Bleibt Fulda Möbelstadt? Sommerlad stellt seine Baupläne vor

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Fulda/Petersberg. Seit Monaten werden in der Stadtregion Fulda die Pläne für einen Neubau der "Möbelstadt Sommmerlad" heiß diskutiert.

Fulda. Seit mehreren Monaten werden die Pläne des Gießener Möbelunternehmens "Sommerlad", den Standort seiner Petersberger  Filiale zu verlagern, intensiv in ganz Osthessen und über die Region hinaus diskutiert. Dabei stehen Wettbewerbs-Befürchtungen, Vorbehalte des innerstädtischen Handels und rahmenpolitische Bedenken im Vordergrund. Die Vorbehalte resultier(t)en überwiegend aus Teil-Gutachten, deren Aussagen nicht aktuell sind und eigentlich auch nicht den Anforderungen moderner Marktentwicklungs-Tendenzen entsprechen.

Da die Thematik außerordentlich komplex und für die Zukunft der Möbelmärkte aber auch den innerstädtischen Einzelhandel äußerst wichtig ist, "ja sogar für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung der Region", so Frank Sommerlad, lud der Unternehmer am Freitag zu einer Pressekonferenz in das Fuldaer "ITZ" ein, um seine Pläne, Planungsgrundlagen, die Standortfaktoren und mögliche Auswirkungsszenarien auf den Handelsstandort Fulda zu erläutern.  Die Professoren Christian Behrends und Lutz Schminke von der Hochschule Fulda vertieften dabei die Vorgänge und stellten strategische Zusammenhänge dar.

Nach langen und mitunter hitzig geführten Kontroversen scheint zuletzt Sachlichkeit in die Diskussion einzuziehen. Die vier Verwaltungschefs im  "Lenkungsausschuss" des "Interkommunalen Gewerbegebiets" (Fuldas OB Gerhard Möller und die drei Bürgermeister von Petersberg, Künzell und Eichenzell – Karl-Josef Schwiddessen, Peter Meinecke und Dieter Kolb) haben gemeinsam beschlossen, ein neutrales und "belastbares" Gutachten in Auftrag zu geben – als Entscheidungshilfe für den von "Sommerlad" präferierten Standort an der Autobahnausfahrt Fulda-Mitte oder ein mögliches Alternativ-Areal auf den Fuldaer "Kaiserwiesen". Anlass hierfür waren intensive und interne Gespräche, die der Gießener Unternehmer mit allen wesentlichen Entscheidungsträgern über die markt-relevanten Einflussfaktoren führte.

Die komplexen Zusammenhänge präsentierte Sommerlad nun erstmals im Rahmen einer Pressekonferenz der interessierten Öffentlichkeit. "Untermauert" wurde die Thematik durch neueste Gutachten, wie die "CIMA-Studie vom November 2013, sowie Übereinstimmungen mit der "GMA"-Studie von 2010 und Erkenntnissen aus aktuellen Befragungen zu den Einzugsgebieten. Sommerlad erläuterte die wesentlichen Punkte, die sein Unternehmen zu einer Gesamtinvestitionssumme von rund 30 Millionen Euro veranlassten und stellte die Marktentwicklung im vorwiegend von Großkonzernen gesteuerten Möbelmarkt dar."Wenn dem Wettbewerbsdruck nicht durch deutliche Vergrößerung des Einzugsgebiets und Zuführung von Kunden aus dem erweiterten Umland begegnet wird, verliert der Möbelstandort Fulda gewaltig an Magnetwirkung und damit an Handelsumsatz – weit über den Möbelmarkt hinaus", so Sommerlad, der diese Aussagen durch Fakten dokumentierte. "Alle großen Wettbewerber haben ihre Handelshäuser an den Autobahn-Knotenpunkten. Diese Entwicklung zeigt die Strategie von dramatischen Verdrängungs-Aktivitäten, mit denen heutige Handelsunternehmen sich konfrontiert sehen. Andere Einflüsse, wie zum Beispiel der Online-Handel, erhöhen die Problematik zunehmend und drastisch. Aber dies wäre eine eigene Diskussion wert", sagte Frank Sommerlad.

