Pro & Contra: Ist Ladendiebstahl eine Bagatelle?

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Mathis Jakobi und Antonia Schmidt diskutieren über den Vorschlag von SPD-Vize Chef Ralf Stegner Ladendiebstahl nur noch als Bagatelle zu ahnden.

Pro: Mehr Geld, weniger Überlastung

Ich denke, dass der Vorschlag von SPD-Vize Chef   Ralf Stegner durchaus interessant ist. An dieser Stelle ist es wichtig, sich die Aussage genauer anzuschauen, denn Stegner schlägt lediglich vor zu prüfen, ob standardisierte Verfahren bei Diebstählen geringwertiger Waren – ähnlich wie Bußgelder bei Verkehrsdelikten  – die Polizei entlasten und beim Täter zu wirkungsvoller Bestrafung führen könnten.

Es ist eine Tatsache, dass es bei Diebstählen von geringwertigen Sachen in der Regel zu einer Einstellung des Verfahrens kommt. Und selbst wenn es nicht zu einer Einstellung kommt, beläuft sich das Strafmaß im Falle einer Verurteilung  meist nur auf ein Bußgeld. Als geringwertig werden Gegenstände mit einem Sachwert von bis zu 30 Euro bezeichnet. Die Kosten die hingegen für den bürokratischen Aufwand benötigt werden sind unverhältnismäßig größer.Eine Gesetzesänderung würde  den Prozess also beschleunigen und  die Staatskassen schonen. In Anbetracht von Behördenüberlastung und Stellenstreichung im öffentlichen Dienst müssen wir uns nach Entlastungsmöglichkeiten umsehen. Ich denke der Staat muss sich entscheiden, ob er mehr Geld  Justiz, Polizei und Behörden investieren möchte oder  entlastende Gesetzesänderungen einführenmöchte. Jetzt in eine blinde Hysterie zu verfallen und der SPD vorzuwerfen, sie würde mit diesem Vorschlag Ladendiebstahl  verharmlosen  wollen, halte ich für angemessen.

Contra: Auch die Moral spielt eine wichtige Rolle

Ein Diebstahl bleibt für mich ein Diebstahl, dabei kommt es  nicht auf den Sach- oder Geldwert an. Die Hemmschwelle für einen Diebstahl bleibt doch dieselbe. Dabei kommt es nicht darauf an, ob etwas 25  oder 100 Euro gekostet hat. Ich verstoße trotzdem gegen das Gesetz. Doch wenn das Gesetz nun gelockert werden würde, wird Ladendiebstahl bis zum Betrag x zu einem Kavaliersdelikt. Denn der Gesetzgeber findet es ja auch nicht so schlimm.Natürlich kostet eine Strafverfolgung Geld. Und manches Mal rechnet sich eine Verfolgung durch den Wert des Diebesguts nicht, das sehe ich ein. Doch es geht doch auch um die moralische Erziehung der Täter. Eine Vorladung vor Gericht hat doch eine viel höhere Wirkung auf einen Täter, als ein Bußgeldbescheid. Der flattert eben ‘mal so in den  Briefkasten. Ich zahle meine Strafe und dann ist das Thema abgehakt. Wir sehen doch an Rasern und Parksündern, dass die Wirkung eines Bußgeldbescheids längst nicht die einer Strafverfolgung hat. Für mich ist klar: Für einen Diebstahl muss man mit einem Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden. Ein Abtun mit einem Bußgeld wäre für mich ein falsches Zeichen für Täter. Meiner Meinung nach sollten Polizeikräfte verstärkt werden und für Justiz und Gerichte mehr Geld ausgegeben werden. Ohne eine lückenlose Strafverfolgung nutzen die besten Gesetze nichts. Wenn Kriminelle wissen, dass sie sowieso machen können was sie wollen, ist  ein Gesetz doch sinnlos.

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