COVID-19- und Grippe-Impfung: Was müssen die Bürger dabei beachten?

Doppelte Sicherheit? Wie vertragen sich Impfungen gegen COVID-19 und die Influenza? Und wie sieht es insgesamt mit der Impfsituation in Osthessen aus?.
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Doppelte Sicherheit? Wie vertragen sich Impfungen gegen COVID-19 und die Influenza? Und wie sieht es insgesamt mit der Impfsituation in Osthessen aus?.

Mit dem Ende des Sommers beginnen für manche Menschen die Überlegungen, ob sie sich in Zeiten von Corona zusätzlich gegen die Influenza, also die Grippe, impfen lassen sollen.

Osthessen. FULDA AKTUELL hat beim Gesundheitsamt des Landkreises Fulda angefragt, wie es sich mit den beiden Impfstoffen verhält und was Bürgerinnen und Bürger beachten sollten.

„Ja, man sollte die Grippeschutzimpfung in Anspruch nehmen“, sagt Prof. Dr. Dirk Breitmeier, der LKeiter des Gesundheitsamtes im Landkreis Fulda, auf Anfrage unserer Zeitung. „Im Zusammenhang mit Corona werden sogar synergistische Interaktionen und Effekte diskutiert. Es wird derzeit nicht ausgeschlossen, dass eine Grippeschutzimpfung auch einen gewissen Schutz gegen das Corona-Virus bietet. Insbesondere beide Impfungen geben wohl einen besseren Schutz sowohl gegen die Grippe als auch insbesondere gegen COVID-19. Es gibt mittlerweile bereits Überlegungen, die Impfstoffe im Zusammenhang mit einer einmaligen Gabe zu kombinieren“, so Breitmeier.

„Sofern es keine medizinisch begründbaren Ausschlüsse (Kontraindikationen) gegen die Impfung gibt, existieren soweit keine vernünftigen, für mich als Arzt nachvollziehbaren Gründe, sich gegen eine Impfung gegen die Grippe oder gegen das Corona-Virus zu entscheiden. Nicht nur, dass ich mich selbst schütze, so schütze ich doch aber vor allem auch meine Mitmenschen“, konstatiert der Gesundheitsamtsleiter.

Er meint, dass sich jeder gegen Grippe impfen lassen sollte. Insbesondere sollten sich aber durch Vorerkrankungen prädisponierte Personen impfen lassen. „Gibt es medizinisch ausschließende Gründe, so ist im Einzelfall gegebenenfalls eine Impfung nicht möglich. Die ,WHO‘ empfiehlt die Impfung für ältere Menschen, kleine Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen“, so Breitmeier. Diese Gruppen entwickelten demnach am häufigsten schwere Komplikationen aufgrund einer Grippe. Dies gelte umso mehr, da die Grippe eine ernstzunehmende Infektionskrankheit darstellt. „Insbesondere für ältere Menschen und chronisch kranke Menschen kann der Verlauf einer schweren Grippe auch tödlich sein. Mit einer Impfung kann man sich adäquat vor solchen Verläufen schützen“, so Breitmeier.

Booster gegen Corona

Derzeit sind auch die Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus im Gespräch. In Hessen gilt das zunächst nur für bestimmte Gruppen. Das sind Menschen ab 80 Jahren und diejenigen, die bei einer Coronavirus-Infektion ein höheres Risiko haben, schwer zu erkranken, also Menschen mit Vorerkrankungen, Immunschwäche oder Behinderungen. Geimpft werden soll in Alten- und Pflegeheimen von mobilen Impfteams oder den Hausärzten. Bis Ende September kann die dritte Impfung auch in den bestehenden Impfzentren in Fulda (Waideshalle) und in Alsfeld (Hessenhalle) verabreicht werden.

„Zur Auffrischungsimpfung ist vonseiten des Landkreises Fulda zu sagen, dass derzeit keine Auffrischungsimpfungen im Impfzentrum durchgeführt werden, da keine ,Stiko‘-Empfehlung vorliegt“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Der Landkreis empfehle, dass Bürgerinnen und Bürger die zur Drittimpfung individuelle Fragen haben, Kontakt mit ihrem Hausarzt aufnehmen sollten.

Zwischen der letzten und der dritten Corona-Impfung müssen laut dem Land Hessen mindestens sechs Monate liegen. Welcher Impfstoff zuvor verabreicht wurde, ist bei der Booster-Impfung egal. Die Auffrischung soll ausschließlich mit „Biontech“ oder „Moderna“ erfolgen. Es gibt auch Kritik am Handeln der Hessischen Landesregierung.

Die „Landesärztekammer Hessen“ und die „Kassenärztliche Vereinigung“ beispielsweise sagen, dass man eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission („Stiko“) nicht abgewartet habe. Damit seien Haftungsansprüche gegen die impfenden Ärzte nicht abschließend geklärt.

Impfung nach Infektion?

„Personen, die gesichert an COVID-19 erkrankt waren, sollten in der Regel sechs Monate nach Genesung beziehungsweise. Diagnosestellung eine Impfung erhalten. Der Nachweis einer gesicherten, durchgemachten Infektion erfolgt durch direkten Erregernachweis (PCR) zum Zeitpunkt der Infektion. In Anbetracht der zunehmend besseren Impfstoffverfügbarkeit und der Unbedenklichkeit einer Impfung nach durchgemachter SARS-CoV-2- Infektion ist die Impfung bereits ab vier Wochen nach Abklingen der Krankheitszeichen möglich“, heißt es auf infektionsschutz.de . Die bisher vorliegenden Daten gäben keine Hinweise darauf, dass die Impfung nach bereits durchgemachter SARS-CoV-2-Infektion problematisch oder mit Gefahren verbunden wäre. Das gilt laut infektionsschutz.de für Sicherheit, Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfung.

Der Landkreis hatte nach den Sommerferien eine Impfaktion an den Schulen gestartet. Laut Pressestelle des Kreises haben sich über die Schulen bisher 374 Menschen für eine Impfung angemeldet. 303 sind zwischen 12 und 16 Jahre alt, 71 Personen sind über 16 Jahre alt.

In der Wochenmitte waren in Hessen 4.134.612 Menschen erst- und 3.823.242 zweitgeimpft. Die Impfquote der Erstimpfungen beträgt derzeit somit 65,7 Prozent, die der Zweitimpfungen 60,8 Prozent. Mit Stand von 7. September verzeichnet die Statistik laut Kreis-Pressestelle insgesamt mehr als 283.000 Impfungen im Impfzentrum, durch mobile Teams, in Krankenhäusern sowie durch niedergelassene Ärzte (Stand. 29. August). Davon sind knapp 145.000 Erstimpfungen und rund 138.000 Zweitimpfungen. Die Zahlen der Impfungen, die von den niedergelassenen Ärzten durchgeführt worden sind, liegen dem Kreis nicht tagesaktuell vor.

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