Bewegende Gastfreundschaft in Einfachheit und Abgeschiedenheit: Drei Tage bei der Landbevölkerung Panamas

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Bewegende Gastfreundschaft in Einfachheit und Abgeschiedenheit: Die Kleingruppen Eiterfeld und Oblaten erleben drei Tage bei der Landbevölkerung Panamas.

Fulda - Der Flug der ersten Reisegruppe der Fuldaer Wallfahrer zum Weltjugendtag verlief ohne Probleme, auch wenn der Umstieg in New York eine knappe Angelegenheit war. Pünktlich um 20 Uhr Ortszeit landeten die Jugendlichen in Panama City. Noch am Flughafen erfolgte die Aufteilung der Gruppen. Dabei fuhren viele Jugendliche in den Großraum von Colón, einer Stadt im Norden Panamas. Die Gruppen der Marienschule, der Oblaten und der Jugendlichen aus Eiterfeld dagegen machte sich auf die Reise zur Landbevölkerung, die bis zu vier Stunden entfernt in westlicher Richtung von Colón auf der anderen Seite des berühmten Panamakanals leben.

Am Flughafen bestiegen die genannten Pilgergruppen den Bus und machten sich auf eine nächtliche Reise. Gegen 2 Uhr kamen sie in Rio Indio an, wo sie herzlich von dortigen Gemeindemitgliedern mit Liedern begrüßt wurden. Doch Rio Indio war nicht das Ziel der Reise. Das Gepäck wurde auf einen kleinen LKW geladen und die Jugendlichen stiegen vom Reisebus in einen kleineren Bus um. Auf holpriger Piste, die stellenweise kaum mehr als Straße zu erkennen ist, kamen sie gegen 3 Uhr in Miguel de la Borda an. Dort zündeten die Dorfbewohner ein Feuerwerk und begrüßten die Gäste mit Trommelmusik und Tanz. „Diese herzliche Begrüßung hat mich tief bewegt“, sagt Valentin Böhm aus Ebersburg-Ried, der zur Pilgergruppe der Oblatenjugend gehört. „Es war für mich unbegreiflich, wie viele Dorfbewohner uns mitten in der Nacht begrüßten“, so Böhm. Nach dem herzlichen Willkommen ging es für die Oblatengruppe in die Gastfamilien.

Für die Eiterfelder war Miguel de la Borda dagegen nur eine Zwischenübernachtung von einigen wenigen Stunden. Da der Ort das absolute Ende der Fortbewegung per Auto ist, ging es für die Jugendlichen kurz nach dem Morgengrauen mit einem kleinen Boot auf dem Fluss Miguel weiter zur Siedlung Nazareth. Das kleine Dorf, dass aus wenigen Hütten, einer kleinen Schule und einer kleinen Kirche besteht, hieß die Jugendlichen herzlich willkommen. Die Pilger, die zusammen mit ihrem Pfarrer Markus Blümel und Ordinariatsrat Thomas Renze reisten, erlebten hautnah das Leben der einfachen Landbevölkerung, erfuhren in einem Theaterstück der Dorfbewohner von den Schwierigkeiten der Industrialisierung und Globalisierung, unter denen die Landbevölkerung zu leiden hat. „Ich bin ganz bewegt von den Tagen in Nazareth“, sagt Markus Blümel. „Diese Einfachheit und zugleich die Schönheit der Natur und der Schöpfung sind mein persönliches Highlight dieser Tage.“ Am zweiten Tag standen ein Badeausflug mitten im Urwald und der Besuch einer weiteren Siedlung auf dem Programm. Zugleich spielten die Jugendlichen Würfelspiele mit den Kindern und schlossen die Tage in der Siedlung mit einem bunten Abend ab.

Die Gruppe der Oblaten verbrachte die Tage in Miguel de la Borda. Voller Stolz zeigten die Einwohner ihr Dorf, was als zentraler Anlaufpunkt für die Siedlungen am Fluss am Umschlagsplatz und Hauptort dient. Deshalb verfügt der Ort übe eine größere Schule, in der in der Schulzeit 200 Schüler bis zur mittleren Reife lernen. In den Ferien, die derzeit in Panama sind, ist die Schule dennoch geöffnet. Etwa 50 Kinder nahmen an einem Ernährungsprogramm teil, weil sie zu arm sind, um in den Ferien eine geregelte Mahlzeit zu erhalten. Die 18 Jugendlichen um Pater Jens Watteroth wurden von der Schulleitung herzlich empfangen und lernten danach den Schulgarten sowie das Projekt zur Fischzucht kennen. Sie staunten auch über die einfache Schulküche, wo auf Holzfeuer in großen Schüsseln gekocht wurde.

