
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Carolin Zuspann.

Wie beurteilen osthessische Unternehmer die Lockdown-Lage? Dazu Carolin Zuspann von der  Hünfelder Gastronomenfamilie

Hünfeld - Die Coronakrise stellt auch die heimische Gastronomie vor vielschichtige Herausforderungen. Fragen an Carolin Zuspann aus der Hünfelder Gastronomenfamilie.

FULDA AKTUELL: Wie lange ist der Gastronomiebetrieb bereits geschlossen?

CAROLIN ZUSPANN: Wir haben seit dem 1. November 2020 unser „Aha Das Wirtshaus“ in Hünfeld komplett geschlossen, sowie die „Praforst“ im à la carte Betrieb. Dort bieten wir Liefer- und Abholservice an. Events, Veranstaltungen, Weihnachtsfeiern sind komplett weggefallen.

FA: Hatten beziehungsweise haben Sie andere Einnahmemöglichkeiten (Liefer-/Abholservice)?

ZUSPANN: Neben dem Liefer- und Abholservice haben wir einen Pop-Up-Store vom 5. November bis 31. Dezember 2020 in Fulda eröffnet, in dem wir Schnittchen, Tagesgerichte, Sweets und Food-Boxen verkauft haben. Der Schnittchen-Store war eine kurzfristige kreative Idee unseres Teams, um den Lockdown besser zu überstehen. Elmar Zuspann, als ehemaliger Smutje, wurde unser Markenzeichen für den Store. Ein Seemann trotzt den Wellen, dem Sturm und kämpft gegen einen Untergang. Dies diente uns als Motivation.

FA: Kann Ihr Unternehmen den Lockdown verkraften?

ZUSPANN: Es muss unbedingt bald wieder weiter gehen. Wir brauchen Perspektiven. Der Lockdown kostet uns mehr Kraft, als das „normale“ Geschäft. Und „normal“ hat ja in der Gastronomie eine andere Bedeutung. Zudem haben wir schon vor dem ersten Lockdown ein Bauvorhaben in der „Praforst“ geplant. Die Umsetzung ist nicht mehr abzuwenden gewesen. Auch im Hinblick auf eine Wiedereröffnung mussten wir den Zeitplan nun einhalten. Somit wurde am 4. Januar 2021 der vordere Bereich der „Praforst“ komplett abgerissen und wird nun neu aufgebaut, um dort einen größeren und gemütlichen Raum mit viel Glas und einer ebenerdigen Privatterrasse zu bauen. Damit wir die Kosten decken können, muss die Gastronomie sehr bald wieder öffnen dürfen.

FA: Haben Sie staatliche Hilfen beantragt? Wenn ja, haben Sie Gelder erhalten?

ZUSPANN: Staatliche Hilfen haben wir beantragt und laut unserem Steuerbüro haben wir diesmal auch Anrecht darauf. Leider haben wir derzeit nur Abschlagszahlungen erhalten. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, weil wir ein verbundenes Unternehmen sind.

FA: Wie bereiten Sie sich auf eine mögliche Wiederöffnung ab dem 15. Februar vor?

ZUSPANN: Die neue Speisekarte ist geschrieben, welche traditionell zu Aschermittwoch erscheint. In diesem Jahr haben wir ein kleines Jubiläum. Unsere 35. Fischwochen begleiten uns durch die Fastenzeit. Gerne würden wir aufgrund dessen eine große Fischkarte präsentieren. Falls wider Erwarten die Gastronomie geschlossen bleibt, bieten wir natürlich auch Köstlichkeiten von der Fischkarte im Abholservice an, wie beispielsweise Gillardeau Austern, Hummerbisque, Kapitänsplatte mit unter anderem Seeteufel und Pulpo im Cook & Chill-Verfahren und vieles mehr.

FA: Was erhoffen Sie sich von 2021?

ZUSPANN: Gar nicht so viel. Wir möchten einfach wieder Gastgeber sein. Wenn es sein muss auch mit Auflagen, die wir gerne erfüllen.

FA: Was erwarten Sie von der Politik?

ZUSPANN: Natürlich neben den versprochenen Hilfen, langfristig den erniedrigten Mehrwertsteuer-Satz, damit wir eine Chance haben, aus der finanziellen Krise zu gelangen und zeitnah einfach nur Perspektiven, wie es weitergeht. Die derzeitige „Hinhaltetaktik“ macht einen mürbe. Natürlich können die Politiker nicht in eine Glaskugel schauen, jedoch spricht doch alles dafür, dass zeitnah kaum Veränderungen geschehen werden und Planungen für Wiedereröffnungen meistens nutzlos sind.

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