Bischof: Sehr deutliche Mahnung

Der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber.
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Der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber.

Dr. Michael Gerber äußert sich auf „Fulda aktuell“-Nachfrage zu Kardinal Marx.

Fulda. Es war ein Paukenschlag mit Folgen weit über die römisch-katholische Kirche hinaus: Reinhard Marx, Kardinal von München und Freising, hatte bei Papst Franziskus ein Rückstrittsgesuch eingereicht. „Im Kern geht es für mich darum, Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten“, schrieb Marx.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Papst das Rücktrittsgesuch ablehnt hat. „FULDA AKTUELL“ hatte vor dieser Entscheidung dem Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber verschiedene Fragen zukommen lassen, darunter auch zu Marx. Nachfolgend das Statement Gerbers, das die Redaktion erreichte, und in dem der 51-Jährige auch auf den Umgang des Bistums Fulda mit den Fällen sexuellen Missbrauchs eingeht: „Das Rücktrittsgesuch des Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, hat mich überrascht – mit einem solchen Schritt habe ich nicht gerechnet. Ich habe den Kardinal kennengelernt als ernsthaften Streiter in dem Anliegen, über die Frage der individuellen Verantwortung einzelner Entscheidungsträger hinaus systemische Ursachen des Missbrauchsskandals zu identifizieren und daraus Konsequenzen zu ziehen.

Reinhard Kardinal Marx hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten.

Seinen Schritt verstehe ich als sehr deutliche Mahnung, diesen Weg trotz aller Widerstände weiter konsequent zu beschreiten. Dabei sind wir auf einem guten Weg: Ich habe für das Bistum Fulda am 24. Juni 2020 die gemeinsame Erklärung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung und der Deutschen Bischofskonferenz gegengezeichnet. Bei der Aufarbeitung ist mir die Perspektive der Betroffenen besonders wichtig: Daher werden die bereits im Dezember benannten Mitglieder der Aufarbeitungskommission erst mit ihrer Arbeit beginnen, wenn der Betroffenenbeirat zwei Mitglieder in die Kommission entsandt hat. Im Augenblick konstituiert sich der gemeinsame Betroffenenbeirat der drei Bistümer Fulda, Limburg und Mainz.

Neben der Aufarbeitung der furchtbaren Erfahrungen von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt stehen wir – auch auf dem Synodalen Weg – vor der Herausforderung, Wege zu finden, die Menschen von heute in eine Beziehung mit der Botschaft des Glaubens bringen. Menschen, die in einer säkularen Gesellschaft aufgewachsen sind: Selbstbewusst und eigenständig, aufgeklärt und mit einem hohen Empfinden für Gerechtigkeit ausgestattet. In dieser neuen Form von Gesellschaft und im Diskurs mit den Fragen der Menschen von heute wird sich die Gestalt unserer Kirche ändern. Dabei werden wir auch vieles loslassen müssen. Dabei gilt es, wie einst Bonifatius, offen zu bleiben für neue Formen und Wege und unseren Auftrag beim Wort zu nehmen und den Glauben kraftvoll zu verkünden.“

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