Der kälteste April seit 40 Jahren

Eine DWD-Grafik aus dieser Woche zeigt, dass in Hessen Wolken und Regen auch im Mai vorherrschen. Dieses Wochenende sagen die Meteorologen jedoch freundlicheres Wetter voraus.
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Eine DWD-Grafik aus dieser Woche zeigt, dass in Hessen Wolken und Regen auch im Mai vorherrschen. Dieses Wochenende sagen die Meteorologen jedoch freundlicheres Wetter voraus.

Was bedeutet die feucht-kühle Witterung für die Landwirtschaft in der Region?

Osthessen. Ab heute soll das Wetter freundlicher und sonniger werden. In Osthessen war der Frühling bis auf wenige Ausnahmen wie den Muttertag oder den Pfingstmontag meist kühl und regenreich, teilweise auch stürmisch.

„In Hessen lag die Durchschnittstemperatur im April bei 6,1 Grad Celsius. Damit war es der kälteste April seit 1977 und seit 1938 sogar der frostreichste. Einige Stationen meldeten sogar eine neue Höchstzahl an Frosttagen“, so der Deutsche Wetterdienst DWD). Dazu wurden Fast 40 Liter pro Quadratmeter Niederschlag wurden gemessen. Auch wenn es sich nicht so anfühlte, so schien die Sonne in Hessen laut dem DWD im April 190 Stunden.

„Die sommerliche Rekordwärme Ende März 2021 und der warme Start in den April ließen auf einen weiteren warmen Frühling hoffen. Doch die Strömung drehte rasch auf nördliche Richtungen, so dass der April 2021 mit den eingeflossenen kühlen und trockenen Luftmassen einen merklich kühleren Verlauf nahm. Unter dem Strich gab es seit 1980, also 40 Jahren, keinen so kühlen April mehr“, so der DWD. „Auch in Zeiten der Erderwärmung ist ein deutlich zu kühler Monat zwar seltener, aber immer möglich. Dieser April ändert nichts am Trend. Seit Aufzeichnungsbeginn 1881 hat sich die Monatsmitteltemperatur im April in Deutschland um knapp zwei Grad erhöht. Zugleich war der April 2021 deutlich zu trocken und recht sonnig“, so Uwe Kirsche, Pressesprecher des DWD.

Stefan Schneider, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld und Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes.

„Die Vegetation ist zwei bis drei Wochen hinter den Vorjahren zurück“, sagt Stefan Schneider, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld und Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, im Gespräch mit FULDA AKTUELL. Das Grünland werde in diesen Tagen zum ersten Mal in 2021 gemäht, an Heu sei noch gar nicht zu denken. „Das Wetter bedingt einen deutlich höheren Ertrag“, so Schneider. Die Herausforderung für die hemischen Landwirte seien die fehlenden Zeitfenster, also Schönwetter-Tage, um die Silage einzufahren. „Die Kollegen arbeiten unter Hochdruck“, sagt Schneider, und bittet die Bevölkerung um Verständnis, dass derzeit auch am Wochenende und an Feiertagen auf Wiesen und Feldern gearbeitet werden müsse.

Kein Problem für Getreide

„Ist der Mai kühl und nass, füllt es den Bauern Scheun und Fass“ heißt eine alte Bauernregel, die sich in diesem Jahr bewahrheiten könnte. „Für Getreide bietet die kühle und feuchte Witterung gute Aussichten“, so Schneider. Dem Mais auf den osthessischen Feldern fehle jedoch die Wärme. „Der kommt erst jetzt aus dem Boden“, so der Experte. Wie sich die Ernte im Sommer und Herbst tatsächlich entwickeln wird, kann laut Schneider noch nicht vorausgesagt werden. „Der Grundstock für gute Ernten ist gelegt, aber alles hängt vom weiteren Verlauf des Wetters ab“, sagt er. „Bis zur Ernte braucht es noch Regen.“

Prinzipiell seien die osthessischen Landwirte zufrieden, auch wenn derzeit noch Schönwetterperioden fehlten. Laut dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes gebe es in 2021 nicht die große Trockenheit der vergangenen zwei Jahre im Frühling. Für die Landwirtschaft reiche der bisher gefallene Niederschlag aus. „Ich denke, dass der Boden bis 50 oder 60 Zentimeter in die Tiefe durchfeuchtet ist. Für die Wälder ist das aber immer noch zu trocken“, konstatiert Schneider.

Rücksichtnahme in Feld und Wald

„In Zeiten von Corona hat man bemerkt, dass viele Menschen auf Wiesen, in Feldern und Wäldern zu Fuß oder auf Fahrrädern unterwegs sind. Gegenseitige Rücksichtnahme macht die Wege breit“, sagt der Vorsitzende. Und eine weitere Bitte hat er: „Hundebesitzer sollten ihre Tiere nicht auf den Mähwiesen ihr Geschäft machen lassen oder es einsammeln. Das, was dort wächst und geerntet wird, ist sozusagen der Salatteller für unsere Kühe“, sagt Schneider, der Fachbetriebswirt der Agrarwirtschaft ist und mit seiner Familie in Künzell den Lanneshof mit 100 Milchkühen bewirtschaftet.

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