Nach dem Besuch in der Schule stand auch ein Termin bei der örtlichen Polizeistation an. Die vier Beaten dort sind eine Woche lang Tag und Nacht für alle Belange der Region zuständig. Dazu gehört auch der Fluss und seine Siedlungen. Für den Weltjugendtag und den Besuch der Deutschen wurde der Urlaub für die Polizisten gestrichen und sie verrichteten eine Extrawoche in erhöhter Personalstäke, um die Sicherheit vor Ort zu gewährleisten. Es gab aber zu keiner Zeit Bedenken in dieser Hinsicht. Zur Dorfführung gehörte auch das örtliche Krankenhaus, das derzeit von einem Zahnarzt für eine Woche geleitet wird. Der Mediziner führte die Jugendlichen durch die Behandlungsräume, in denen unter teils einfachen Bedingungen alle medizinischen Fälle von Geburt bis Karies der Zähne behandelt werden. Der erste Tag endete mit einem Volleyballturnier am Strand, eine Heiligen Messe in Deutsch und Spanisch sowie einer Aufführung mit Tanz und Musik seitens der deutschen Jugendlichen. „Besonders bewegt hat mich in der Heiligen Messe der Friedensgruß. Da standen alle Menschen auf, gingen auf uns zu und wünschten uns den Frieden. Das hat mich überrascht und zugleich im Herzen bewegt“, beschreibt Valentin Böhm seine Eindrücke.

Am zweiten Tag ging es nach einem Spaziergang am Strand mit zwei Booten den Fluss hinauf. Die Jugendlichen besuchten eine Siedlung, die über einen schmalen Flussarm nur schwierig zu erreichen war. Dort trafen sie die Dorfbewohner, die in einfachen Hütten lebten und eine kleine Pilgergruppe aus Chile beherbergten. Sofort entstand ein kleiner Austausch, mit gegenseitiger Vorstellung und gemeinsamen Liedersingen. Zudem schenkten die vom Besuch der Deutschen überraschten Dorfbewohner gleich Getränke aus. Sie brachten mittels Übersetzung durch Schwester Kathrin zum Ausdruck, dass sie sehr stolz über den Besuch der Pilger in ihrem Dorf seien, weil sie nur so den Weltjugendtag erleben könnten. Auf dem Rückweg besuchten die Jugendlichen die Eiterfelder Kleingruppe im Dorf Nazareth und tauschten sich über ihre Erlebnisse aus. Der Abend in Miguel de la Boda endete für die Oblatengruppe mit einer traditionellen Tanzvorführung der Kinder und einem gemeinsamen Tanz mit den Dorfbewohnern, der häufig indigene und afrikanische Wurzeln hatte.

Bede Gruppen verließen am Freitag wieder ihre Gastfamilien und reisten nach Rio Indio. Dort kamen alle Kleingruppen der Region zusammen. So trafen die Jugendlichen nicht nur die Gruppe der Marienschülerinnen, sondern auch viele Jugendliche aus Mexiko, Peru und Kanada, die in der Region untergebracht waren. Sie feierten mit zwei kanadischen Bischöfen eine lebendige Heilige Messe und erlebten so zum ersten Mal ein kleines Weltjugendtagsgefühl. Nach einer Vorstellung der Kultur Panamas stellten die Jugendlichen sich gegenseitig die Kultur der Heimatländer vor. Für die Fuldaer Pilger ergab sich auch ein kurzes Gespräch mit dem Bischof von Colón, Manuel Ochogavía Barahona OSA. Nach einer Nacht in einer sehr einfachen Unterkunft ohne fließendes Wasser brachen die Jugendlichen in traditionellen lateinamerikanischen Bussen nach Colón auf. Dort nahmen sie an der zentralen Abschlussfeier des Bistums Colón Kuna-Yala teil, bei dem sie auch die anderen Teilnehmer des Bistums Fulda trafen. Nach einer Heiligen Messe mit vielen tausend Teilnehmern genossen die Jugendlichen das kulturelle Programm mit Musik und Tanz auf einem großen Platz. Der schwierigen Organisation auf Seiten der Verantwortlichen Panamas geschuldet mussten die Gruppe der Eiterfelder, der Oblaten und der Marienschule erneut in tiefer Nacht in einer anderen Schule umziehen.

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