1. lokalo24
  2. Lokales
  3. Fulda

Bischof Gerber: „Licht von Ostern stärker als die Dunkelheit“

Erstellt:

Kommentare

Bischof Dr. Michael Gerber
Bischof Dr. Michael Gerber © Archiv/Bistum

„Das Licht von Ostern ist stärker als die Dunkelheit“, predigte Bischof Dr. Michael Gerber am Ostersonntag im Hohen Dom zu Fulda.

Fulda Angesichts der schrecklichen Bilder von den Kriegsschauplätzen in der Ukraine sprach er dabei konkret die Solidarität mit den Geflüchteten an. Dabei machte er auch deutlich: Der Tod hat nicht das letzte Wort!

Ausgehend von der Christusdarstellung in einer Pfarrkirche in Wolfach im Schwarzwald thematisierte Bischof Gerber am Ostersonntag Wunden und traumatische Erlebnisse: In der Darstellung des Auferstandenen sind die Nägel schon verschwunden, die Wunden aber noch sichtbar – sie dienen den Jüngern sogar als Erkennungszeichen.

Das sei, so Gerber, auch ein Hinweis darauf, dass die Wunden, die traumatischen Erfahrungen, welche die Jünger beim Leiden und Sterben Jesu machen mussten, sie ein Leben lang begleitet haben. Ostern könne uns nun eine Sensibilität schenken, wo Wunden und traumatische Erlebnisse gerade im Zusammenhang mit Kriegserfahrungen eine sehr lange Wirkungsgeschichte haben, so Gerber: „Nehmen wir diese Wunden ernst – gerade bei denen, die als Geflüchtete zu uns kommen.“ 

Wunden anderer Art hat Gerber bei einer gemeinsamen Reise mit weiteren Priestern im Jahr 2008 in einer Dorfkirche in der Nähe von Lemberg in der West-Ukraine entdeckt: In der Zeit des Stalinismus enteignet und als Turnhalle genutzt, sind die Wunden der Enteignung und Profanierung dem Gebäude auch viele Jahre nach der Rückgabe noch anzusehen.

Doch die kleine Kirche in dem Dorf in der Westukraine hat die Zeit des Stalinismus überlebt: In den Häusern der Menschen, die unter Gefahr für Leib und Leben noch kurz vor der Enteignung Messgewänder und Kirchenbücher, Kelche, Heiligenstatuen und sogar die Kirchenglocke gerettet und zu Hause versteckt haben. Dort haben sie sich heimlich getroffen und den Glauben ganz urkirchlich an die nächste Generation weitergegeben.

Die Kraft des Osterglaubens

„Mir hat das Zeugnis dieser einfachen ukrainischen Dorfbewohner gezeigt, welche Kraft der Osterglaube auch nach 2000 Jahren noch schenken kann“, fasst Gerber diese Erfahrung aus dem Jahr 2008 zusammen: „In der Art und Weise, wie sie ihre Überzeugungen, ihren Glauben gerade auch in der Verfolgung durchgetragen haben, wurde deutlich: Das Leben, das von Ostern ausgeht, ist stärker als alle Dynamik der Vernichtung.“

Nun kommen Menschen aus der Ukraine als Geflüchtete zu uns. Bischof Gerber rief dabei zur Solidarität mit den Geflüchteten auf. Aber auch dazu, aufmerksam zu sein dafür, „wie sie uns bereichern können, mit ihren Erfahrungen, mit ihrer Leidensgeschichte aber auch mit ihrem beeindruckenden Durchhaltewillen und Zusammenhalt.“ 

Evangelium und Fürbitten auf Ukrainisch

Geflüchtete aus der Ukraine waren an diesem Ostersonntag als Gottesdienstbesucher im Fuldaer Dom zu Gast. Auch aus diesem Grund wurden das Evangelium (Joh 20, 1-18) und einige Fürbitten von Priesteramtskandidaten aus der Ukraine in der Landessprache vorgetragen. 


Zuvor fand ab 5 Uhr die traditionelle Osternachtfeier statt. Der Lichtfeier, Osterfeuer und dem Wortgottesdienst mit Erneuerung des Taufbekenntnisses schloss sich eine festliche, österliche Eucharistiefeier an. 

Auch interessant

Kommentare