Im Bistum Fulda: Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch kommt 2021 voran

Der Fuldaer Diözesanbischof Dr. Michael Gerber

Kommission gebildet mit dem Ziel, das Leid der Betroffenen anzuerkennen und Reflexionsprozesse anzuregen 

Fulda - Die "Kommission zur Aufarbeitung von sexueller Gewalt im Bistum Fulda" nimmt im Sommer 2021 ihre Arbeit auf. Sieben der neun Kommissionsmitglieder stehen bereits fest, zwei weitere werden vom Betroffenenbeirat hinzuberufen, heißt es in einer zum Jahreswechsel verbreiteten Medieninformation des Bistums. Zur Zeit arbeitet das Bistum Fulda - zusammen mit den Nachbarbistümern Limburg und Mainz - daran, einen gemeinsamen Betroffenenbeirat zu bilden. Dabei richtet sich das Bistum Fulda (mit den Nachbarbistümern) nach der Rahmenordnung für das Ausschreibungs- und Besetzungsverfahren der Betroffenenbeiräte, die von der Deutschen Bischofskonferenz im Oktober 2020 bei ihrer Vollversammlung in Fulda beschlossen wurde.

Diözesanbischof Dr. Michael Gerber hat in Zusammenarbeit mit Generalvikar Christof Steinert im zurückliegenden Jahr 2020 die organisatorischen Voraussetzungen für eine systematische Aufarbeitung der Fälle von sexuellem Missbrauch im Bereich des Bistums Fulda geschaffen. „Durch diese multiprofessionelle Zusammensetzung entspricht die Kommission im Bistum Fulda genau den bundesweiten Vorgaben, die Unabhängigkeit, Transparenz und Partizipation von Betroffenen sicherstellen. Wenn der Gemeinsame Betroffenenbeirat mit den Nachbardiözese Mainz und Limburg Anfang 2021 konstituiert ist, kann die Kommission im Bistum Fulda ihre Arbeit aufnehmen“, erklärt Bischof Gerber.

Er verpflichtet sich als Ortsordinarius zum Gewährleisten einer Aufarbeitung, „die unabhängig erfolgt und über deren Ablauf und Ergebnisse Transparenz hergestellt wird. Gleiches gilt für eine verbindliche und institutionalisierte Beteiligung Betroffener, ohne die wirkliche Aufarbeitung nicht möglich ist.“

Aufarbeitung meint das Erfassen von Tatsachen, Ursachen und Folgen von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche, die Identifikation von Strukturen, die sexuellen Missbrauch ermöglicht oder erleichtert oder dessen Aufdeckung erschwert haben sowie den administrativen Umgang mit Tätern und Betroffenen. Die Aufarbeitung soll das geschehene Unrecht und das Leid der Betroffenen anerkennen, einen institutionellen und gesellschaftlichen Reflexionsprozess anregen und aufrechterhalten, Betroffene an diesen Prozessen beteiligen und ihnen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten Zugang zu den sie betreffenden Informationen und Unterlagen ermöglichen.

Aus den Erkenntnissen sollen weitere Schlussfolgerungen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen gezogen werden – zudem geht es darum, einen Beitrag zur gesamten kirchlichen und gesellschaftlichen Aufarbeitung zu leisten. Im Rahmen der MHG-Studie waren im Bistum Fulda bereits 795 Akten untersucht und dabei 29 Beschuldigte gefunden worden.

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