Traditionelle Brandprozession in Hünfeld mit Bischof Dr. Gerber 

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Wegen Corona etwas anders als sonst, aber nicht minder beeindruckend 

Hünfeld - Es war anders als sonst, aber dafür ganz besonders: Am Samstagabend waren zahlreiche Gläubige in Hünfeld zur traditionellen Brandprozession zusammengekommen. Auf dem Kirchplatz der St.-Jakobus-Kirche feierten sie gemeinsam mit Pfarrer Peter Borta, Bischof Dr. Michael Gerber und Pater Francis einen feierlichen Wortgottesdienst, der Mut machte in diesen schwierigen Zeiten.

Coronabedingt verlief die Brandprozession anders als sonst, eine Prozession durch die Stadt wurde nicht durchgeführt. Dafür war die Stadtpfarrkirche wunderschön illuminiert, der Platz war mit Kerzen geschmückt und auch an die Teilnehmer wurden Kerzen verteilt. Die Orgelmusik von Christopher Löbens sowie der Gesang von Maria, Anna, Anton und Christina Löbens wurde auf den Kirchplatz übertragen.

Die Tradition der Hünfelder Brandprozession geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Damals war die gesamte Innenstadt durch ein verheerendes Großfeuer in Schutt und Asche gelegt worden. Die Bürgerschaft gelobte einst, in jedem Jahr am St.-Ulrich-Tag, am 4. Juli, eine Prozession abzuhalten, damit die Stadt vor „weiterem Schaden bewahrt“ bleibt.

Bischof Gerber zog in seiner Predigt Parallelen zwischen der derzeitigen Pandemie und dem Brand in Hünfeld: „Der Virus springt ähnlich wie das Feuer damals.“ Jeder versuche irgendwie, den Weg durch die Krise zu gehen. Beides erlebten wir in diesen Wochen: Zum einen den Rückzug, aber zum anderen, dass Menschen sich mit brennendem Herzen einsetzen und den Blick für das Ganze bewahren. Vieles sei uns fremd in dieser Zeit. Doch die Fremdheitserfahrung sei auch eine Chance.

Mit der Brandprozession werde an das verheerende Feuer in Hünfeld gedacht, heute Abend begegneten uns Menschen mit Kerzen in den Händen, die erlöschen, aber mit Herzen, die weiter brennen. Gerber stellte die Frage: "Was bringt unsere Herzen zum Brennen? Was ist unser Weg als Christen?"

Der Bischof warf auch einen Blick in die Zukunft. „Das Pfarrhaus in Hünfeld steht nun leer, wie gehen wir damit um? Machen wir die Augen zu und hoffen, es wird normal? Und was ist normal? Oder gibt es andere Lebensgeister, die wir wecken möchten und die das Herz zum Brennen bringen? Wo gibt es neue Möglichkeiten?“

Danke sagte Gerber an Pfarrer Borta, der im August in den Ruhestand geht und bereits die erste Nacht in seiner neuen Wohnung in Fulda verbracht hat. Unzählige Menschen habe Borta als Seelsorger begleitet und geprägt. "Man spürt bei Ihnen, dass Sie mit dem Herzen dabei sind", erklärte der Bischof.

Mit dem Herzen dabei waren auch die Gläubigen bei dem Wortgottesdienst. Und auch wenn es anders war als sonst, war eine 80-jährige Besucherin überzeugt: "Das war die schönste Brandprozession, die ich je erlebt habe."

Der Dank für diese besondere Prozession gilt insbesondere einem Team an jungen Gläubigen, die seit dem frühen Morgen alles aufgebaut, zahlreiche Kabel verlegt sowie Scheinwerfer und Lautsprecher installiert hatten, damit die Brandprozession in dieser Form stattfinden konnte.

Nach dem Gottesdienst gab es einen kleinen Empfang für den Bischof. Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok dankte Dr. Michael Gerber für seinen Besuch in der Haunestadt und überreichte ihm ein Geschenk. Gerber betonte, dass er bereits in den vergangenen Jahren regelmäßig in Hünfeld gewesen sei, bevor er Bischof von Fulda wurde – er besuchte jährlich Tagungen im Bonifatiuskloster. Auch den Kegelspielradweg habe er bereits erkundet.

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