Bitte ein "BID"

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Das "Citymarketing Fulda" wird mit einem neuen Konzept innerstädtisch eigeninitiativ.

Fulda. "BID" heißt das  – zugegebenermaßen recht sperrig klingende und zudem noch englisch formulierte – Zauberwort, das als vielversprechendes Instrument   auch  Fulda dabei helfen könnte, seine offenkundigen innerstädtischen Strukturprobleme zu lösen. Das jedenfalls glaubt der Verein "City Marketing Fulda", in dem derzeit 148 Mitglieder organisiert sind und der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Händler und Dienstleister der Innenstadt bei sämtlichen Aktivitäten zu begleiten.

"BID" – englisch "Business Improvement Districts" –  ist  eine vom "Deutschen Industrie- und Handelskammerkammertag" initiierte, inzwischen auch in Hessen gesetzlich verankerte neue Form der Quartiers-Entwicklung. BIDs  sind ein erfolgversprechendes städtebauliches Instrument zur Attraktivitätssteigerung, Stärkung und Revitalisierung von Innenstädten, Stadtteilzentren, Wohnquartieren und Gewerbezentren. (siehe Kasten rechts).

Wie in fast allen anderen Innenstädten Deutschlands sinken auch in Fulda die Frequenzen der Besucher, Gäste  und Kunden – und infolge dessen auch die Immobilienpreise. Leerstand ist die Folge. Private Initiativen von Hauseigentümern, Geschäftsleuten und Fachhändlern sind gefragt.  "Wir brauchen, wir wollen ein oder mehrere BIDs", sagt Hartmut Abel, Vorsitzender von "City Marketing Fulda". "Noch im ersten Halbjahr  2015 werden wir Kontakt mit der Stadt und der ,IHK’ aufnehmen und dann eine Grundstückseigentümerversammlung einberufen, um uns auf ein bestimmtes oder mehrere innerstädtische Areale zu verständigen."

Das könnten die Bahnhofsstraße, die Löherstraße, die Fläche um den Universitätsplatz, zunächst auch "nur" ein zentrales BID sein – oder gar keines. Abel: "Letzteres hoffe ich nicht. Denn schließlich soll es allen nutzen, ein jeder muss davon profitieren, eine gegenseitige Win-Win-Situation entstehen." Dann könnte man aktuelle Probleme effektiver angehen, Entscheidungsprozesse viel schneller auf den Weg bringen. Beispielsweise die Sauberkeit und Müllentsorgung im "Bermuda-Dreieck", eine einheitliche Illumination,  Wasserspiele und bessere Beschilderung in Kernbereichen oder endlich einen WLAN-Anschluss auf dem Uniplatz.

In Hessen gibt es bis dato je ein "BID" in Baunatal, Offenbach, Langen und Wiesbaden,  in Kassel zwei und stolze vier in Gießen. Für "City Marketing"-Vorstandmitglied Steffen Leib  gilt die mittelhessische Stadt, seine Geburtsstadt, quasi als Vorbild. "Was sich dort getan hat, speziell im ,Seltersweg’, ist unglaublich. Die Leute nehmen ihr von den Hauseigentümern zur Verfügung gestelltes und von einem BID-Manager verwaltetes Budget in die Hand, machen die Einkaufsstraßen attraktiver, der Leerstand geht merklich zurück, die wirtschaftliche Spirale zeigt eindeutig nach oben." Und Bianca Möller ergänzt: "Wir brauchen solches auch für Fulda. Unsere Innenstadt  sollte sich auf ihre Alleinstellungsmerkmale besinnen, eine individuelle Vermarktung  anstreben und sich BID-fähig zeigen. Fulda hat bisher eine nur gleichbleibende Entwicklung, in Gießen geht’s eindeutig nach vorne."

Abel zeigt sich auch für Fulda zuversichtlich, zumal sich das neue Konzept der "PPP", der "Public Private Partnerships" in den genannten hessischen Kommunen bestens bewährt habe, der Rücklauf bei den  Geschäftstleuten beispielsweise in Gießen bei immerhin 80 Prozent  lag und auch über die ersten fünf Jahre Laufzeit hinaus verlängert wurde. "Wenn’s nicht klappt – na gut, dann haben wir es in bester Absicht versucht." Leibs Fazit: "Wir haben in Fulda Ideen genug, die Attraktivität der Innenstadt über besondere Aktivitäten zu steigern und die Frequenz der Besucher zu erhöhen. Am Ende brauchen wir Geld und Personal, um das alles umzusetzen. Und das lässt sich am Besten über das ,BID’-Konzept bewerkstelligen."

