Christian Herrlich aus Schleid ist Chef-Organisator im Wiener Stephansdom

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Ein Rhöner hat in der österreichischen Hauptstadt seine Berufung gefunden.

Wien/Schleid - Er ist das Wahrzeichen und Symbol Nummer 1 Österreichs – der weltberühmte Stephansdom in Wien. Das Nationalheiligtum der Alpenrepublik. Andere Kathedralen werden bewundert, der Stephansdom wird geliebt. Nicht nur von den Einheimischen, sondern von Millionen Besuchern aus der ganzen Welt, gleich welchen Religionsbekenntnisses oder (Nicht-)Konfession sie angehören. Chef-Organisator, -Betreuer, heute würde man es neudeutsch CEO ausdrücken oder ganz profan Haupt-Koordinator all dessen, was in, auf und rund um den Stephansdom passiert, ist seit rund 15 Jahen ein „Rhöner Junge“ – Christian Herrlich aus Schleid. Der 47-Jährige aus dem Geisaer Amt hat es in der „Fremde“ zu „Etwas“ gebracht, nein vielmehr, er hat seinen Traumjob gefunden. „Es ist meine Lebensstellung“, sagt der „Hüter des Schatzes“, was sich nicht nur auf die unermesslichen sakralen und kulturellen Werte des Doms, sondern auch um die profanen, weltlichen Dinge rund um das einmalige Kirchenbauwerk bezieht. Ein Katholik aus dem Bistum Fulda, der in der Fremde zu Amt und Würden gekommen ist, es zu Ansehen und hoher Wertschätzung geschafft hat.

Wiener Schmäh’

Wie kommt man nun aus einer eher ländlich strukturierten Rhöngemeinde in die Weltmetropole Wien? Das ist eine längere und hochinteressante Geschichte und ganz besondere Lebensbiographie. „Junge Rhöner forderte schon der Wiener Kultsänger Falco vor mehr als 20 Jahren in einem seiner Hits“, so Herrlich augenzwinkernd mit leichtem Wiener Schmäh’ in der Stimme und im Blick. „Nein, natürlich heißt das Lied ,Junge Römer tanzen anders...’, so der Kralshüter der diversen Domschätze von St. Stephanus etwas ernster. "Aber so könnte man in etwa den Bogen von der hohen Rhön in die Donauniederungen im übertragenen Sinne spannen.“ Herrlich, aus einem katholischen Elternhaus stammend, wurde es in der früheren DDR ob seines Wunsches Priester zu werden, nicht immer einfach gemacht. Dennoch baute er auf einer kirchlichen Schule in Magdeburg sein Abitur und studierte nach der Wende in Österreich Theologie. Anschließend lebte er fünf Jahre in einem Praemonstratenser-Kloster im Waldviertel. „Ora et labora“, lautete in dieser Zeit vom frühen Morgen bis späten Abend das Motto in der Mönchsgemeinschaft. „Einmal Mönch, immer Mönch“ wollte er dennoch aus diversen Gründen nicht zu seiner Lebensaufgabe machen, „nicht zuletzt, weil ich an oder mit der Lehre Gottes nicht mein Geld verdienen, als Priester quasi im wahrsten Sinne des Wortes daraus Kapital schlagen wollte.“

Berufung gefunden

Herrlich stieg bei „Spar“ ein, jener Supermarkt-Kette, die es früher auch in Deutschland, heute nur noch in „Felix Austria“ gibt. Als Einzelhandelskaufmann und Manager eines Großmarktes. Aber das war auch bloß Beruf, keine Berufung. Die fand er dann vor knapp 15 Jahren eben am Stephansdom. Ein Freund hatte ohne Herrlichs Wissen einfach mal dessen Lebenslauf an den Dompfarrer weitergleitet. „Und schon am nächsten Tag hatte ich die Stellung. Meine Lebensstellung. Meine Berufung gefunden.“ Die sieht so aus, dass der gebürtige Thüringer alles, was im Dom stattfindet, organisiert. Das sind in aller Regel sieben Gottesdienste werktags und bis zu neun an Sonn- und Feiertagen. Dazu kommen Veranstaltungen, wie zuletzt am 24. April der „Domweihetag“ oder die „Lange Nacht der Kirche“, die bis zu 50.000 Besucher in den Dom zieht. Das sind „Auftritte“ von hochkarätigen (gekrönten) Häuptern aus Kirche, Kultur, Politik und Wirtschaft, von hochsicherheitsrelevanten Terminen, angefangen von Papst Benedikt XVI. und König Carl Gustav von Schweden über Queen Elizabeth II. und Wladimir Putin bis hin zu Laura Bush. Herrlich: „Da muss man schon die hohe Kunst der Wiener Etikette beherrschen und den kirchenprotokollarischen Ablaufplan bestens beachten“. „Küss’ die Hand gnä’ Frau. Herzlich willkommen Herr Hofrat. Grüß Gott Herr Kardinal. Ein Ringkuss für Seine Heiligkeit, den Papst.“ Wobei nur Katholiken im Dom offiziell begrüßt werden dürfen, Nicht-Katholiken wird außerhalb das Ehren-Zeremoniell zuteil. Da wird selbst für die Queen und den neuen russischen „Zaren“ keine Ausnahme gemacht. Ein Horror-Szenario und eine Herkules-Aufgabe gleichermaßen für alle für die Security-Zuständigen.

