Chaos um die COVID19-Booster-Impfungen

Laut dem Geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollten die Impfzentren wie das in Fulda für die Booster-Impfungen wieder geöffnet werden. Hessens Sozialminister widerspricht, und auch in der Hausärzteschaft gibt es unterschiedliche Meinungen, wie die Corona-Impfstrategie zukünftig gehandhabt werden sollte.
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Laut dem Geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollten die Impfzentren wie das in Fulda für die Booster-Impfungen wieder geöffnet werden. Hessens Sozialminister widerspricht, und auch in der Hausärzteschaft gibt es unterschiedliche Meinungen, wie die Corona-Impfstrategie zukünftig gehandhabt werden sollte.

Uneinigkeit in Politik und auch in der Ärzteschaft um die Corona-Spritzen - auch in Osthessen.

Osthessen. Derzeit impfen nur Hausärzte, teilweise mobile Impfteams und die Ärzte in den wenigen Impfzentren wie am Klinikum Fulda gegen Corona. Der Geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich dafür ausgesprochen – vor allem im Hinblick auf die anstehenden Booster-Impfungen –, die Impfzentren wieder zu öffnen. Dafür erntete Spahn Gegenwind. Der Hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) hatte Plänen zur Wiedereröffnung der Impfzentren in Hessen in dieser Woche eine Absage erteilt. Es gäbe derzeit keine Notwendigkeit, die Impfzentren wieder zu öffnen.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bei den Landkreisen Fulda und Vogelsberg wartet man dort auf Entscheidungen des Landes Hessen, was eine Wiederöffnung der Impfzentren betrifft. Derzeit sehe man noch keine Notwendigkeit, in Vorplanungen zu gehen, so Fuldas Kreissprecherin Lisa Laibach. Ähnlich sieht es laut Kreissprecher Christian Lips im Vogelsberg aus.

„Hausarztpraxen gut gerüstet“

Der Vorsitzende des „Deutschen Hausärzteverbands“, Ulrich Weigeldt, veröffentlichte auf „Facebook“ unter anderem folgendes Statement: „In der Anfangsphase der Corona-Impfungen ergaben die Impfzentren durchaus Sinn, allerdings waren die Kosten pro Impfung doch sehr hoch. Für die ausstehenden Impfungen, zu denen wir dringend weitere Menschen ermuntern müssen, ebenso wie für die fälligen Auffrischungsimpfungen, sehen wir uns in den Hausarztpraxen allerdings gut gerüstet.“

Ganz anders reagiert das „Gesundheitsnetz Osthessen“, das am Mittwoch unter anderem verlauten ließ: „Das Medizinische Fachpersonal arbeitet rund um die Uhr. Die Bezahlung von Überstunden bleibt an den Praxen hängen. Im Vergleich zu den Krankenhäusern haben niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und deren Mitarbeiter(innen) bislang keine strukturelle Förderung aus Steuergeldern und auch keinen Dank von der Politik erhalten. Wir stehen gerade am Anfang der vierten Welle und haben das Gefühl, bei den politisch Verantwortlichen gar nicht oder allenfalls als billige Ersatzlösung zu existieren.“

„Politik muss handeln“

Um die Pandemie zu beenden, müsste die Politik die „notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen, damit Praxen die wichtige COVID-19-Impfkampagne bewältigen können. Dazu muss ein Abbau bürokratischer Hürden sowie eine Verfügbarkeit von Einzelimpfdosen dringend erfolgen. Alternativ muss die Vergütung pro Impfung angehoben werden, um einen Personalmehraufwand in den Praxen zu finanzieren“. „Die Politik trifft falsche Entscheidungen und muss jetzt handeln und endlich auf die niedergelassene Ärzteschaft hören, die die Pandemie täglich in der Praxis erlebt“, sagt Dr. Jörg Simon, „GNO“-Aufsichtsratsvorsitzender.

Eines der aktuellen Probleme in den Hausarztpraxen sei, dass es nicht genügend COVID19-Einzel-Impfdosen gebe. „Deshalb müssen Praxen immer mindestens sechs Patientinnen und Patienten für die COVID-19-Impfungen einbestellen, das bedeutet einen extrem hohen Organisationsaufwand“, so das „GNO“. Dazu kämen die notwendigen Aufklärungsgespräche vor und die Überwachung nach den Impfungen. „Das Honorar für die Impfung deckt in keiner Weise den Aufwand in den Praxen. Im Gegenteil: Insbesondere kleine Praxen legen bei diesen Preisen noch drauf. Deshalb bieten viele Praxen im Landkreis keine Coronaimpfungen mehr an“, schreibt das „GNO“.

Des Weiteren bemängelt das osthessische Ärztenetz, dass durch Unsicherheiten bezüglich der Booster-Impfungen viele Patienten in den Praxen längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssten, was die Mitarbeiter zu spüren bekämen. „Forderungen nach Bescheinigungen, um freie Testungen oder Maskenbefreiungen zu erhalten sind an der Tagesordnung, Beschimpfungen oder teilweise Bedrohungen gibt es ebenfalls“, so das „GNO“.

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