Aus für 380 Mitarbeiter: Coty schließt Wella-Werk Hünfeld

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US-Mutterkonzern trifft endgültige Entscheidung /  Nun Beratungen über Sozialplan

Hünfeld - Mitte März war während einer Betriebsversammlung beim Haarprodukte-Hersteller „Wella“ in Hünfeld bekannt geworden, dass der Standort Ende 2018 komplett geschlossen werden solle. 2015 hatte der „Coty“-Konzern „Wella“ von „Procter & Gamble“ gekauft. Nun scheint die endgültige Entscheidung gefallen, wie "Coty" am Donnerstagnachmittag bekanntgab: das Hünfelder Werk wird geschlossen. Damit fallen 380 Arbeitsplätze weg.

Wörtlich heißt es in der Pressemitteilung: "Im Rahmen der Reorganisation seiner weltweiten Produktions- und Logistikkapazitäten ist ,Coty' zu dem Ergebnis gekommen, dass es für die Produktion am Standort Hünfeld keine langfristige, nachhaltige Perspektive gibt. Daher soll die Produktion in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres 2018 auslaufen. Nach umfassenden Beratungen mit den Arbeitnehmervertretern über alternative Lösungen hat das ,Coty'-Management sich nun zur Schließung der Produktion am Standort Hünfeld entschieden".

Die gründlich untersuchten und diskutierten Gegenvorschläge der Arbeitnehmervertreter hätten keine nachhaltige Lösung zum Erhalt des Werks ergeben. Die Vorschläge beinhalteten eine Kombination aus Personalabbau und dauerhafter Kürzung der Entlohnung bei gleichzeitiger Erhöhung der Wochenarbeitszeit. Allein eine Senkung der Lohnkosten könne jedoch die Markt- und Volumenprobleme nicht nachhaltig auffangen: Der Endverkaufspreis für Hair Care Aerosole sei drastisch – auf Handelsmarken-Niveau – gesunken. "Nun liegt der Fokus der weiteren Beratungen mit den Arbeitnehmervertretern darauf, für jeden betroffenen Mitarbeiter passende Lösungen anhand eines angemessenen Sozialplans zu finden, um die Umsetzung der Schließung so fair und sozialverträglich wie möglich zu gestalten. ,Coty' produziert weiterhin in Deutschland am Standort Rothenkirchen/Sachsen sowie in Köln. Diese beiden Standorte werden ,Centers of Excellence' für ,Coty' sein. Das bedeutet, dass sie die Expertise für die Herstellung einiger wichtiger Produktgruppen haben und diese Standorte daher auch weiter ausgebaut werden."

Erst Anfang der Woche war Bewegung in die Sache gekommen, denn der Hünfelder Betriebsratschef Norbert Herr hatte „Fulda aktuell“ am Dienstagnachmittag auf Anfrage bestätigt, dass man dem Konzern den Abbau von 100 Stellen vorschlagen werde. Herr wörtlich: „Die entsprechenden Kollegen würden dann Abfindungen nach dem ,Wella-Plan’ bekommen, wie wir ihn die letzten Jahre bei einem Abbau verwendet haben. Wir würden versuchen, im Wesentlichen auf freiwilliger Basis den Abbau vorzunehmen. Es haben sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen bei mir gemeldet, die dieses Angebot nutzen würden. Sie vertrauen mir, und unserer Belegschaft ist es bewusst, dass wir diese Maßnahme benötigen, um unsere langjährige immer wieder bewiesene Wirtschaftlichkeit wieder ins richtige Licht zu rücken.“

Bürgermeister Schwenk

Bürgermeister Stefan Schwenk ist "enttäuscht und ehrlich gesagt sehr traurig, wie hier mit den Beschäftigten umgegangen wird". In seiner Stellungnahme heißt es unter anderem, die Belegschaft habe ihre Bereitschaft signalisiert, auch harte Einschnitte hinzunehmen, nur wenn es irgendwie weiter gehe. Die Qualität, die Motivation und der gute Ausbildungsstand der Mitarbeiter spielten allerdings offensichtlich bei dieser Entscheidung keine Rolle, ebenso wenig wie die besondere Flexibilität des Standorts. Für die Stadt Hünfeld sei das ein schwerwiegender Einschnitt. Nun sei es wichtig, alles zu tun, damit die Beschäftigten in unserer Region eine Perspektive finden. "Wir müssen uns weiterhin darüber unterhalten, welche Perspektiven es für die Liegenschaft gibt. Hier erwarte ich natürlich die Unterstützung von Land und Bund. Ich habe dazu im Hinblick auf das Worst-Case-Szenario bereits erste Gespräche mit der Wirtschaftsförderung beim Land geführt, um Möglichkeiten für eine sinnvolle Nachfolgenutzung der Gebäude und Liegenschaften auszuloten."

Brand: Null Verständnis

Scharfe Kritik hat der Fuldaer Wahlkreisabgeordnete Michael Brand (CDU) am Vorgehen des "Coty"-Managements geübt: „Das rücksichtlose Vorgehen der ,Coty'-Führung ist ein heftiger Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten. Während der Betriebsrat in Hünfeld mit seinem Vorsitzenden Herr und die Beschäftigten zu schmerzhaften Kompromissen bereit sind und jede Möglichkeit ausloten, um den Standort und Arbeitsplätze zu retten, zeigt das Management null Interesse am Schicksal der Beschäftigten. Dafür habe ich null Verständnis. Mit dieser Arroganz wird in atemberaubenden Tempo Grundvertrauen verspielt.“

Brand bezeichnete es als „unfassbare Stillosigkeit“, am Tag vor einem Treffen alle Beteiligten mit Bundeswirtschaftsministerin Zypries „kalkuliert“ vor vollendete Tatsachen zu stellen. „Das ,Coty'-Management hat von Anfang an ohne Transparenz und ganz offensichtlich mit falschen Karten gespielt. Soziale Verantwortung sieht komplett anders aus.“ Es gehe jetzt darum weiter nach Alternativen zu suchen und für die Beschäftigten das Beste rauszuholen.

Kömpel: Entsetzt

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Birgit Kömpel hat sich "entsetzt und traurig" über die Entscheidung  geäußert. In zahlreichen Gesprächen mit dem Betriebsrat und im engen Austausch mit dem Wirtschaftsministerium in Berlin habe sie und auch Ministerin Brigitte Zypries die Möglichkeit gesehen, den Standort und somit auch zahlreiche Arbeitsplätze zu retten. Es scheine der Unternehmensleitung egal zu sein, was aus ihren Mitarbeitern und den Familien werde.

Was sie nicht verstehen könne, sei die Tatsache, dass die "Wella/Coty"-Leitung nicht einmal das für Freitag terminierte Treffen mit Wirtschaftsministerin  Zypries abgewartet habe, ehe sie eine Entscheidung getroffen hat. Möglicherweise gab es Befürchtungen, eine SPD-Ministerin würde auf Seiten der Arbeitnehmerschaft stehen und hart in deren Sinn verhandeln. "Ich kann bestätigen, dass sie das auch genau so getan hätte", so Kömpel.

Heute sei ein schwarzer Tag für Hünfeld, ein schwarzer Tag für die Region.  Es werde nicht leicht sein, diese tarifgebundenen und deshalb auch gut bezahlten Jobs in der Region zu ersetzen.

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