Der Nahost-Konflikt auf regionaler Ebene

Die „DITIB Moschee“ in der Fuldaer Max-Reger-Straße und der Synagogenraum der jüdischen Gemeinde Fulda. 
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Die „DITIB Moschee“ in der Fuldaer Max-Reger-Straße und der Synagogenraum der jüdischen Gemeinde Fulda. 

Die aktuelle Auseinandersetzung im Nahen Osten ist ein ziemlich heftiger und vor allem sehr alter Konflikt. Auswirkungen sind auch in Deutschland zu spüren, unter andrem durch Demonstrationen mit antisemitischen Tendenzen.

Fulda. Auf Anfrage von „Fulda aktuell“ hat sich Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde Fulda, Roman Melamed, geäußert. Ob sich die jüdische Gemeinde in Fulda vor Ausschreitungen fürchte, beantwortete Melamed mit einem klaren „Nein“.

Bei Fragen zur allgemeinen Sicherheit habe die Gemeinde Kontakt zur Polizeidirektion Fulda.

Allerdings finden durch die Corona-Situation momentan lediglich Online-Gottesdienste statt.

Für den Nahen Osten wünscht sich Melamed Sicherheit und Frieden, denn er selbst habe Verwandte und Freunde in Israel.

Auch die Evangelische Kirche in Fulda positioniert sich gegen jede Form von Antisemitismus und teilt mit: „Ohne Wenn und Aber distanzieren wir uns von Antisemitismus, Hassrede und Gewalt jeder Art. Auch die gewaltsame Eskalation des Nahostkonflikts ist erschreckend, aber sie darf niemals als Vorwand für Antisemitismus dienen.“

Außerdem kamen wir ins Gespräch mit Hamide Savran, einem Gemeindemitglied der „DITIB Moschee“ in Fulda.

FULDA AKTUELL: Frau Savran, was sagen Sie zur aktuellen Situation?

HAMIDE SAVRAN: Ich denke, dass die aktuelle Situation im Nahen Osten nicht spurlos an uns vorbeigeht. Die Geschehnisse wirken sich in Form von tiefster Trauer, Hilflosigkeit und Entsetzen aus. Aufgrund der angespannten Situation plädiere ich jedoch für ein Miteinander statt ein Gegeneinander. Es ist wichtig, dass die unterschiedlichen Religionsgemeinden sich in solch prekären Umständen nicht negativ beeinflussen lassen, sondern Hand in Hand, wie in den Jahren zuvor ersichtlich ist, für Zusammenhalt und Verbesserungen arbeiten.

FA: Wie beurteilen sie die aktuellen Proteste?

SAVRAN: Sachliche und ruhige Demonstrationen sind essentiell, da sie dem Volke wie ein öffentliches Sprachrohr dienen und auf Ungerechtigkeiten und Missstände aufmerksam machen. Von unkontrollierten Ausschreitungen beider Seiten möchte ich mich definitiv distanzieren und diese sind keinesfalls gerechtfertigt.

FA: Wie stehen Sie zu Antisemitismus?

SAVRAN: Ich verurteile jegliche Form von Antisemitismus, Islamophobie, Rassismus und generell Hass. Ich habe viele Freunde und Bekanntschaften aus unterschiedlichen Nationalitäten und liebe die Vielfalt, denn letztendlich ist das Innere des Menschen entscheidend.

FA: Was wünschen Sie sich für den Nahen Osten?

SAVRAN: Für den Nahen Osten wünsche ich mir schnellstmöglich Waffenstillstand und Frieden. Ich kann die verstörenden Bilder und Videos der letzten Zeit nicht mehr ertragen und möchte, dass die schlimmen Unruhen ein Ende finden. Jeder Tod ist ein Tod zu viel. Die Welt ist groß genug und hat Platz für uns alle. Es ist kein religiöser Konflikt, denn auch in dem besetzten Palästina leben sowohl muslimische Einwohner wie auch christliche.

FA: Was wünschen Sie sich für die Glaubensgemeinschaften in Fulda?

SAVRAN: Ich wünsche mir Verständnis, Unterstützung und ein Miteinander für alle. