Corona und Sucht: "Es ist eindeutig vermehrt zu Rückfällen gekommen"

Michael Schütte (links), Bereichsleiter Sucht beim „Caritasverband für die Regionen Fulda und Geisa“, war vor einigen Monaten schon einmal Gesprächspartner von „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz.

Gespräch mit Michael Schütte, Bereichsleiter im Caritas-Zentrum für Sucht- und Drogenhilfe

Fulda - Die Coronakrise ist für viele Menschen eine sehr herausfordernde Zeit. In Zeiten der Pandemie werde Sucht noch unsichtbarer, hat Susanne Schmitt, die Chefin der „Landesstelle für Suchtfragen“ in Frankfurt, vor Kurzem gesagt. „Fulda aktuell“ hat Michael Schütte zu dieser Problematik befragt. Er ist Bereichsleiter im Caritas-Zentrum für Sucht- und Drogenhilfe beim „Caritasverband für die Regionen Fulda und Geisa“.

Fulda aktuell: Wird die Suchtberatung in diesen Corona-Zeiten verstärkt angefragt?

Michael Schütte: Die Suchtberatung wird schon verstärkt nachgefragt, da die offene Sprechstunde und Motivationsgruppe ausgesetzt waren. Der Kontakt konnte nur über das Telefon oder Online stattfinden, aber der persönliche Kontakt mit den Klienten ist durch nichts zu ersetzen. Ab sofort sind, natürlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln, wieder persönliche Gespräche möglich. Diese müssen aber vorher telefonisch angemeldet werden, damit nicht zu viele Klienten auf einmal kommen. Die Klienten in der ambulanten Rehabilitation und Nachsorge wurden in den vergangenen Wochen durch telefonische Einzelgespräche versorgt.

FA: Welche Motive könnten die Menschen bewegen, in diesen Zeiten verstärkt zu Suchtmitteln zu greifen?

Schütte: Hier gibt es eine Anzahl von Gründen, angefangen von der häuslichen Nähe über Isolation oder auch Einsamkeit. Eine Rolle spielen zudem Beziehungsprobleme, die durch die ganzen Pandemieeinschränkungen hervorgerufen werden. Aber auch finanzielle Nöte durch Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, Zukunftsangst und häusliche Gewalt sind Faktoren.

FA: Macht sich eine Entwicklung bemerkbar, dass mehr zu Hause getrunken wird?

Schütte: Es wird ganz klar vermehrt daheim getrunken. Dies ist ganz allein der Tatsache geschuldet, das die Trinkgewohnheiten – zumindest bis vor Kurzem – nicht mehr in der Kneipe stattfinden konnten. Ob nun wirklich so viel mehr getrunken wird, zeigt sich erst längerfristig.

FA: Wie problematisch gestaltet sich die Tatsache, dass derzeit die Selbsthilfegruppen nicht stattfinden?

Schütte: Es ist eindeutig vermehrt zu Rückfällen gekommen, da sich oftmals auch persönliche Kontakte in den Gruppen entwickelt haben und dieses soziale Miteinander für viele Klienten immens wichtig ist. Der „Kreuzbund“ hat im Rahmen der elektronischen Medien sehr gut auf diese Krise reagiert und vielen geholfen. Aber nichts geht über den persönlichen Kontakt.

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