Das moderne Image des Handwerks stärken

Michael Busold links), Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Vogelsbergkreis, beim Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz.
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Michael Busold links), Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Vogelsbergkreis, beim Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz.

Michael Busold ist seit Juli Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Vogelsbergkreis

VON BERTRAM LENZ

Lauterbach. „Die Chemie zwischen dem Vorstand und mir hat gleich gestimmt, die Zusage für die Position kam schon am nächsten Tag“. Wenn Michael Busold von seinem neuen Tätigkeitsfeld spricht, dann spürt man die Begeisterung und den Elan des 44-Jährigen, sich dieser Herausforderung zu widmen. Denn seit 1. Juli führt er die Geschäfte der Kreishandwerkerschaft im Vogelsbergkreis und stand bei „Fulda aktuell“ gerne für ein Gespräch bereit.

Die Anfahrt zum Arbeitsplatz ist im Übrigen fast) gleich geblieben, denn 17 Jahre lang war der gebürtige Eiterfelder als Werkleiter bei der „STI-Group“ in Lauterbach tätig. Die Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft hat ebenfalls ihren Sitz in der Kreisstadt, und zwar im Neuen Steinweg 13. „Und weil meine Frau Katharina seit eineinhalb Jahren Leiterin der Kreiskasse des Vogelsbergkreises ist, können wir manchmal die Mittagspause zusammen verbringen“. Seit neun Jahren sind die beiden in Großenlüder zu Hause.

Breiter aufstellen

Der Diplom-Betriebswirt, der nach dem Abitur in Hünfeld eine Ausbildung bei der „Sparkasse Fulda“ machte, ist derzeit dabei, sich einen Überblick über die Kreishandwerkerschaft zu verschaffen, deren Geschäftsführerposten seit Mitte Februar vakant war. Zuvor hatte Erwin Mönnig diese Tätigkeit 33 Jahre lang ausgeübt. „Wir sind ein kleines Dreierteam, ergänzt durch einen Kollegen in der Buchstelle“, sagt Busold und spricht davon, sich künftig breiter aufstellen zu wollen. Beispielsweise, im Bereich der Beratung in den Punkten Arbeitsrecht und Vertragsrecht die Kooperation mit einer Kanzlei einzugehen.

Ein weiterer Punkt, der ihn beschäftigt, ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, in dem die Kreishandwerkerschaft untergebracht ist. „Es gibt drei Optionen: Renovierung, Einmieten in einem anderen Objekt oder ein funktionaler Neubau“. Dies sei ein Punkt, über den unter anderem auch mit der Politik im Vogelsberg gesprochen werden müsse, so der 44-jährige, der eine Renovierung im Bestand für schwierig hält: „Das wäre während des Tagesgeschäfts eine Belastung für uns.“

Dass sich Busold in Fragen unter anderem des Denkmalschutzes auskennt, ist kein Wunder, war er doch lange Zeit in der Eiterfelder Kommunalpolitik aktiv. Unter anderem fünf Jahre als Erster Beigeordneter und Stellvertreter von Bürgermeister Hermann-Josef Scheich. Aktuell ist er Vorsitzender der Fuldaer SPD-Kreistagsfraktion.

13 Innungen

Die Kreishandwerkerschaft des Vogelsbergkreises, die der „Handwerkskammer Wiesbaden“ zugeordnet ist, hat 13 Innungen mit rund 300 Mitgliedsunternehmen. Kreishandwerksmeister ist Edwin Giese aus Alsfeld Metrallhandwerk), sein Stellvertreter Dieter Schaub aus Rimbach Maurerhandwerk). Weitere Vorstandsmitglieder sind Wilhelm Becker aus Romrod Fleischerhandwerk), Manfred Stier aus Grebenhain Maler und Lackiererhandwerk), Dieter Zinn aus Schwabenrod Tischlerhandwerk) und Lothar Jost aus Eifa Elektrohandwerk). Busold formuliert schon seine Erwartung, „dass in puncto Mitglieder noch Luft nach oben ist und Ideen und Aktivitäten aus den Innungen heraus kommen, die dann von der Geschäftsstelle koordiniert werden“.

Strammes Programm

Zunächst aber stehen derzeit in fast allen Innungen die turnusmäßigen Vorstandswahlen an, die bis zum 6. November abgeschlossen sein müssen. Denn dann stellt sich der Vorstand der Kreishandwerkerschaft selbst zur Wahl, und Busold gesteht ein, dass man da ein recht strammes Programm vor sich hat, das es zu absolvieren gilt.

Seiner Ansicht nach gibt es mehrere Parallelen, die man zwischen den Kreisen Fulda und Vogelsberg ziehen könne: Hier wie dort sei das Handwerk gut in der Bevölkerung verwurzelt, die im Übrigen sehr bodenständig sei. Zu kämpfen habe man überall mit den Folgen des Demografischen Wandels, mit dem Mangel an Auszubildenden und Fachkräften sowie mit der Nachfolgeregelung: „Unser betriebswirtchaftlicher Berater gibt die klare Empfehlung, sich mit Anfang 50 erste Gedanken zu machen und sich frühzeitig Ideen zu holen“. Es sei bitter, wenn ein alt eingesessenes Geschäft mangels Nachfolge schließen müsse. „Das spüren wir auch in den Innungen, und das ist schlecht für die Struktur“.

Was den Fachkräfte- und Azubimangel angeht, „so droht der nicht erst am Horizont, sondern ist schon da“ Die Situation habe sich durch Corona noch verschärft. Zwar habe es digitale Angebote wie Online-Messen gegeben, doch könnten die Ausbildungsbörsen und Schnupperpraktika nicht ersetzen. Waren 2020 noch rund 180 eingetragene Ausbildungsverträge verzeichnet worden, werde man diese Zahl in 2021 wohl schwer erreichen. Besonders mau sehe es bei Bäckern und Fleischern aus, besser beim Elektro und Elektrotechnik und im Karosseriebau.

Busold plädiert für mehr Aufklärung, um aufzuzeigen, wie vielfältig vermeintlich „angestaubte“ Handwerksberufe seien. In Lauterbach könne man sich beim Lehrbauhof davon überzeugen, „der ein absolutes Pfund für die Stadt und den gesamten Vogelsbergkreis ist und als zertifizierte Weiterbildungsstätte Lernende aus der ganzen Bundesrepublik hat“. Aber auch Eltern und das Umfeld könnten ebenso wie Betriebsinhaber dazu beitragen, Jugendliche davon zu überzeugen, dass Handwerk ein modernes Image besitzt.

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