Bundestagskandidatur: Interview mit Birgit Kömpel (SPD)

Die SPD-Politikerin Birgit Kömpel aus Eichenzell soll wieder in den Bundestag.

Eichenzell/Fulda - Die SPD-Politikerin Birgit Kömpel aus dem Eichenzeller Ortsteil Büchenberg soll wieder in den Bundestag, dem sie bereits von 2013 bis 1017 angehörte. Der Unterbezirks-Ausschuss der SPD Fulda hatte die 52-Jährige einstimmig als Direktkandidatin für den Wahlkreis Fulda/ Lauterbach nominiert. Im Vorfeld hatten bereits der Vorstand der Vogelsberger SPD und zahlreiche Ortsvereine aus dem Kreis Fulda ein klares Votum abgegeben. Die endgültige Entscheidung über die Nominierung sollte bei der Delegierten-Wahl- kreiskonferenz am Freitagabend getroffen werden. Im Vorfeld stand Kömpel für Fragen zur Verfügung.

Fulda aktuell: Von wem kam der Entschluss, dass Sie sich wieder für den Bundestag bewerben sollen?

Birgit Kömpel: Die GenossInnen aus Fulda und dem Vogelsberg hatten mich in diesem Jahr mehrfach gefragt, ob ich für eine Kandidatur für die Bundestagswahl in 2021 wieder zur Verfügung stünde. Dieser Zuspruch und nicht zuletzt die Bekanntgabe unseres Kanzlerkandidaten Olaf Scholz hat mich motiviert, wieder für den Bundestag zu kandidieren.

FA: Spielte auch eine Rolle, dass sie 2017 nur knapp den Wiedereinzug verpasst haben?

Kömpel: Nein, das spielte dabei keine Rolle.

FA: War die Wahl zur SPD-Unterbezirksvorsitzenden ein erster Schritt hin zur erneuten Kandidatur?

Kömpel: Nein, ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Meine Position ist, eigentlich sollten Partei und Mandat strikt voneinander getrennt sein. Trotzdem haben wir im Vorstand entschieden, dass wir ein bekanntes Gesicht als Kopf der SPD in Fulda brauchen. Meine zwei Stellvertreter Bernhard Lindner und Mario Wagner werden mich gegebenenfalls in Zukunft – sollte ich wieder in den Bundestag einziehen – daran erinnern.

FA: Wie steht Ihre Familie zu der Entscheidung?

Kömpel: Wir haben das in der Familie besprochen und unsere Kinder und mein Mann waren der Meinung, dass ich auf alle Fälle nochmals kandidieren soll. Sie stehen also voll hinter mir und werden mich in den nächsten Monaten bei meiner Kandidatur unterstützen.

FA: Gesetzt den Fall, Sie würden wieder in den Bundestag gewählt, was möchten Sie für die Menschen in der Region Fulda/Vogelsberg in Berlin bewegen?

Kömpel: Die Region braucht wieder eine sozialdemokratische Stimme. Ich möchte mich um die Belange des Ländlichen Raums, Themen rund um den Arbeitsmarkt und die Breitbandversorgung kümmern. Der Strukturwandel und der damit verbundene Abbau von gut bezahlten Industriearbeitsplätzen in unserer Region machen mir große Sorgen. Ich möchte diesen Strukturwandel begleiten und gemeinsam mit den Gewerkschaften für gute und faire Lösungen und Perspektiven für die ArbeitnehmerInnen verhandeln.

FA: In der Rückschau: Was war positiv in Ihrer „ersten“ Berliner Zeit, was negativ?