Die komplexen Zusammenhänge wurden im weiteren Verlauf der Pressekonferenz von zwei renommierten und unabhängigen Handelsexperten mit langjähriger Erfahrung und exzellenten Kenntnissen des Standorts Fulda dargestellt. Behrends referierte über die Auswirkungen der geplanten Strategie und beschrieb neben positiven Konsequenzen  auch die negativen Folgen, "wenn nicht Marktentwicklungen die Basis für Entscheidungen darstellen, sondern Vorurteile und unbegründete Ängste. Der Handel unterliegt einem stetigen Wandel – und diese Herausforderungen müssen angenommen und nicht verhindert werden", resümierte der Professor.

Bestätigt wurden Behrends’ Aussagen durch Schminke, der aktuelle Ergebnisse vom November 2013 aus der "CIMA"-Analyse präsentierte. "Die darin getroffenen Aussagen  sind im hohen Maß nachvollziehbar, die marktrelevanten Zusammenhänge logisch argumentiert und seriös validiert", sagte Schminke.

Völliger Konsens bestand hinsichtlich der Erstellung eines "interkommunalen Gutachtens". Hierzu gehörten auch belastbare Aussagen über alternative Standorte, Wechselwirkungen mit dem Innenstadthandel und über die Verkehrs(zu)führung. Und beide Professoren boten an: "Gerne stehen wir – auch als Hochschule Fulda – zur Gestaltung eines solchen Anforderungs-Katalogs zur Verfügung. Im Sinne einer zukunftsorientierter Standortentwicklung für Fulda und die Stadtregion."

Stellungnahme von Fuldas Landrat Bernd Woide im Nachgang zur Kreistagssitzung vom vergangenen Montag:

Sehr geehrter Herr Ehrensberger,

am Rande der Kreistagssitzung am letzten Montag hatten wir vereinbart, dass ich Ihnen eine kurze Stellungnahme zu den Plänen der Firma Sommerlad im Hinblick auf einen neuen Möbelmarkt in der Region Fulda zukommen lasse. Hier meine Antwort:

"Als Landrat des Landkreises Fulda begrüße ich die Tatsache, dass die vier Kommunen der Stadtregion (Fulda, Künzell, Petersberg und Eichenzell) ein unabhängiges Gutachten zur Situation des Möbeleinzelhandels in der Region Fulda in Auftrag geben wollen.Das von der Firma Sommerlad geplante Einzelhandelsvorhaben ist nur zulässig, wenn die bauplanungsrechtlichen Vorgaben eingehalten werden.Hierzu muss ein entsprechender Bebauungsplan mit einer Sondergebietsfestsetzung Einzelhandel erlassen werden. Ein diesbezüglicher Bebauungsplan ist an die Ziele der Raumordnung anzupassen.Für die Beurteilung des Vorhabens ist daher eine enge Abstimmung mit der Regionalplanung und der Regionalversammlung Nordhessen beim Regierungspräsidium Kassel unerlässlich.Das von den vier Kommunen der Stadtregion in Auftrag zu gebende Gutachten muss eine Abschätzung der Auswirkungen der Verlagerung und Erweiterung des Möbelmarktes Sommerlad auf die Einzelhandelsstrukturen der Region Fulda beinhalten. Darüber hinaus sollte ein solches Gutachten im Hinblick auf den Möbeleinzelhandel auch Wechselwirkungen mit anderen angrenzenden Regionen betrachten.

Erst wenn ein solches Gutachten vorliegt und die raumordnerischen bzw. bauleitplanerischen Fragestellungen beantwortet, kann eine abschließende Einschätzung des Vorhabens der Firma Sommerlad durchgeführt werden."

Mit freundlichen Grüßen

Bernd WoideLandrat

Stellungnahme von Dr. Norbert Herr zu Sommerlad:

"Die Frage, um die es bei der Debatte um einen neuen Standort für Sommerlad geht, ist: Wieviel Quadratmeter Möbelhandelsfläche verträgt die Region Osthessen mit ca. 500.000 Einwohnern?Hierfür ist meines Erachtens ein unabhängiges Gutachten erforderlich; am besten von allen vier betroffenen Kommunen (Petersberg, Künzell, Eichenzell, Fulda) erstellt, ohne Vorgabe eines Ergebnisses. Dazu müssen verschiedene Parameter untersucht werden, wie das Käuferverhalten, die Größe des Einzugsbereiches, Einkommensstrukturen, Modetrends und so weiter. Sie alle spielen ineinander und sind letztlich auch änderbar.

