CDU-Kreischef Meysner zu Merz: Hätte man doch gleich auf Fulda gehört

Friedrich Merz
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Im dritten Anlauf hat es geklappt: Bei der Mitgliederbefragung, wer die CDU demnächst als Vorsitzender führen soll, hat Friedrich Merz eine überraschend hohe Stimmenzahl auf sich vereinigen können. Seine Mitbewerber Norbert Röttgen und Helge Braun landeten „unter ferner liefen“. Nun muss nur noch ein Parteitag im Januar Merz offiziell küren. Dazu auf Anfrage Reaktionen aus der Region.

Fulda Fuldas CDU-Kreisvorsitzender Markus Meysner: „Mit einem Augenzwinkern könnte man ja sagen: ,...hätte man mal gleich auf Fulda gehört!‘. Deshalb bin ich letztendlich froh, dass Friedrich Merz so deutlich gewinnen konnte und freue mich, wenn die Erwartungen, die wir in seine Arbeit und seine Person stecken, erfüllt werden. Umso wichtiger ist es nun, dass wir Zusammenhalt zeigen, deutlich machen, wofür wir stehen und rüberbringen können, dass die CDU die richtige Partei für die Bewältigung der anstehenden Probleme ist.

Ein erster Schritt, sich neu aufzustellen, die Basis zu hören, sich von den anderen Parteien abzugrenzen und die CDU zu alter Stärke zu führen, ist mit der Wahl von Friedrich Merz getan. Wir in Fulda, als Hochburg der CDU und mit vielen Unterstützern von Friedrich Merz, werden selbstverständlich gerne und engagiert daran mitwirken. Ich freue mich auch darauf und bitte darum, dass sich unsere Mitglieder und die uns Nahestehenden wieder in gewohnter Weise aktiv und motiviert in diesen Prozess einbringen!“

Der Fuldaer CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand: „Die Wahl von Friedrich Merz freut mich sehr und seine überzeugende Mehrheit, bei einer enormen Wahlbeteiligung, ist ein starkes Zeichen für innerparteiliche Demokratie und für einen entschlossenen und argumentativ starken Kurs der CDU. Die klare Entscheidung bringt die klare Sicht, die wir wollten. Die Eindeutigkeit wird Mitglieder und Wähler der CDU motivieren, nach der Wahlniederlage unsere Kräfte zu mobilisieren, um verlorene Wähler und auch neue Anhänger zu gewinnen.

Für die Union insgesamt kommt es darauf an, nicht länger darauf zu starren, was wer zum Sieger dieser Wahl zu meckern hätte. Es kommt jetzt darauf an, diese große Volkspartei mit ihren konservativen, liberalen und sozialen Wurzeln wieder stärker in der Bevölkerung zu verankern und im Wettbewerb mit der Koalition für unsere deutlich besseren Konzepte für Wachstum, Beschäftigung, Klimaschutz und soziale Sicherung zu werben. Das werden wir tun, und das wird uns selbst als Christdemokraten und vor allem dem Land gut tun.“

Dazu auch der Zwischenruf von Redaktionsleiter Bertram Lenz:

„Aller guten Dinge sind drei“ mag sich Friedrich Merz vielleicht gedacht haben. Und es wird dem 66-Jährigen letztendlich egal gewesen sein, dass es drei Anläufe brauchte, um endlich in die Nähe dessen zu kommen, was schon lange sein erstrebenswertes Ziel ist: Vorsitzender der CDU zu werden. Dass Merz noch von den Delegierten eines Bundesparteitages im Januar offiziell gekürt werden muss – geschenkt.

Denn zu eindeutig ist das Ergebnis des Mitgliederentscheids, zu krachend die Niederlage der beiden Merz-Kontrahenten Norbert Röttgen und Helge Braun. Das – man muss es leider so sagen – miserable Ergebnis für den einstigen Kanzleramtsminister Braun, als Bundestagsabgeordneter aus Gießen auch zuständig für einen Teil des Vogelsbergkreises, ist zugleich eine Abrechnung mit und ein Schlussstrich unter der Politik von Angela Merkel. Diese hat, bei allen Verdiensten, ihre Partei in diese Schockstarre geführt, in der sich die CDU inzwischen befindet.

Mit Merz hat zweifelsohne der Liebling der Basis gewonnen, und folgt man den Gedanken des Fuldaer CDU-Kreischefs Markus Meysner, dann hätte es sich die Partei einfacher machen können. Indem sie nämlich Merz schon früher auf den Schild gehoben hätte, so wie es CDU-Kreisverband und auch die heimische „Mittelstands- und Wirtschaftsunion“ (MIT) gefordert hatten. Dann wäre der CDU das Kapitel eines Vorsitzenden Armin Laschet erspart geblieben, der die ähnlich unglücklich agierende Annegret Kramp-Karrenbauer abgelöst hatte.

Die CDU befindet sich nicht erst nach ihrer historisch schlechten Niederlage bei der Bundestagswahl in einer verzwickten Lage. Sehr viele Menschen fragen sich inzwischen, wofür die Partei eigentlich steht, mit welchen Programmen sie künftig bei den Wählern punkten will. Merz ist in dieser höchst problematischen Situation zweifellos die wohl beste Wahl, ein Mann mit klaren Positionen und mit Kanten. Allerdings ist es auch sehr bezeichnend, dass ein 66-Jähriger dazu ausersehen wird, die Partei wieder aufzurichten und zu alter Stärke zu führen – was dauern dürfte.

Merz muss die CDU thematisch viel breiter aufstellen und dabei zugleich, wie versprochen, die Basis einbinden. An diesen Vorgaben wird sich der 66-Jährige messen lassen müssen. Um seinem weiteren Ziel, der Kanzlerkandidatur, ein Stück näher zu kommen.

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