Bischof Gerber: "Ihr seid hier richtig im Bistum Fulda!"

Oberhirte  des Bistums Fulda gedenkt zum Jahresschluss auch der Opfer von Corona und der Anschläge in 2020

Fulda - Die Coronakrise, die das Jahr 2020 prägte, hat nach den Worten des Bischofs von Fulda, Dr. Michael Gerber, "eine erschreckend umfassende und nachhaltige Wirkung." In einer Predigt zum Jahreswechsel sagte Bischof Gerber in Fulda: "Bei Corona haben wir es nicht mit einer Probe, sondern mit dem Ernstfall zu tun. Für viele Menschen ist das, was vor Jahresfrist noch sehr weit weg war, bitterer Ernst geworden."

Deshalb galt das Gebet im Gottesdienst zum Jahresabschluss 2020 im Fuldaer Dom vor allem für "die vielen, die an und mit Corona gestorben sind und die Angehörigen, die um sie trauern." Zudem wurde gebetet für alle, "die jetzt im Dienst am Nächsten besonders herausgefordert sind" - für die Beschäftigten in Medizin und Gesundheitswesen - sowie für jene, die durch die Pandemie wirtschaftlich getroffen sind.

Gerber erinnerte im Rückblick 2020 auch an die Anschläge von Hanau im Februar und das schreckliche Ereignis vom Rosenmontag in Volkmarsen. Zum Jahreswechsel gehöre auch das Gedenken der Toten in Hanau und das Mitgefühl mit jenen, die (...) von dem, was damals geschah, betroffen sind: "Ihre Biografien werden ein Leben lang geprägt sein von jenen Momenten am Anfang dieses Jahres."

Gerber äußerte sich zum Jahresabschluss dankbar für die Begegnungen und gemeinsamen Initiativen mit "unserer evangelischen Schwesterkirche Kurhessen-Waldeck und dabei besonders der guten Zusammenarbeit mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann": "Große Themen wie Corona, Hessentag, Ökumenischer Kirchentag erleben wir als gemeinsame Herausforderung und sind für uns ein gutes Übungsfeld für weitere und langfristige Kooperationen." Das gelte auch für die Beziehungen zur Politik, die er "als eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit" erlebe.

Der Bischof von Fulda formulierte zum Jahreswechsel auch eine vierte Frage, die sich das Bistum Fulda nun stellen müsse: "Wovon müssen wir uns verabschieden – oder wofür müssen künftig andere gesellschaftliche Kräfte aufkommen?" Als Beispiel verwies er auf aktuelle Medienbeiträge über die Auflösung der Bibliothek der Franziskaner-Ordens auf dem Fuldaer "Frauenberg". Nur ein Teil der Bücher dort konnte in den Bestand der Bibliothek des Bistums übernommen werden.

Gerber sagte wörtlich: "Schauen wir kritisch auf den Vorgang hinter dem Vorgang: Da ist eine Ordensgemeinschaft, die segensreich und glaubwürdig seit Jahrhunderten hier in Fulda wirkt und dies hoffentlich noch sehr lange tun wird. Bedingt durch einen eklatanten Mangel an Nachwuchs muss sie – wie viele andere Gemeinschaften auch – sich von vielen Aufgaben verabschieden. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Bistümer hier vieles aufgefangen. So auch das Bistum Fulda etwa, wo es die Verantwortung von Ordensgemeinschaften für Schulen übernommen hat." Dieses "Prinzip der Übernahme von Verantwortung durch ein Bistum" könne in der gegenwärtigen Phase nicht so einfach erweitert werden. Denn „das Bistum“ sei, wo es um Finanzen gehe, "die Gemeinschaft der kleiner werdenden Kirchensteuerzahlerinnen und Kirchensteuerzahler". Deshalb müsse entschieden werden, "wo investiert wird und wo nicht oder nicht mehr."

Um auf Dauer kulturelles Erbe zu sichern, werde es "noch manches zivilgesellschaftliche Engagement brauchen." Eine krisenbewehrte Demokratie lebe "entscheidend davon, dass Menschen sich an unterschiedlicher Stelle einsetzen für das Gemeinwohl über das hinaus, was ein Staat per Gesetz einfordern kann. Diese Kultur zu erhalten und zu fördern ist Auftrag der unterschiedlichen gesellschaftlichen Kräfte - auch der Kirche."

Gerber äußerte sich zum Jahresabschluss deshalb dankbar dafür, "dass wir in unserem Bistum sehr viele Menschen an unterschiedlichen Stellen haben, die mit einer großen Wachheit und hohem persönlichen Einsatz sich engagieren. Davon lebt unsere Kirche entscheidend!"

Auch bei knapper werdenden Ressourcen werde das Bistum künftig verstärkt in Projekte investieren müssen, "die neue Wege suchen, Menschen für das Evangelium zu gewinnen. So etwa im Neuen Jahr in der Citypastoral in Kassel." Längst nicht alles werde dann ein Erfolg sein: "Und trotzdem braucht es ein Vertrauen. Der Rückzug ins nur Bekannte wäre ein Fehler und – wie ich meine – auch nicht evangeliumsgemäß." 

Allen, die an ganz unterschiedlichen Orten und oft im Verborgenen, in wenig spektakulären Projekten "nach Wegen des Glaubens für Menschen heute suchen", sendete Gerber in seiner Predigt zum Jahreswechsel die Botschaft: "Ihr seid hier richtig im Bistum Fulda, wir zählen auf Euch!"

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