Debatte um Catcalling

Auch in Fulda ist die bundesweite Debatte um das Thema Catcall angekommen. Rechtsanwältin Julia Heieis mit einer Prognose und vier Erfahrungsberichte.

Fulda - „Ey, geiler Arsch“, „Wie viel kostest Du?“ oder „Schnecke, komm‘ doch mal rüber“: fast jede Frau kennt solche Situationen. Man steht in einer Warteschlange und wird unangenehm lange angestarrt, gefolgt von obszönen Gesten oder Sprüchen, die hinter her gerufen werden. Eine Situation, die für keine Betroffene angenehm ist. Solch übergriffigen, sexuell aufgeladenen Kommentare von Männern gegenüber Frauen, werden als „Catcalls“ bezeichnet. Oft beinhalten „Catcalls“ Anspielungen auf das Aussehen, den Körper oder anzügliche Geräusche.

Der Begriff „Catcall“ hat sich in den sozialen Netwerken in den letzten Jahren stark etabliert. Mehrere Instagram-Seiten wie #catcallsofkassel‚ #catcallsofdarmstadt oder #catcallsoffulda bieten Frauen, aber auch Männern, eine Plattform, ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung zu teilen. Betreiber der Accounts machen anschließend auf diese aufmerksam, indem sie die Erlebnisse anonym posten und sie auf der Straße wortwörtlich ankreiden. Die Idee stammt aus New York und wird seither von vielen Städten übernommen. Denn endlich soll Schluss sein mit obszönen Sprüchen, Kussgeräuschen und Pfiffen: Auch Studentin Antonia Quell aus Fulda macht sich aktuell dafür stark, dass „Catcalling“ auch in Deutschland strafbar wird. Ihre Petition unterzeichneten bereits bundesweit mehr als 57.800 Menschen. Vorbilder scheinen Länder wie Belgien, Portugal, Frankreich und den Niederlanden zu sein, in denen verbale sexuelle Belästigung bereits strafbar ist.

Rechtsanwältin Julia Heieis von der Petersberger „Kanzlei Hartmann und Heieis“ erklärt auf Anfrage von „Fulda aktuell“, dass es schwer sein wird, die Grenze zur Strafbarkeit zu definieren: „Der aktuelle Tatbestand der Belästigung des § 184i Abs. 1 StGB setzt voraus, dass der Täter eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt hat. Da die Vorschrift Körperkontakt voraussetzt, fallen verbale Belästigungen nicht unter den Tatbestand der Norm. Verbale Belästigungen könnten jedoch weiterhin als sexuelle Beleidigung verfolgt werden. Während es noch sehr einfach ist, zu sagen, ob eine körperliche Berührung stattgefunden hat, ist es schon wesentlich schwerer zu definieren, ab wann zugerufene Sprüche ‚sexuell bestimmt‘ sind. Daher wird es schwierig, Dinge wie ‚Hey Süße, komm mal her‘ wirklich zur Anzeige zu bringen. Ich kann nachvollziehen, dass Menschen, die in solche Lagen gebracht werden, endlich etwas dagegen unternehmen wollen. Dafür habe ich vollstes Verständnis, da es auch die Psyche vieler Menschen angreift. Ich könnte mir vorstellen, wenn die Petition erfolgreich sein sollte, dass es allerdings Situationsabhängig entschieden und man bei jedem Fall die Gesamtumstände berücksichtigen wird.“

Vier Frauen aus der Region schildern ihre Catcall-Erfahrungen:

Mara G., 23 Jahre: „Einmal verfolgten mich zwei Männer in der Stadt. Sie liefen dicht hinter mir und murmelten obszöne Dinge. Als wir an eine Fußgängerampel anhalten mussten, kamen sie viel zu dicht an mich heran, so dass ich mich sehr unwohl fühlte. Als die Ampel grün wurde, lief ich immer schneller und drehte mich nicht um. Irgendwann konnte ich die Männer abhängen.“

Elif S., 25 Jahre: „Ich lief gemeinsam mit meiner Mutter durch die Innenstadt, vorbei an einer Gruppe junger Männer. Obwohl meine Mutter direkt neben mir lief, pfiffen sie uns hinterher. Es war mir äußerst unangenehm und ein sehr erniedrigendes Gefühl. Ich wusste gar nicht so richtig wohin ich schauen sollte.“

Anastasia K., 23 Jahre: „Ich lief in der Innenstadt eine Straße entlang und aus einem Auto brüllten plötzlich ein paar Typen „Schlampe!“ Ich kannte diese Männer nicht einmal und es war mir so unangenehm. Was haben sich wohl die Leute um mich rum gedacht?“

Lena C., 25 Jahre: Ich war feiern mit meinen Freundinen. An der Theke haben wir uns dann etwas zur Musik bewegt, als plötzlich ein Mann auf uns zu kam und uns auf die Tanzfläche zerrte. Er versuchte eng umschlungen mit uns zu tanzen. Als wir ihn abwiesen, rief er uns Dinge hinter her, wie wir seien nur gut fürs‘ Bett und eigentlich nichts Wert.

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