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Hintergrund: BIDs

"Business Improvement Districts" (BIDs) sind Stadtentwicklungsinitiativen zur Attraktivitätssteigerung, Stärkung und Revitalisierung von Innenstädten, Stadtteilzentren, Wohnquartieren und Gewerbezentren. Es sind private Eigeninitiativen  von Unternehmen vor Ort, Einzelhändlern, Grundeigentümern, Gastronomen und Dienstleistern, die sich in einer besonderen Form der privaten Partnerschaft hierfür neu organisieren.  Sie schließen sich als Ergebnis eines Meinungs- und Abstimmungsprozesses in einem örtlich klar begrenzten Bereich für üblicherweise drei bis fünf Jahre zusammen und verpflichten sich alle gemeinsam, die Aufwertungsmaßnahmen für den Standort zu finanzieren. In nahezu allen Bundesländern gibt es mittlerweile Ansätze zur Einführung von BIDs in unterschiedlichen Quartieren.BIDs können ein Lösungsansatz für erfolgreiche Stadtentwicklung sein und dem Stadtmarketing neue Impulse geben. Die individuellen Projekte und Maßnahmen des BIDs werden örtlich festgelegt. Hierzu zählen unter anderem Ladenleerstandsmanagement, Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung und- gestaltung, Quartier-Marketing sowie Sicherheit und Sauberkeit und nicht zuletzt die Werterhaltung  und -steigerung der Immobilien.Ein BID kann erst dann eingerichtet werden, wenn Anlieger und Akteure mit breiter Mehrheit zustimmen beziehungsweise nicht gegen ein BID votieren. Mit der Abstimmung über das BID wird ein Businessplan festgelegt, der aus Gebiets-, Maßnahmen-, Finanzplan und Finanzierungsschlüssel besteht. Der Finanzierungsschlüssel legt fest, wie hoch die BID-Abgabe für den Einzelnen ist. Die Gemeinde erhebt nach positiver Entscheidung der Grundeigentümer gemeinsam mit der Grundsteuer die BID-Abgabe, deren Aufkommen der BID-Initiative dann direkt seitens der Gemeinde zur Verfügung gestellt wird. Damit wird der Maßnahmenplan verwirklicht.     (Quelle: DIHK)

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"Spüre die Stadt"

Citymarketing Fulda auf erfrirschendem Weg

Fulda. Einen neuen Citymanager als Nachfolger von Sonja Seidler hat Fulda noch nicht. Die Personalie dürfte jedoch in gut zwei Wochen geklärt sein, informierte  Peter  Hügel von der Stadtverwaltung auf der Jahreshauptversammlung von "City Marketing". Eventuell sei noch ein Einspruchsverfahren eines schwerbehinderten Mitbewerbers abzuwarten, der unter den 97 Kandidaten (davon etwa die Hälfte aus Fulda) in die engere Auswahl gekommen war. Geklärt ist indes eine andere Personalentscheidung: Edith Bohl aus Künzell ist die "neue Co." von Edeltraud Leib auf der Geschäftsstelle des "City Marketings" im Fuldaer Stadtschloss.

Auch hinsichtlich der Zahlen ging es 2014 nach oben: 148 Mitglieder hat  das "Fuldaer City Marketing" mittlerweile.  Konnte 2013 noch ein Gewinn von 13.000 Euro verbucht werden, stand dem in 2014 ein Verlust von 4.000 Euro gegenüber, was Kassenwartin Bianca Möller mit Mehr-Aufwendungen für das Herbstfest und die Modenschau erklärte. Weshalb erwogen wird, für die diesjährigen Events Eintrittsgelder zu erheben. Gleichwohl hatten die Kassenprüfer keine Beanstandungen, so dass der Vorstandschaft einstimmige Entlastung erteilt werden konnte.

Die Image-Broschüre "Wir sind Fulda" wurde von der Firma "Fritsch & Friends" mit einem "erfrischenden Anstrich" versehen.  Auf dem Flyer  wird auch der neue Slogan "Spüre Fulda – Mehr erleben" vorgestellt, der quasi als "Dachmarke" dienen soll und mit dem das "City Marketing Fulda" nach außen gehen und werbend für die Innenstadt auftreten will.

Von den drei verkaufsoffenen Sonntagen (15. März zum Frühlingsfest, 6. September mit Weinfest und 18. Oktober gemeinsam mit dem  Herbst- und Heimatfest)  ist bisher nur der erste Termin seitens der Stadt genehmigt – wobei die beiden anderen nur noch auf eine Proforma-Entscheidung warten.

Das Frühlingsfest vom 13. bis 15. März wartet mit Live-Musik, Grillvorführungen am Samstag und Sonntag, einer Pflanzaktion für Kinder sowie einem sonntäglichen Etnenangeln auf.

An der Modenschau am 10. April in einem mit 494 Sitzplätzen ausgestatteten und beheizten Festzelt nehmen "Camp", "Catwalk", "Creatime", "Die Brille", "Esprit", "Institut Fendel", "Lieblings", "Marc O’Polo", "Modehaus Schneider", "Moretti Beauty & More", "Peters", "Rhönblut" und "Testoni" teil.

*********************************************************************************************Hintergrund: City Marketing Fulda

"Nur gemeinsam sind wir stark" hat sich das "City Marketing Fulda" zum Motto und zur Aufgabe gemacht, die Händler und Dienstleister der Innenstadt bei deren Aktivitäten zu begleiten und zu unterstützen. Ziele des Vereins sind unter anderem• eine langfristige Steigerung der Attraktivität der  Fuldaer City•  eine stärkere Bindung der Bürger, Besucher und Unternehmen an die Innenstadt• die Stärkung des innerstädtischen Einzelhandels• das Schaffen von Einkaufserlebnissen• einzigartige Events mit Alleinstellungsmerkmalen.

Als unabhängige Organisation trägt sich der 1997 gegründete Verein bis dato ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen. Er konzentriert sich auf den Innenstadtbereich Fuldas und versteht sich als Mittler und Aktionsplattform zwischen seinen Mitgliedsbetrieben sowie der Wirtschaft, Politik, Verwaltung und vielen anderen Kräften in der Barock- und Bischofsstadt.

Kontakt:City Marketing Fulda e.V.,Schlossstraße 1, 36037 Fulda, Telefon 0661/10232-73,-74 und -74, Fax 0661/1023272, E-Mail: citymarketing@fulda.de

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