Die Frage des Standorts spielt natürlich eine Rolle, sogar eine überragende. Das "Filetstück" liegt an der A7. Hierfür gilt es, die Innenstadtrelevanz zu untersuchen, da die Möbelmärkte sich nicht nur auf den reinen Möbelverkauf beschränken, sondern ein viel erweitertes Angebot vorhalten.

Unter Zugrundelegung verschiedener Prämissen  könnten die Ergebnisse entsprechend verschieden sein. Sie alle müssen aufgelistet und am Schluss bewertet werden. Dennoch bleibt eine Restunsicherheit, weil in wenigen Jahren alles, was momentan schlüssig erscheint, sich geändert haben mag.

Ich persönlich sehe derzeit das Ansiedelungsvorhaben mit Skepsis. Das Gebiet entlang  der A7 ist als Gewerbegebiet ausgewiesen, also für produzierende Betriebe. Das Nutzungsziel müsste völlig geändert werden, und zwar zugunsten von Handelsflächen. Da die Möbelcenter in ihrem Angebot über den reinen Möbelverkauf hinaus gehen und Sortimente wie Haushalt, Geschenkartikel und Heimtextilien vorhalten, bis hin zu gastronomischen Angeboten, stellt sich sehr wohl die Frage, wie weit die Innenstädte geschädigt werden. Das sieht die Landesplanung mit Unbehagen, weswegen viele Fragen offen bleiben. Und hier im Zentralausschuss der Planungsversammlung fällt die Entscheidung.

Wir erleben eine gleiche Diskussion im Moment in Bad Vilbel.

Vor nicht allzu langer Zeit hatten wir in der Planungsregion Nordhessen eine heftige Diskussion über bis zu fünf Outlet-Center, die allemal innenstadtrelevant sind und ausnahmslos entlang von Autobahnen entstehen sollten. Letztlich konnten sie unter dem Einfluss der betroffenen Oberzentren wie Kassel und Fulda abgewehrt werden. Genau die gleiche Diskussion könnte neu entfacht werden, weil kaum noch gegen das Entstehen eines Outlet-Centers entlang der A7 argumentiert werden könnte, wenn dort erst einmal ein Möbelcenter dieses Ausmaßes entstanden wäre.

Es gehört auch zur Wahrheit, dass das Umfeld in der Diskussion heute sicher ein anderes wäre, wäre die Gebietsreform der 70er Jahre nicht "verpfuscht" worden wäre, wenn also alle  vier Gemeinden eine einheitliche Verwaltungseinheit bilden würden, die das Oberzentrum Fulda auszumacht. Die Frage des Standorts würde sich in der jetzigen Stringenz gar nicht stellen. Es ginge dann nur noch um die Frage eines Standortes innerhalb Fuldas. Aber auch dies spielt eine erhebliche Rolle, weil ein Verdrängungswettbewerb auch innerhalb einer Stadt nicht ausgeschlossen werden kann. Es liegt auf der Hand, dass ein Standort an der A7 gelegen, jedem anderen deutlich überlegen ist. Es muss folglich gar nicht zu einer Überkapazität kommen, um Strukturen zu ändern, es genügt schon ein deutlicher Standortvorteil. Landesplanerisch könnten Kapazitäten erweitert werden, wenn sich der Einzugsbereich eines Zentrums vergrößern würde. Dies zu prognostizieren ist  schwierig und hängt maßgeblich von Verkehrsverbindungen ab. Ansatzpunkte einer solchen Erweiterung liegen in der thüringischen Rhön, im Raum Hersfeld, im Vogelsberg und der bayerischen Rhön. Das alles sind aber vergleichsweise dünn besiedelte Räume.

Um zu einem abschließendem, fundierten Urteil zu gelangen, muss ein unabhängiges Gutachten alle diese Fragen schlüssig beantworten.

Der Kreistag hat dem Rechnung getragen, indem er in seiner jüngsten Sitzung folgenden Beschluss gefasst hat: "Der Kreistag befürwortet ein unabhängiges Gutachten zum Möbelstandort in der Region Fulda. Sobald dieses vorliegt wird sich der Kreistag erneut mit diesem Thema befassen."

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