Blindgänger: Droht Gefahr aus dem Boden?

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Am Rauschenberg wurden vor einem Jahr Brandbomben und Munition gefunden / Wie sieht es in Fulda aus? Fragen an Magistratssprecher Johannes Heller 

Fulda/Petersberg  - In jüngster Zeit vergeht kaum eine Woche, in der nicht Funde von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gemeldet werden. So kürzlich auch auf dem Gelände der ehemaligen „Pioneer-Kaserne“ in Hanau. Und auch auf dem Rauschenberg bei Petersberg ist das Verlassen der Wege seit Oktober 2018 verboten, weil dort Brandbomben und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurden.

Die Gemeinde steht kurz vor der (europaweiten) Ausschreibung der Kampfmittelsondierungsmaßnahmen, wie Bürgermeister Carsten Froß kürzlich sagte. Das Land habe eine 75-prozentige Kostenbeteiligung in Aussicht gestellt, und auch mit dem Kreis stehe man in Kontakt.

Angesichts der Vielzahl von Meldungen über Blindgänger hat „Fulda aktuell“ bei Fuldas Magistratssprecher Johannes Heller nachgefragt, wie man im Stadtschloss die Möglichkeit einschätzt, dass auch in Fulda solche Hinterlassenschaften auftauchen.

Fulda aktuell: Hat es in der jüngsten Vergangenheit in der Stadt Fulda Funde von Weltkriegsbomben gegeben?

Johannes Heller: Nein. Der letzte größere Fund einer Fliegerbombe war im Januar 2002 beim Bau der Tiefgarage am Heertor. Damals gab es größere Evakuierungen im Umkreis, unter anderem musste bis zur Entschärfung auch das Stadtschloss geräumt werden.

FA: Welche Bezirke sind prädestiniert, dass im Boden Blindgänger liegen könnten?

Heller: Von den Bombenabwürfen durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg waren insbesondere Bahnstrecken und andere „kriegswichtige Ziele“ wie Industriebetriebe, Bahnhöfe und sonstige Infrastruktureinrichtungen sowie große Teile der Innenstadt betroffen, aber auch deutsche FLAK-Stellungen auf den Hügeln rund um die Stadt. Auf sogenannten Kampfmittelbelastungskarten, die auf der Auswertung von alliierten Luftbildern aus dem Krieg basieren, sind gefährdete Bereiche gut zu erkennen. Die Tatsache, dass in Fulda heute vergleichsweise wenige Bombenfunde zu verzeichnen sind, ist wohl auch der Tatsache zu verdanken, dass in der Nachkriegszeit das „Sprengkommando für die Stadt und den Landkreis Fulda“ unter Leitung von „Munitions- und Sprengspezialist“ Karl Michel von September 1945 bis mindestens April 1949 sehr erfolgreich gearbeitet und Blindgänger beseitigt hat.

FA: Wurden in jüngster Vergangenheit konkrete Bodenuntersuchungen getätigt? Wenn ja: aus welchem Anlass, wo, und mit welchem Ergebnis?

Heller: Bei allen größeren Tiefbauprojekten in gefährdeten Bereichen werden Untersuchungen auf Kampfmittel vorgenommen, auch der Abwasserverband lässt bei seinen Projekten, insbesondere bei solchen, die ein tiefes Aufbaggern erfordern, routinemäßig die Kampfmittellage prüfen. Auch wird bei allen Bebauungsplan-Verfahren der Kampfmittelräumdienst zu einer Stellungnahme aufgefordert. Zuletzt wurden größere Untersuchungen bei den Straßenbaumaßnahmen Zieherser Weg und Magdeburger Straße vorgenommen. Dabei gab es einen Verdachtsfall, der sich jedoch glücklicherweise lediglich als Metallsplitter herausgestellt hat. Aktuell stehen unter anderem umfangreiche Untersuchungen auf dem Waidesgrundareal an, bevor dieses zur Erschließung freigegeben werden kann.

FA: Beim Fund eines solchen Blindgängers: Wie ist dann das Procedere, und wie ist die Stadt eingebunden?

Heller: Sobald ein Blindgänger entdeckt wird, ist das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt, wo der Kampfmittelräumdienst für ganz Hessen angesiedelt ist, für alle weiteren Maßnahmen federführend. Polizei und gegebenenfalls auch Ordnungsamt und Feuerwehr stehen unterstützend bereit. Die eigentliche Bombenentschärfung ist ebenfalls Sache des Kampfmittelräumdienstes.

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