Risiko, wo viele Menschen zusammenkommen

Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel ist Vorstand der Klinikum Fulda gAG. Er ruft zu großer Vorsicht in der vierten Welle der Corona-Pandemie auf.
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Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel ist Vorstand der Klinikum Fulda gAG. Er ruft zu großer Vorsicht in der vierten Welle der Corona-Pandemie auf.

Corona-Pandemie: Dringlicher Appell des Fuldaer Klinikum-Chefs: „Kontakte deutlich reduzieren“

Fulda. Die Corona-Pandemie überschwemmt unser Land bereits in der vierten Welle. FULDA AKTUELL hat bei Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, dem Vorstand des Klinikums Fulda, nachgefragt, wie er die Lage bewertet und was nun wichtig ist, um die vierte Welle zu brechen.

FULDA AKTUELL: Wie ist die Lage auf der Intensivstation Ihres Krankenhauses derzeit? Ist das Limit bereits erreicht?

DR. THOMAS MENZEL: Die Anzahl der COVID-Patienten, die wir im Klinikum Fulda behandeln, steigt in den vergangen Tagen ständig weiter an: Aktuell sind es insgesamt 23 COVID-Patientinnen und -patienten, davon sieben auf der Intensivstation.

FA: Sollten ALLE Bürgerinnen und Bürger sich impfen lassen?

MENZEL: Ja, unbedingt! Die Impfung schützt den Geimpften und seine Mitmenschen. Die Impfung ist wirksam und sicher. Mehr als 120 Millionen COVID-Impfungen in Deutschland sind bisher verabreicht worden. Auch diejenigen, die bislang noch zögerlich waren, sollten sich impfen lassen, um nicht an COVID zu erkranken. Bei der derzeitigen sehr hohen Inzidenz ist es nur eine Frage der Zeit, bis ungeimpfte Personen an COVID erkranken. Und eine COVID-Erkrankung kann – je nach dem individuellen Risikoprofil – dramatisch enden. Es gibt einen medizinisch Grund, der gegen eine Impfung spricht: eine Unverträglichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe der Impfzubereitung.

FA: Ist genügend Impfstoff vorhanden?

MENZEL: Im Impfzentrum am Klinikum Fulda steigt erfreulicher Weise die Nachfrage nicht nur nach Booster-Impfungen, sondern auch nach Erst- und Zweitimpfungen an. Tag für Tag kommen mehr und mehr Menschen zu uns, um sich impfen zu lassen Deshalb werden wir bald neue Termine im Online-Portal freischalten. Das ist gut, denn jede Impfung hilft: den Geimpften und uns allen. Derzeit ist ausreichend Impfstoff vorhanden.

FA: Sollten Menschen Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte, Kultur- und Sportveranstaltungen derzeit lieber meiden?

MENZEL: Die Zahl der COVID-Patienten steigt deutschlandweit stetig an. Damit wächst das Risiko, einem COVID-Patienten zu begegnen, ständig. Wo sich viele Menschen begegnen ist das Risiko am größten, in Innenräumen ist es sogar sehr hoch. Wenn dann zur ausgelassenen Stimmung noch Alkohol hinzukommt, ist es auch im Freien nicht mehr sicher. Auch wenn uns allen der Sinn nach einer Vorweihnachtszeit steht, wie vor der Pandemie. Wunschdenken wird die Realität nicht widerlegen können. Jeder einzelne von uns muss die Kontakte reduzieren – individuell und verantwortungsbewusst.

FA: Worauf sollten Menschen besonders achten, um sich nicht mit dem Coronavirus zu infizieren?

MENZEL: Wir alle müssen die Hygienemaßnahmen einhalten, die wir seit zwei Jahren eingeübt haben. Hierzu zählt das Tragen der Mund-Nasenschutz-Maske in Innenräumen, die Vermeidung großer Menschenansammlungen und das regelmäßige Händewaschen. Das ist alles nicht neu. Aber es muss eben von jedem einzelnen immer wieder und konsequent beachtet werden.

FA: Ist ein neuer Lockdown die einzige Möglichkeit, um die Pandemielage in den Griff zu bekommen?

MENZEL: Die Anzahl der Kontakte muss jetzt unverzüglich deutlich reduziert werden. Denn wenn es zu viele COVID-Patienten gleichzeitig in zu kurzer Zeit gibt, dann werden es die Krankenhäuser nicht mehr schaffen, alle, die ein Intensivbett benötigen, parallel zu versorgen. Die Kontaktbeschränkungen dienen letztlich dazu, die Anzahl der Erkrankten, die einen Platz auf den Intensivstationen benötigen, so gut wie möglich über die Zeit hinweg zu verteilen. Wenn das mit den bisherigen Maßnahmen nicht gelingt, sollte auch ein erneuter Lock-down nicht ausgeschlossen werden.

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