Kömpel:  Positiv: Ich konnte mir innerhalb kurzer Zeit ein Netzwerk aufbauen mit dem Ergebnis, dass meine Partei mich für drei wichtige Ausschüsse im Bundestag nominiert hat: Verkehr & digitale Infrastruktur, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss Arbeit & Soziales. In 2016 kam dann noch die Nominierung als stellvertretendes Mitglied im Haushaltsausschuss dazu. Ich durfte am Parteiprogramm der SPD für den Bereich Arbeit & Rente mitarbeiten. Insbesondere meine Erfahrungen als Selbständige und Arbeitnehmerin konnten hier an Einfluss gewinnen. Das Thema Einbindung von Selbständigen, Unternehmern, Mandatsträgern und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung ist inzwischen bei unserem Arbeitsminister Hubertus Heil auf der Agenda. Die Einführung der Frauenquote. Für dieses Gesetz war ich die Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion. Dieses Gesetz war ein Meilenstein in der Geschichte der Gleichstellung, und ich bin froh und stolz daran mitgewirkt zu haben. Negativ: Während meiner Berliner Zeit eigentlich gar nichts. Nur danach musste ich erfahren, dass meine Mitwirkung an verschiedenen Bundesförderungen – so zum Beispiel die Rückkehr der 2. Hundertschaft der Bundespolizei in Hünfeld – völlig vergessen wurde und anderen alleine zugeschrieben wurde. Aber letztendlich ist Politik eben so, und da darf man solche Dinge nicht persönlich nehmen. Wichtig ist, dass die Projekte umgesetzt werden, die Gelder in die Region fließen - und nicht, wer das Lob dafür bekommt.

Zwischenruf

Redaktionsleiter Bertram Lenz zur Nominierung von Birgit Kömpel:

Die Blicke von Birgit Kömpel an jenem Abend des 24. September 2017 im Landratsamt Fulda sprachen Bände: Bis zuletzt hatte die SPD-Frau aus dem Eichenzeller Ortsteil Büchenberg darauf gehofft, über die Landesliste erneut in den Bundestag einziehen zu können. Am Ende aber stand ihr die große Enttäuschung sehr sichtbar ins Gesicht geschrieben: Sie hatte das Ziel knapp verpasst. Was vor über drei Jahren misslang, das soll 2021 gelingen: Auch wenn die Konferenz der Delegierten des Wahlkreises Fulda/Lauterbach am Freitagabend und damit nach dem Redaktionsschluss dieser Ausgabe stattfand, so ist doch ziemlich sicher davon auszugehen, dass die 52-Jährige nominiert wurde. Zum einen hatten der Unterbezirks-Ausschuss der SPD-Fulda und zahlreiche Ortsvereine aus dem Kreis Fulda, zum andern der Vorstand der Vogelsberger SPD im Vorfeld jeweils klare Voten zugunsten Kömpels abgegeben.

Es ist eine gute Entscheidung, die die Genossen da getroffen haben. Schon 2013 gehörte viel Mut dazu, sich im traditionell „schwarzen Fulda“ um ein Direktmandat zu bewerben. „Nicht viel reden – tun“, lautete damals das Motto von Kömpel, die in ihrem ersten Wahlkampf als SPD-Frau auftrat, die „etwas von Wirtschaft versteht“. Und die es mit kämpferischem Mut, Durchsetzungsvermögen, verbaler Schlagfertigkeit und hoher Präsenz auch später in Berlin verstand, auf sich und ihre Anliegen aufmerksam zu machen.

Dies bedeutete in erster Linie Einsatz für die Menschen dieser Region, und zwar sowohl für den Kreis Fulda als auch für den Altkreis Lauterbach. Also für jene, die im Wahlkreis 174 zu Hause sind. Wobei ihr Engagement gerade auch fraulicher Gleichberechtigung galt. Auch darf gemutmaßt werden, dass Kömpel während ihrer „Berliner Jahre“ Gefallen an der Abgeordnetentätigkeit und den damit verbundenen Einflussmöglichkeiten gefunden hat. Denn politisch engagiert hat sich die 52-Jährige schon immer – sei es im Gemeindeparlament von Eichenzell oder im Fuldaer Kreistag. Und dass Kömpel Ende Juni die Position der SPD-Unterbezirksvorsitzenden von Sabine Waschke übernommen hat, legt die Vermutung nahe, dass die Pläne, sich wieder für Berlin zu bewerben, schon länger geschlummert haben.

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