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Demütigung der Eschede-Opfer am 18. Jahrestag

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Undo Bauch, Eschede-Opfer vom 3. Juni 1998 Nahaufnahme
Undo Bauch, Eschede-Opfer vom 3. Juni 1998 Nahaufnahme © Lokalo24.de

„Deutsche Bahn feiert 25 Jahre ICE“: "Lebenslang Geschädigter" Udo Bauch schreibt offenen Brief an Bahnchef Grube.

Eichenzell. Mit großer Bestürzung und Enttäuschung hat Udo Bauch als  Schwerstverletzter des ICE-Unglück von Eschede in den Medien von den Feierlichkeiten "25 Jahre ICE" gelesen. Dies hat den Eichenzeller  veranlasst, einen offenen Brief an den DB Vorstandsvorsitzenden Dr. Rüdiger Grube zu schreiben, mit der Bitte um Stellungsnahme, weshalb gerade am 18. Jahrestag des ICE-Unglücks diese Presseveröffentlichungen hätten erfolgen müssen. "Dies ist für alle Opfer eine Demütigung und ein Schlag ins Gesicht!"m klagt Bauch an.

Hier sein offener Brief:

"Sehr geehrter Herr Dr. Grube!

Mit großem Erschrecken und tiefer Bedauerung lese ich heute in den Zeitungen und Medien, das die Deutsche Bahn 25 Jahre ICE feiert und Sie als Vorstandsvorsitzender aussagten, das der ICE anscheinend das Land geprägt hat. Diese Presseveröffentlichungen weltweit, gerade am 18. Jahrestag des schwersten Zugunglücks der Bundesrepublik in der Nachkriegsgeschichte-dem ICE-Unglück von Eschede, sind erneut für alle Opfer eine schwere Demütigung, eine schwere Enttäuschung und ein Schlag ins Gesicht.

Dies zeugt erneut von der Unsensibilität der Deutschen Bahn im Umgang mit dem Zugunglück von Eschede und seinen unschuldigen Opfern. Sie wussten als Vorstandsvorsitzender doch genau, das wenn die Feierlichkeiten der Bahn über 25 Jahre ICE am 02.06.16 stattfinden, dann die Presseanstalten am 03.06.16 (genau am 18. Jahrestag des schrecklichen ICE-Unglücks von Eschede) darüber berichten werden.Können Sie sich denn vorstellen, wie sich die Opfer, die Schwerverletzten, Verletzten und Hinterbliebenen fühlen, wenn sie am Jahrestag des ICE-Unglücks lesen müssen, das die Deutsche Bahn AG in einem Festakt "25 Jahre ICE" öffentlichkeitswirksam feiert?Können Sie sich vorstellen, wie die Eltern dabei fühlen müssen, die ihre unschuldigen geliebten Kinder bei diesem vermeidbaren Zugunglück verloren haben? Können Sie sich vorstellen, wie sich ein Schwerverletzter fühlt, der durch das Zugunglück lebenslang geschädigt wurde?Können Sie sich vorstellen, wie sich ein Angehöriger eines Helfers fühlt, der sich nach dem Zugunglück das Leben genommen hat, weil er mit dem gesehenen Leid nicht klar gekommen ist?Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Sie sich das vorstellen können! Sonst hätten Sie die Feierlichkeiten über 25 Jahre terminlich nicht so gelegt, das gerade am 03.06.16 die Presse darüber groß berichtet, obwohl der erste ICE ja bereits Ende Mai (25.Mai) vor 25 Jahren an den Start ging. Hätte man da nicht um den 25. Mai herum die Feierlichkeiten machen können, so dass dann nicht gerade am schrecklichen Jahrestag der ICE in Szene gesetzt wird?

Wollen Sie und die Deutsche Bahn mit dieser Aktion bewusst die Opfer des Zugunglücks von Eschede in tiefster Weise demütigen? So kommt es mir als Opfer des Zugunglücks vor! Ich persönlich leide heute immer noch mit einer 100 % Schwebehinderung mit täglichen Schmerzen an den Folgen des Zugunglücks und mein Leben veränderte sich für mich und meine Familie zum Nachteil in tragischer Weise nach dem Zugunglück. Bereits kurz nach dem Zugunglück war die Deutsche Bahn mit mehreren Aktionen schon sehr unsensibel gegenüber den Opfern. So wurden Briefe an Opfer verschickt mit der ICE Briefmarke oder Unfallopfern wurden Bahn Card angeboten. Hat die Deutsche Bahn aus diesem peinlichen Fehler nichts gelernt, das sie heute nach 18 Jahren erneut die Opfer so demütigen muss. Haben Sie vergessen, dass durch grob fahrlässiges Verhalten der Deutschen Bahn AG dieses Zugunglück überhaupt passiert ist und haben Sie vergessen, dass der ICE großes Leid über Deutschland und die Welt durch das schwere Zugunglück von Eschede gebracht ist. Dies auch unter Berücksichtigung, dass das Zugunglück überhaupt nicht passiert wäre, wenn die Deutsche Bahn nicht an der Sicherheit gespart hätte und Fehlermeldungen am Unglückzug einfach ignoriert hat! Für Ihr unsensibles Verhalten schäme ich mich und ich empfinde es als eine große Frechheit, das gerade am Jahrestag des Zugunglücks von Eschede, der ICE so hochgelobt wird. Für dieses Verhalten müssten Se sich eigentlich erneut bei den vielen unschuldigen Opfern öffentlich entschuldigen. Ich fordere Sie als Schwerverletzter zu einer Entschuldigung auf und bitte Sie um schriftliche Stellungsnahme, weshalb gerade am 18. Jahrestag die Presseveröffentlichungen über das ICE-Jubiläum erfolgen mussten. In den Presseveröffentlichungen 25 Jahre ICE hätte man ja wenigstens mal einen Ton zum 18. Jahrestag des ICE-Unglück sagen können und an die Opfer erinnern können .Dies ist auch nicht geschehen!

Wünsche Ihnen von Herzen viel Gesundheit, alles Gute und hoffe, das Sie nie ein Opfer von einem Zugunglück werden.

Die heutigen Presseveröffentlichungen machen mich und meine Familie und bestimmt viele Opfer zusätzlich traurig und wir bedauern das unmenschliche, unsensible und unwürdige Verhalten von Ihnen persönlich und der Deutschen Bahn.

Mit traurigen Grüßen

Udo Bauch(lebenslang Geschädigter durch das ICE-Unglück von Eschede)"

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