Pro & contra: Großwildjagd - muss das sein?

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Den aktuelle Fall des getöteten Löwen "Cecil" nehmen Hans-Peter Ehrensberger und Sabine Grebe zum Anlass, um über die Großwildjagd zu diskutieren.

Jagd hilft, Tiere vor dem Aussterben zu rettenI

ch bin selbst Jäger. Kein geiler Großwildjäger. Wobei man dieses Wort fast synonym mit Großspurigkeit, ja Großkotzigkeit

gleichsetzen kann. Gleichwohl hat diese Form der Jagd auch positive Seiten, so schwer das zu verstehen und zu erklären ist, vor allem, wenn man es jetzt in einen Zusammenhang mit dem Abschuss des berümtesten aller afrikanischen Löwen stellt, von "Cecil" aus Zimbabwe. Das war eindeutig ein gewollter Fehlschuss, wofür  man den steinreichen amerikanischen Zahnarzt kritisieren, jedoch nicht ihm allein die  Schuld zuschreiben und ihn mit einem Shitstorm in den sozialen Netzwerken oder gar Attentats-Ankündigungen bedrohen darf. Offensichtlich war der "Lion-King" aus seinem Gehege gelockt und als "Star" erlegt worden. Organisierte Großwildjagden sind mit die wichtigste Einnahmequellen für Nationalparks, Schutzzonen und Regierungsorganisationen im geldklammen Afrika und sind dann zu vertreten, wenn sie sich auf wenige Ausnahmen unter den "Big Five" (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) beschränken, am besten zur Unterstützung der natürlichen Selektion und zur Reduzierung von übergroßen Populationen. Wenn das in einem überschaubaren Rahmen passiert und von Wildhütern und Jagdbegleitern überwacht wird, dann kann man dem illegalen Geschäft die Grundlage entziehen und den Schwarzmarkt für Trophäen, Elfenbein und Pelze eindämmen. Dass viele Wildbestände in Afrika und weltweit in den vergangenen Jahren rapide abnahmen liegt nicht in erster Linie an den (Großwild-)Jägern, sondern an den sich dramatisch veränderten Klima- und Umweltbedingungen. Gleichwohl müssen die bedrohten Tier- und Pflanzenarten noch besser geschützt werden – auch vor einem solchen "Blindgänger", der "Cecil" zur Strecke brachte.

Widerlich und unverständlich

"Cecil" ist wohl das berühmteste Opfer eines Trends, der in jüngster Zeit verstärkt im Fokus des medialen Interesses steht: Großwild-Jagdtourismus. Hobbyjäger buchen dabei eine  Reise, um in einem fremden Land gefährdete Arten zu erlegen, wie andere eine Pauschalreise nach Mallorca. Ein Urlaub zum Töten, genauso widerlich, wie es klingt. Wie Menschen auf die Idee kommen, in ihrem Urlaub seltene Tiere zu erlegen und sich die Trophäen hinterher an die Wand zu hängen, werde ich nie verstehen können. Genauso wenig, warum diese Form der Jagd in vielen afrikanischen Staaten legal ist. Wie ekelhaft der Safaritourismus wirklich ist, belegt der aktuelle Fall von "Cecil". Walter P., ein amerikanischer Zahnarzt, hat den berühmten Löwen mit Pfeil und Bogen angeschossen, ihn weitere 40 Stunden verfolgt und ihn dann getötet. Der Zahnarzt versucht nun  seine Verantwortung abzuwälzen, kein Wunder, bei der Flut an negativen Reaktionen in den vergangenen Tagen. Schließlich habe er sich auf seine lokalen Führer verlassen, denen 45.000 Euro gezahlt und damit angenommen, seine Handlungen seien völlig l­­­egal. Die offensichtliche Bestechung der Parkhüter, ohne die der Wilderer nicht an das Tier herangekommen wäre, versucht der Zahnarzt nun  zu verharmlosen. Dabei ist der Amerikaner ein erfahrener Jäger, der schon dutzende vom Aussterben bedrohte Tiere getötet hat. Schlimm ist daran ebenfalls, dass vorangegangene Tötungen eines Leoparden, eines Rhinozeros und zahlreicher anderer Tiere kaum Aufmerksamtkeit erfahren haben, obwohl es Bilder davon auf seiner "Facebook”-Seite gab. Auch viele andere Reiche suchen in diesem Jagdtourismus und dem Erlegen von Großwild einen Kick, der für normal denkende Menschen wohl nicht nachzuvollziehen ist.

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