Pro und Contra: Braucht man das „Dschungelcamp“?

Fulda aktuell-Redakteurin Antonia Schmidt und Redaktionsleiter Bertram Lenz diskutieren über das Dschungelcamp.

Pro: Nichts für den Geist, aber für die Seele

Antonia Schmidt

Ja, ich gebe es zu: Ich bin eine Trash-TV-Queen! Nicht nur Formate wie „Bauer sucht Frau“ und „Schwiegertochter gesucht“ werden bei mir eingeschaltet. Schon von Beginn an schaue ich das „Dschungelcamp“ sitze ich genüsslich vor dem Fernseher und gucke den Kandidaten bei ihren Ekelprüfungen zu. Zugegeben, unterhalten werde ich am besten von den Kommentaren der Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwig. Obwohl ich dabei anmerken muss, dass Hartwig den verstorbenen Moderator Dirk Bach nicht ersetzen kann. Die Bissigkeit des kleinen runden Mannes fehlt der Sendung einfach. Auch hat sich meine Einschaltzeit deutlich verkürzt, Grund dafür ist die sehr späte Sendezeit, dennoch bleibe ich immer für die Dschungelprüfungen wach, den Rest lese ich dann in Onlinemedien nach.

Dass Konfliktsituationen und „plötzliche“ Besuche von Tieren durch die Regie inszeniert werden, steht, glaube ich, für jeden klardenkenden Menschen außer Frage. Auch die Besetzung der sogenannten Promis wird immer schlechter. Dennoch hat sich das Format, im Gegensatz zu den vergangenen Staffeln wieder verbessert. Am vergangenen Samstag zum Beispiel lag ich auf der Couch und habe das „Dschungelcamp“ geschaut, dazu gab es Chips und Eistee, der perfekte Samstagabend also. Denn einfach mal den Kopf ausmachen und sich von verzweifelten „Promis“ unterhalten zu lassen, ist gar nicht mal so schlecht. Ich werde es nächstes Jahr wieder tun.

Contra: Was hätte „Lord Brett Sinclair“ gedacht?

Bertram Lenz

Erinnern Sie sich noch an diese fantastische Krimiserie „Die 2“ aus den 1970-er Jahren mit Tony Curtis und Roger Moore? Letztgenannter verkörperte britisch-unterkühlt „Lord Brett Sinclair“ und war der Prototyp eines eitlen Snobs. Übellaunige Banausen würden einen solchen Menschen als Fatzke bezeichnen. Wie ich es denn schaffe, über das „Dschungelcamp“ zu schreiben und zugleich in seliger Erinnerung an „Die 2“ zu schwelgen? Nun, einem Brett Sinclair wäre es nie eingefallen, den Blick auch nur eine Sekunde auf den Fernseher zu richten, hätte er dort die Scharmützel irgendwelcher C-, D- oder Z-Promis beziehungsweise abgehalfteter Möchtegern-Stars sehen müssen.

Will sagen: Das wäre ihm viel zu dumm gewesen, er hätte die Sendung mit Verachtung gestraft beziehungsweise überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Auch für mich ist es reine Zeitverschwendung, anzuschauen, wenn sich vermeintliche Promis, von denen ich zuvor noch nie etwas gehört habe, irgendwelchen dümmlichen Aufgaben stellen. Die sich irgendein Drehbuchschreiber ausgedacht hat, um die Quote zu steigern und ein werberelevantes Zielpublikum vor den Schirm zu locken. Ich möchte wetten, dass – vorsichtig formuliert – nach einer Woche niemand mehr weiß, wer „Dschungelkönig“ geworden ist. Ähnlich verhält es sich übrigens mit den „Deutschland sucht den Superstar“-Formaten. Fazit: Das Ganze ist Trash (Dreck), ohne jeden Sinn.

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