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Pro & Contra: Brauchen wir kostenlosen ÖPNV?

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Von: Christopher Göbel, Antonia Schmidt

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Die Fulda aktuell Redakteure Antonia Schmidt und Christopher Göbel diskutieren über einen kostenlosen ÖPNV.

Antonia Schmidt für Pro: Stressfrei und umweltfreundlich

Nach meinem Wechsel von der Mittel- in die Oberstufe musste ich die Busfahrt zu meiner Schule selbst

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bezahlen, diese Regelung empfand ich schon vor neun Jahren als unglaublich. Da meine Schule auf dem Arbeitsweg meines Vaters lag, hat er mich dann morgens immer mitgenommen, und als ich dann meinen Führerschein hatte habe ich mir das Busticket gespart und bin meistens mit Papas Wagen zur Schule gefahren. Wäre mein Busticket weitergezahlt worden, wäre ich mit dem Bus gefahren. Daher finde ich die Idee eines kostenlosen ÖPNV sehr interessant. Umweltbewusste und finanzbewusste Menschen würden sicherlich auf die Nutzung des eigenen Autos verzichten, um sich stressfrei mit dem Bus oder Bahn bewegen zu können. Auch zu meiner Studienzeit habe ich häufiger öffentliche Verkehrsmittel genutzt. Mindestens einmal in der Woche saß ich in Bus oder Bahn, um zu meinem Ziel zu kommen.

Natürlich ist das Netz in Fulda noch etwas ausbaufähig. Da ich natürlich schneller mit dem eigenen Wagen bin. Aber ich besuche häufig Freunde in Frankfurt und Mainz. Mit meinen Studiticket konnte ich im Rhein-Main-Verbund kostenlos Bus, Bahn sowie S- und U-Bahn fahren. So habe ich mich meistens an den Wochenenden in den Zug gesetzt und bin „kostenlos“ zu meinem Ziel gekommen. Und auch innerhalb der Städte konnte ich alle Fortbewegungsmittel nutzen. Kein lästiges Ticket ziehen und Preise vergleichen war nötig. Das ist heute nicht mehr der Fall. Wenn ich heute meine Freunde besuche, setze ich mich in mein Auto. Natürlich ist hier die Fahrzeit beispielsweise nach Mainz halbiert drei Stunden Zug gegen 1,5 Stunden Autofahrt. Aber der Tank leidet unter meinen Ausflügen, da werden diese Besuche teurer. Mit einem kostenlosen Ticket würde ich mich häufiger in den Bus oder die Bahn setzen. Denn dann würde ich mir den Stress beim Auto fahren sparen, andere Verkehrsteilnehmer würden mich nicht so sehr nerven und die Umwelt würde geschont.

Christopher Göbel für Contra: Utopische Idee der Berliner Koalitionäre

Nein, das brauchen wir nicht. Zumindest nicht dort, wo wir leben. In ländlichen Regionen ist es kaum umzusetzen, beispielsweise größere Einkäufe per Bus und Bahn zu transportieren. Das machen nur Menschen, die entweder kein Auto haben, oder die tatsächlich aus umweltpolitischen Gründen häufiger öffentliche

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Verkehrsmittel nutzen. In Ballungsräumen mit einer wirklich funktionierenden Infrastruktur mag es möglich sein, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Hier geht es kaum – und ich bin mir sicher, dass kaum jemand das Auto stehen lassen würde, nur weil das Busticket nichts kostet. Eine ehemalige Studentin hat mir neulich erzählt, dass sie sich fest vorgenommen hat, mit dem Semesterticket jeden Tag zur Hochschule zu fahren. Zweimal während des Studiums hat sie es getan. Warum? Zehn Minuten mit dem Auto standen einer Stunde mit dem Bus gegenüber. Die ÖPNV-Infrastruktur im ländlichen Osthessen ist eben (noch) nicht genügend ausgebaut. Ich halte die Idee mit dem kostenfreien ÖPNV für eine Schnapsidee, die während der Koalitionsverhandlungen geboren wurde, um die Gemüter der Wähler zu beruhigen.

Wer soll denn die zusätzlichen Beförderungskosten bezahlen? Wir – mit unseren Steuern. Würden tatsächlich Hunderttausende auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, müssten tausende neuer Busse und Bahnen her. Die müssten auch erst einmal finanziert werden. Wovon? In manchen Großstädten platzen S- und U-Bahnen zu Stoßzeiten schon aus allen Nähten. Wie stellen sich die Bundespolitiker das dann vor, wenn tausende Menschen mehr damit fahren müssten? Wer ALG-II-Leistungen empfängt, Geflüchtete oder andere Menschen, die an der Armutsgrenze leben, denen könnte man tatsächlich ermöglichen, den ÖPNV kostenlos zu nutzen. Aber alle, die jetzt ein Auto ihr Eigen nennen, werden wegen kostenloser Tickets nur zu einem geringen Prozentsatz auf den fahrbaren Untersatz verzichten.

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