Führungen und Konzerte

So „nebenbei“ koordiniert und organisiert Herrlich Führungen sowie Mozart- und Haydn-Aufführungen und andere hochkarätige Konzerte im Dom, veranstaltet jedes Jahr einen Jahrmarkt rund um das Gotteshaus (das Geld für dessen teure Unterhaltung muss ja irgendwie akquiriert werden, denn es gibt nur sehr geringe staatliche Zuschüsse), ist für die Öffentlichkeitsarbeit im Bistum der Dompfarrei zuständig, gibt das Pfarrblatt heraus und leitet zudem das Pfarrbüro des Stephansdoms. Aktuell ist ihm die Erneuerung der Orgel des Stephansdoms ein großes Anliegen. Die Finanzierung dieses Projektes benötigt einige Millionen und wird die nächsten drei Jahre beanspruchen. Außerdem steht die Erneuerung des Pflasters auf dem Domplatz auf der Agenda, demnächst müssen auch wieder einmal die dekorativen Schindeln an den supersteil geneigten Dächern und Türmen des Doms erneuert und die Nistmöglichkeiten für die Turmfalken überprüft werden.

Herrlichs Chefs ist Dompfarrer Anton „Toni“ Faber, ein streitbarer Geist, eine Persönlichkeit sondergleichen, in der Wiener Gesellschaft hoch angesehen, ein „bunter Hund“ würde man es profan ausdrücken. Fast noch bekannter als der Wiener Kardinal Schönborn. Just am Domweihetag hat „der Toni“ den Seniorchef des Süßwarenherstellers „Manner“ beerdigt, auf dessen Logo die Silhouette des Stephansdoms prangt. Eine bessere Werbung könnte man sich beiderseits kaum vorstellen, zumal der Unternehmer jahrzehntelang einen Großteil der millionenaufwändigen Domsanierungen gesponsert hat. Anschließend ging es für Faber zu einem Weinbauern nahe Wiens, der schon jahrelang den Messwein spendiert. Und danach widmete sich Faber seelsorgerisch jenen 100 aus der katholischen Kirche ausgetretenen Menschen, die er zuletzt wieder in die Gemeinschaft der Gläubigen innerhalb der Dompfarrei zurückgeholt hat. An Heiligabend feiert Faber regelmäßig mit den Obdachlosen Wiens, versorgt sie gemeinsam mit einem Nobel-Restaurant-Betreiber wenigstens einmal im Jahr mit einer warmen Mahlzeit. „Man muss den Menschen helfen, Gutes zu tun. Das ist das, was den wahren Gauben ausmacht. Auch wenn es mitunter gerade die scheinbar niederschwelligen kirchlichen Dinge, Angebote und Herrlich seinen Dompfarrer.

Und das ist jenes, was den Rhöner zu allererst nach Wien an den Stephansdom zog. In diesem Umfeld und Kontext hat er seinen Beruf, nein, seine Berufung, Erfüllung und persönliche Freude gefunden. Die Brücken in die Heimat und die Bekannten und Verwandten im Fuldaer Land hat er deshalb noch lange nicht abgebrochen, fünf- bis sechsmal pro Jahr besucht er seine hochbetagten Eltern in Schleid. „Meine Heimat ist schon noch die thüringische Rhön. Mein Zuhause indes ist Wien“, sagt der 47-Jährige. „Hier gibt es eine äußerst angenehme Variante des menschlichen Lebens. Das Angebot an Kultur, Konzerten, Theatern und Kirchen ist unermesslich. Und der Stephansdom, den 5,6 Millionen Besucher pro Jahr bewundern, ist einmalig und steht nur in Wien.“ Doch auch die Gedanken an die und der Bezug zur Heimat sind immer wieder spannend und kommen Herrlich vor Ort nicht nur, wenn er die Reliquie der Heiligen Elisabeth, der „Thüringer Landespatronin“, in einer Wiener Kirche besucht.

Und wie sieht’s mit dem weltberühmten Wiener Schmäh aus? „Man lernt ihn, nur neeet huuudeln.“ Und spätestens wenn man annähernd akzentfrei im breitesten Dialekt „Hörst Alter, bist du deppert“ sagen kann, ist man auch als Piefke in Österreich angekommen.

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