Pro & Contra: Sollten Facebook“-Konten vererbt werden?

Christopher Göbel und Antonia Schmidt sind sich nicht einig, was mit digitalen Daten nach dem Tod eines Menschen passieren sollte.

Antonia Schmidt: Nach meinem Tod stört es mich nicht mehr

Der Fall eines 15-jährigen Mädchens, das im Jahr 2012 in Berlin von einer U-Bahn überrollt wurde macht mich sehr nachdenklich. Die Mutter der Teenagerin klagte, weil sie Zugriff auf das „Facebook“-Konto ihrer Tochter haben wollte. Die Zugangsdaten hatte sie selbst von ihrer Tochter bekommen. Doch „Facebook“ verweigert den Zugriff. Die Familie erhofft sich Hinweise auf die Umstände des Todes der 15-Jährigen zu finden.

Vielleicht wurde sie via „Facebook“ in den Tod gemobbt? Die Vermutung der Familie ist nicht weit hergeholt. Gab es doch schon einige Fälle bei denen „digitale Freunde“ oftmals junge Menschen in den Tod geschrieben haben. Ich finde, eine Mutter hat das Recht zu erfahren, mit wem ihr Kind in Kontakt stand, wenn es diese Frage selbst nicht mehr beantworten kann. Wenn ältere Menschen sterben findet man häufig alte Briefe. Ja, auch diese werden von Angehörigen gelesen und häufig aufbewahrt.

Durch die Worte und Gedanken fühlt man sich dem Verstorbenen näher. Wenn ich einmal sterbe, sollen meine Angehörigen Zugriff auf meine Konten auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen haben. Ich habe nichts zu verbergen und ich weiß auch, dass sie damit verantwortungsvoll umgehen würden. Ich kann nach meinem Tod sowieso nichts mehr damit anfangen. Daran stören kann ich mich erst recht nicht. Ich kann die Mutter gut verstehen, sie versucht alles, die Umstände des Todes ihres Kindes aufzuklären. Würden Sie das nicht auch tun?

Christopher Göbel: Das Digitale Erbe testamentarisch festlegen

„Facebook“ ist ein bisschen so etwas wie mein digitales Tagebuch. Ich weiß, das sollte nicht so sein, aber ich habe es nunmal so angelegt. Es ist schwierig, mir darüber Gedanken zu machen, was mit den dort gespeicherten Informationen und Fotos geschehen soll, wenn ich nicht mehr bin.

 Es ist nichts dabei, wessen ich mich schämen müsste. Auch nichts, was mich oder andere in eine problematische Situation bringen würde. Aber doch ist es für mich etwas, was mir allein gehört. „Schon mal was von Privatsphäre gehört?“, bekomme ich gelegentlich von meinen Kindern zu hören. Hat man nach dem eigenen Tod noch eine Privatsphäre? Oder ist das, was man vorher im Internet , dem PC oder dem Smartphone gespeichert hat, etwas, mit dem sich die Erben auseinandersetzen sollten? Grundsätzlich ist es möglich, testamentarisch festzulegen, was mit dem Digitalen Erbe passiert.

Ich denke, dass sich die wenigsten Menschen bisher damit befasst haben. Ich auch nicht, wie ich zugeben muss. Ich finde es gut, dass die „Social-Media“-Unternehmen es anderen Menschen nicht einfach machen, an Daten Verstorbener heranzukommen, denn die Sicherheit der Daten ist ein hohes Gut. Dazu gehört auch, dass Fotos, Texte und Weiteres von Verstorbenen nicht umgehend freigegeben werden.

Und wenn – wie im Fall, den meine Kollegin schildert – echte Gründe für ein mögliches Verbrechen vorliegen, dann muss es Gerichtsbeschlüsse geben. Aber nur dann, wenn ein begründeter Verdacht vorliegt.

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