pro & contra: Jogginghosenverbot in der Schule?

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Eine Stuttgarter Schule will Jogginghosen verbieten. Hans-Peter Ehrensberger und Jennifer Sippel sind geteilter Meinung.

Verzichtet bitte auf den Schlabberlook

"Für eine Hose, mit der man das gesamte Wochenende nur auf der Couch rumlümmelt, hat die Jogginghose einen recht ungewöhnlichen Namen." Ein lustiger Spruch, der es aber in meinen Augen auf den Punkt bringt: Jogginghosen sind saubequem, allerdings häufig nicht sonderlich ansehnlich. Deshalb finde ich es durchaus nachvollziehbar, dass eine Stuttgarter Schulleiterin ihren Schülern verbieten möchte, Jogginghosen im Unterricht zu tragen. Ich weiß gar nicht, wo es auf einmal herkam, dass es vollkommen normal ist, dass man in Jogginghosen einkaufen oder zum Friseur geht. Jogginghosen gehören für mich wirklich nicht auf die Straße. Wobei, wenn jemand tatsächlich Sport machen will, dann natürlich schon. ;-)

Ich finde, Kleidung spiegelt in gewisser Weise auch die innere Haltung eines Menschen wider. Und sie hat etwas mit Respekt zu tun. Wenn ich also als Lehrerin vor einer Klasse stehen müsste, in der mich die Hälfte der Schüler in Jogginghosen empfängt, würde mich das wohl auch nicht wirklich glücklich machen. Da kommt man sich wahrscheinlich hier und da vor, als wäre man für die Schüler Teil der seichten Nachmittagsunterhaltung auf "RTL" – schließlich tragen sie schon die bequeme Kleidung, für bequeme Stunden auf der Couch.

Selbstverständlich ist Kleidung immer etwas sehr Subjektives und Teil der persönlichen Freiheit, aber Jogginghosen haben meiner Meinung nach auch einfach etwas Proletenhaftes an sich.

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Eine Frage des (guten) Geschmacks

Was soll aus der Jugend wohl noch werden? Diese Frage stellte – nein, kein Vater von heute, sondern ein griechischer Philosoph schon vor mehr als 2000 Jahren. Damals ging es nicht viel anders zu  als heute, außer dass die Jugend zur Zeit eines Sokarates dem Zeitgeist passend eben in Toga und nicht in Jogginghose rumlief. "What shalls! Lasst doch der Jugend ihren Lauf", sagte meine Mutter immer wieder mit der philosophischen Weitsicht einer altersklugen Frau.

nd weiter: "Sollen sie sich doch ihre Hörner abstoßen." Verbote und Vorschriften bringen nix, reizen nur zur Renitenz, kitzeln oppositionelle Verhaltensweisen raus und verursachen meist das Gegenteil. Nachsicht üben, großzügig drüber wegsehen, kein großes Aufheben um die Mode machen, liebe Eltern und Lehrer. In erster Linie ist es eh eine Frage des (un-) passenden Anlasses oder mehr oder weniger vorhandenen (guten) Geschmacks. Den hat man (und da sollten wir uns als ältere Semester nicht ausnehmen) – oder eben nicht.

So kann ein adrett gedresster Jugendlicher in Jogginghose besser aussehen als ein spießiger Banker oder affig herausgeputzter Broker. Die Protagonisten der späten 1960er und frühen 70er sind längst von Jutesack- zu Anzugträgern mutiert, die Turnschuhe eines Joschka Fischer in Parlamenten salonfähig geworden – vom weltweiten Siegeszug der Jeans ganz zu schweigen. Und so wird es auch mit dem Jogginganzug passieren. Bis der von einem anderen Modetrend abgelöst wird. Was soll’s? Viel Aufregung und noch mehr Lärm um nichts!

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