Lehren aus dem Datenskandal: Tipps von einem osthessischen IT-Experten

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Viele Tipps zum richtigen Umgang mit den eigenen Daten: Manuel Bittorf (rechts) im Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz.

Manuel Bittorf aus Tann: Vorfall rüttelt hoffentlich auf und regt zum Nachdenken über eigene IT-Sicherheit an 

Fulda/Tann - Die Medien, regional wie überregional, kannten am vergangenen Dienstag nur ein Thema: die vorläufige Festnahme des 20 Jahre alten Schülers aus Homberg/Ohm im Vogelsberg. Der junge Mann soll über den inzwischen gesperrten „Twitter“-Account „@_0rbit“ persönliche Daten von annähernd 1.000 Politikern, Prominenten und Journalisten veröffentlicht haben.

Der „Leak-Skandal“ hat gezeigt, wie leicht es ist, sich fremde Daten anzueignen. Grund genug für „Fulda aktuell“, Manuel Bittorf zum Gespräch zu bitten. Der 26-jährige IT-Spezialist ist in Personalunion Gründer, Inhaber und Geschäftsführer der „edu-technik solutions GmbH“, der „rhöncloud GmbH“ und der „edu-technik e.K.“ mit Sitz in Tann/Rhön.

„Wenn der Vorfall für etwas gut ist, dann dafür, dass sich jetzt sowohl die Politik als auch die Bürger hoffentlich ein wenig mehr Gedanken darum machen, wie es um die IT-Sicherheit bestellt ist und aufrüttelt“, so Bittorf. Und weiter: „Ich vermute, dass der 20-Jährige große Datensätze von privaten Zugangsdaten zu diversen Accounts für wenig Geld gekauft hat. Vereinzelt findet man im geheimen Teil des Internets, dem Dark­net, Angebote zum Kauf von Zugangsdaten unter anderem für ,Facebook’, ,Twitter’ oder Mail-Accounts. Und das entweder für Cent-Beträge oder auch in der Cryptowährung Bitcoin“.

Dass es sich um einen jungen Mann handele, habe ihn im Übrigen nicht überrascht, „denn gerade die Jüngeren sitzen ja sehr viel am PC und bringen sich auch selbst sehr viel bei“. Zwar sei noch nicht genau bekannt, wie es der Schüler aus Homberg/Ohm angestellt habe, doch soll er wohl mit Hilfe einer speziellen Passwort-Software die Kennwörter geknackt und sich so in gut tausend private Netzwerke eingehackt haben. Signifikant sei eben, dass nur private PCs betroffen gewesen seien. Die Hacker, von denen er die Daten bezogen habe, handelten Bittorf zufolge unter anderem mit diesen erwähnten Pass­wort-Hackingtools („Pass­wortknacker“-Software).

Bittorf äußert im Gespräch mit „Fulda aktuell“ großen Respekt vor den beteiligten Behörden, die den mutmaßlichen Täter so schnell hätten identifizieren können. Dieser ist seiner Meinung nach „definitiv kein Anfänger“, müsse diese Aktion geplant und langfristig vorbereitet haben. Die Art und Weise nämlich, wie die Daten auf den unterschiedlichsten Streamingplattformen, die auf mehreren Servern in der Welt verteilt waren, veröffentlicht worden seien, setze Fachwissen voraus. Interessant sei, ob der junge Mann in der Vergangenheit schon einmal in dieser Richtung auffällig geworden ist.

Welche IT-Tipps also hat der Unternehmer für die „Fulda aktuell“-Leser parat? Bittorf: „Sichere Passwörter sind ganz wichtig. Hilfestellung kann dabei das kostenlose Tool ,KeePass’ bieten, das die gesamte Datenbank verschlüsseln kann. Benutzt wird ein einziges Masterpasswort“. Außerdem empfiehlt der 26-Jährige, bei Passworten viele Sonderzeichen sowie Groß- und Kleinschreibung zu verwenden. „Das Ganze sollte zwischen 10 und 16 Zeichen lang sein“, so Bittorf, der davon abrät, Begriffe aus dem persönlichen Umfeld zu nutzen. Daneben sei es wichtig, für einen ausreichenden Viren- und Phisingschutz, eine Firewall und Spamfilter zu sorgen.

„Die 20 bis 30 Euro pro Jahr sollte man schon investieren, um sein Gerät abzusichern“, betont der IT-Unternehmer aus Tann/Rhön. Und noch etwas sei wichtig: das Betriebssystem sollte stets auf dem aktuellen Stand sein, also immer upgedatet werden. Bittorf plädiert zudem für einen sorgfältigen Umgang mit E-Mails und mit deren Anhängen: „Lieber zwei Mal nachfragen und schauen, sollte einem der Absender nicht bekannt sein. Das ist besser, als direkt zu klicken“.

Empfehlen könne er die Hinweise des „Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik“ (BSI), das sehr gute Tipps zum richtigen Verhalten im Netz und – ausgehend vom aktuellen Fall – Ratschläge für Betroffene von Datenleaks gebe. Gefordert sei nun aber auch die Politik, „denn die Bundes- und Landes-IT muss mit gutem Beispiel vorangehen. Die IT-Sicherheit ist ein zwingendes Thema und sollte von Klein auf gelernt werden. Daher müsste man den sicheren Umgang mit den digitalen Prozessen bereits an Schulen in den Unterrichtsalltag einbauen“. Denn dieser Thematik könne und dürfe man nicht aus dem Weg gehen.

Da sei es auch kein Allheilmittel, wenn man sich – wie der Grünen-Vorsitzender Robert Habeck angekündigt hatte – aus den sozialen Medien wie „Facebook“ und „Twitter“ zurückziehen wolle.

Lesen Sie dazu auch ein Pro&Contra von Antonia Schmidt und Christopher Göbel

Auch Maskottchen Scotty meldet sich zum Thema zu Wort

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