Bürger ohne Burger ?

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Die "Burger King"-Filiale in Petersberg hatte den Betrieb am heutigen Mittwochnachmittag noch nicht eingestellt. Foto: Göbel

Von der Kündigung von "Burger King Europe" mit der skandalträchtigen Franchisefirma "Yi-Ko" sind zwei osthessische Filialen betroffen. Mit ZWISCHENRUF

Fulda/Petersberg. Die "Yi-Ko Holding GmbH" mit Sitz im norddeutschen Stade betrieb bis Mittwoch dieser Woche 89 "Burger King"-Filialen, darunter die beiden Restaurants in Petersberg und Fulda. "Burger King" hat heute den Franchisevertrag mit "Yi-Ko" fristlos gekündigt. Bereits vor rund einem halben Jahr hatte der Privatsender "RTL" gravierende Mängel bei Hygiene und Arbeitsbedingungen aufgedeckt.

Die übrigen 599 ,Burger King’-Restaurants in Deutschland setzen ihren Betrieb wie gewohnt fort. Auch die Filialen in Osthessen verkauften in dieser Woche noch Burger und Pommes – obwohl sie nicht mehr von "Burger King" beliefert werden.  "Yi-Ko”"ist eine Firma, die jeweils zu 50 Prozent Ergün Yildiz und Alexander Kolobov gehört. Yildiz war nach den Vorwürfen von "RTL" am 5. Mai dieses Jahres als Geschäftsführer der "Yi-Ko Holding" zurückgetreten.

In der Erklärung von "Burger King" zur sofortigen Kündigung mit dem ehemaligen Franchise-Unternehmen, teilt der Konzern mit, dass sich Yildiz wieder vermehrt in das Tagesgeschäft eingemischt habe. Dies – unter anderem – habe erneut zu den damals beanstandeten Zuständen in den "Burger King”-Filialen geführt. Zudem seien der Ruf der Schnellrestaurantkette geschädigt und erneut seien Verstöße gegen arbeitsrechtliche und operative Standards begangen worden.

"Trotz der anfänglichen Erfolge musste ,Burger King Europe’ feststellen, dass die ,Yi-Ko’ erneut gegen die getroffenen Vereinbarungen verstieß. Dies beinhaltete unter anderem, dass der ehemalige Geschäftsführer der ,Yi-Ko’ fortwährend Einfluss auf das Tagesgeschäft nahm, dass wiederholt gegen Arbeitsverträge verstoßen wurde und dass die Schichten der Restaurants unterbesetzt waren", heißt es in einer Presseerklärung von "Burger King Europe".

In der Kündigung werden alle 89 betroffenen "Burger King”-Filialen aufgefordert, sofort zu schließen und nicht mehr unter dem Namen "Burger King" zu firmieren. Derzeit sind rund 3.000 Mitarbeiter in den betroffenen Schnellrestautrants betroffen. Aus der deutschen "Burger King"-Zentrale in München heißt es, dass man sich der Tatsache bewusst sei, dass dieser Entschluss einen negativen Einfluss auf die betroffenen Mitarbeiter habe. Man arbeite intensiv an einer Lösung. Eine Möglichkeit sei die Gründung einer neuen Schnellrestaurantkette.

"Die Kündigung stellt für uns nur den letzten Schritt dar", sagte Andreas Bork, Vice President & General Manager von "Burger King Central Europe". "Leider mussten wir aufgrund der wiederholten Verstöße der ,Yi-Ko’ gegen operative und arbeitsrechtliche Standards sowie der daraus resultierenden Rufschädigung feststellen, dass die ,Yi-Ko’ kein Teil der ,Burger King’-Gemeinschaft bleiben kann." Bereits am Mittwoch äußerte sich der Anwalt Dominik Ziegenhahn, dass die "Yi-Ko" sich mit "allen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mitteln gegen die Kündigung zur Wehr setzen" werde.

Wie lange die Filialen in Osthessen noch geöffnet sind, kann niemand sagen. Laut "Burger King" wurde am gestrigen Freitag die Belieferung eingestellt. Sollte in den nächsten Tagen keine Einigung zustande kommen, werden die betroffenen Schnellrestaurants wohl schließen müssen.

+++ +++ ZWISCHENRUF +++ +++

Mir dreht sich der Magen um

Ich gehöre ja zu den Menschen, die sich ab und zu das Vergnügen gönnen, ein Fastfood-Restaurant zu besuchen. Ich habe dann maximal einmal im Monat meine Freude an dem, was mir dort geboten wird. Meist sind es Burger unterschiedlichster Art, Fritten, Chicken-Dinger und Milchshakes.

Was ich da esse und wo oder wie es genau zubereitet wurde, war mir eher egal. Ich weiß ja auch nicht, ob der Koch im 4-Sterne-Hotel sich nach dem Toilettengang die Hände gründlich gewaschen hat. Ich muss einfach davon ausgehen, dass in einem Betrieb, in dem mit Lebensmitteln hantiert wird, die Hygienevorschriften eingehalten werden. Das gilt für die Dönerbude um die Ecke genauso wie für das Spitzenrestaurant. Und natürlich auch für Schnellrestaurants wie "Burger King" und "McDonald’s".

Dass bei dem erstgenannten jetzt unter anderem Mängel bei der Hygiene ausschlaggebend für die fristlose Kündigung von "Burger King" mit der Franchisefirma "Yi-Ko" waren, gibt mir zu denken. Zumal "Yi-Ko" bereits vor einem halben Jahr einen heftigen medialen Schuss vor den Bug bekommen hat. Da wäre für Yildiz und Konsorten in der "Bewährungsphase" bis heute Zeit gewesen, die Zustände in den Restaurants zu verbessern. Nicht nur für die Gäste, sondern auch für die 3.000 Mitarbeiter. Zwar ist Yildiz – allem Anschein nach nur zum Schein – als Geschäftsführer zurückgetreten. Aber er hat doch die Fäden in der Hand behalten und diese aus dem "Off" gezogen.

Ich finde dieses Verhalten unverantwortlich gegenüber den Angestellten, die von dem Geld leben müssen, das sie bei dem Fastfood-Riesen verdienen. Da dem Vernehmen nach sowohl an der Qualität der Speisen als auch an den Gehältern der Mitarbeiter gespart wurde, muss das "überschüssige" Geld ja in irgendwelche Taschen geflossen sein. Dreimal darf man raten, in welche...

Ich hoffe für die Beschäftigten von "Burger King", dass sich die Situation bald klärt. Vor allem kurz vor Weihnachten muss es ein unerträgliches Gefühl sein, nicht zu wissen, ob man noch einen Job und somit Geld für Weihnachtsgeschenke hat.

Mir dreht sich der Magen um, wenn ich daran denke, dass ich in einer solchen Situation wäre. Nicht nur wegen altem Frittieröl oder abgelaufenen Burger-Buletten, sondern wegen der Raffgier der Menschen an der Spitze. Die nur auf ihren Säckel achten, aber weder ihre Restaurantgäste noch ihre Mitarbeiter im Blick haben. Pfui Schande!

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