Chemie im Fläschchen?

Muttermilch ist und bleibt das Beste für Neugeborene. Doch wenn Mütter nicht stillen wollen oder können, brauchen sie Flaschenmilchprodukte. Diese hat „Öko-Test“ untersucht – mit erschreckenden Ergebnissen.	Foto: „Milupa“
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Muttermilch ist und bleibt das Beste für Neugeborene. Doch wenn Mütter nicht stillen wollen oder können, brauchen sie Flaschenmilchprodukte. Diese hat „Öko-Test“ untersucht – mit erschreckenden Ergebnissen. Foto: „Milupa“

Bei einer Untersuchung von Flaschenmilch des "Öko-Tests" hatte "Milupa" schlecht abgeschnitten: Jetzt wehrt sich das Unternehmen gegen die Bewertung.

Fulda. Wenn ein Paar ein Baby bekommt, möchte es alles richtig machen und von Schnuller über Kleidung, Möbel und Spielzeug, bis hin zur Nahrung möglichst das Beste für das Kind wählen. Gerade, wenn die Mutter nicht stillen kann oder möchte, ist es besonders wichtig, dass ein geeigneter Ersatz für die Muttermilch gefüttert wird. Der Babynahrungshersteller "Milupa", mit einem Werk in Fulda, ist dafür bekannt, Produkte herzustellen, die der Muttermilch äußerst ähnlich und somit hervorragend für Säuglinge geeignet sind.

Aber: In der jüngsten Ausgabe des "Öko-Tests" haben die Experten untersucht, wie empfehlenswert Flaschenmilchprodukte sind. Von 14 getesteten Produkten erhielten nur zwei die Bewertung "gut". Die "Milupa Milumil 1 Anfangsmilch" fiel komplett durch, die "Aptamil mit Pronutra Anfangsmilch 1" – beide Produkte von "Milupa" – schnitt mit "mangelhaft" ab. In beiden Produkten wurden laut "Öko-Test" Chlorate und Fettschadstoffe gefunden. Chlorat hemmt die Produktion von Schilddrüsenhormonen und schädigt rote Blutkörperchen. Der Fettschadstoff "3-MCPD-Ester" wandelt sich im Körper in einen anderen Stoff um, der in Tierversuchen unter anderem die Nieren geschädigt hat.Da unsere Redaktion Ende vergangenen Jahres eine Vortrags- und Diskussions-Veranstaltung bei "Milupa" besucht hatte und wir ganz begeistert vom Engagement  und der Leidenschaft der "Milupa"-Mitarbeiter waren, haben uns die Test-Ergebnisse von "Öko-Test" sehr verwundert, weshalb wir beim Unternehmen nachgehakt haben.

"Milupa" selbst kann die Bewertung der Produkte nicht nachvollziehen, heißt es auf Anfrage von "Fulda aktuell". Und weiter: "Alle ,Aptamil’- und ,Milumil’-Produkte sind sicher und für die Ernährung von Säuglingen optimal geeignet. So entsprechen alle Produkte aus unserem Haus den strengsten deutschen Qualitätsstandards im Lebensmittelbereich, nämlich denen für Säuglingsnahrung. Um ein Beispiel zu nennen: Ein Produkt wurde abgewertet, weil auf der Verpackung unter anderem auf unsere Muttermilchforschung hingewiesen wurde. Da wir seit 30 Jahren in diesem Bereich forschen, könnte man meinen, dass man auch darüber sprechen darf. Wir produzieren seit mehr als 90 Jahren hochwertige Säuglingsnahrungen. In diesen Jahrzehnten sind mehr als 40 Millionen Kinder in Deutschland sicher und gesund mit ihnen groß geworden. Und wir können Ihnen versichern, dass Eltern unseren Nahrungen weiterhin uneingeschränkt vertrauen können."Der von "Öko-Test" gemessene Chloratgehalt sei gesundheitlich unbedenklich. Er liege immer noch deutlich unterhalb des Grenzwertes der "World Health Organization" (WHO) für Trinkwasser.  Chlorate seien außerdem im Trinkwasser und in vielen Nahrungsmitteln enthalten. "Im Rahmen unseres kontinuierlichen Qualitätsprogramms haben wir bereits sichergestellt, dass der Chloratgehalt deutlich unterhalb des von ,Öko-Test angegebenen Wertes liegt. Das bestätigen auch Tests eines unabhängigen Labors."Die gefundenen Spuren von "3-MCPD-Ester" seien gesundheitlich unbedenklich. "Die Behörden stellen die Sicherheit und Qualität der Produkte nicht in Frage und auch das ,Bundesinstitut für Risikobewertung’ empfiehlt, die Nahrungen wie gewohnt weiter zu füttern. Eine Abwertung der Produkte ist deshalb nicht nachzuvollziehen. Wir möchten in unseren Produkten nur Inhaltsstoffe haben, die der gesunden Entwicklung des Kindes dienen. Deshalb haben wir in der Vergangenheit den ,3-MCPD-Ester-Gehalt’ bereits erheblich reduziert und arbeiten zum Beispiel mit Lieferanten gemeinsam daran, den Gehalt noch weiter zu senken.""3-MCPD-Ester" entstehe natürlicherweise bei der Reinigung und Erhitzung von Ölen und sei in zahlreichen Nahrungsmitteln enthalten – auch in Muttermilch, so "Milupa" weiter.

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