Kommentar

Klartext: Limburg lahmt

Redakteur Christopher Göbel schreibt über das Bistum Limburg, einen Kinderpornographie-Verdacht und ein Glockenspiel

Limburg ist eine schöne Stadt. Ich war just am Wochenende kurz davor, einmal dorthin zu fahren, denn ich weilte mit meinen Lieben in Weilburg und auf der Burg Braunfels. Limburg war nur wenige Kilometer entfernt, aber irgendwie hat es uns nicht dorthin gezogen. Momentan macht das Nachbarbistum Limburg allerdings wieder schreckliche Schlagzeilen.

Nach den Monaten der Schande durch den verschwenderischen Ex-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst mit seinem prunkvollen und schweineteuren Bischofssitz hat die digitale Datenspur nun die Fahnder der Zentralstelle für Internetkriminalität in eben dieses Bistum geführt. Ein enger Mitarbeiter des derzeitigen Bischofs Georg Bätzing soll auf seinem Dienst-PC Kinderpornografie gespeichert haben. Und zwar in großer Menge. Von schockierendem Material ist die Rede.

Das Bistum hatte sich nach der finanziellen Aktion seines ehemaligen Oberhirten – auch Protz-Bischof genannt – darum bemüht, das Vertrauen der Gläubigen wiederzugewinnen. Das dürfte nun erst einmal daneben gegangen sein. Ich fürchte, dass die Skandale um Kinderpornographie und sexuelle Misshandlungen die katholische Kirche noch lange beschäftigen werden. So lange kirchliche Mitarbeiter ihre Gelüste unter dem Deckmantel der Kirche ausführen, würde nur eine wirklich lückenlose Aufklärung reinigend wirken. Doch frage ich mich immer wieder, wenn solche Untaten bekannt werden, ob den Verantwortlichen wirklich an einer Aufklärung gelegen ist. Nach Wochen oder Monaten des öffentlichen Interesses sind die Fälle oft wieder vergessen – bis zum nächsten Missbrauchsfall oder bis zur nächsten schrecklichen Entdeckung. Ist das eine Kirche, der man vertrauen möchte? Der man vertrauen kann? 

Wenn die Kirche beziehungsweise deren Vertreter sich nicht selbst als moralische Instanz sehen würden, wären die öffentliche Empörung und die Wut darüber vielleicht nicht so groß. Aber so gerät eine riesige Institution mit tausenden von Mitarbeitern aufgrund der Verbrechen Weniger in Verruf. Mir tun die vielen unbescholtenen Mitarbeiter vom Pförtner bis zum Bischof leid, die durch die – leider – in steter Regelmäßigkeit vorkommenden Skandale mit ins Verderben gezogen werden.

Und dann hat Limburg anscheinend nichts besseres zu tun, als einer militanten tierschützenden Veganerin den Wunsch zu erfüllen, „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ aus dem Glockenspiel-Repertoire des Rathauses zu nehmen, weil der Fuchs am Ende des Kinderliedes tot ist. Liebe Limburger, ihr habt wahrlich andere Probleme, um den beschädigten Ruf eurer schönen Stadt zu retten. Ich hoffe, es gelingt Euch.

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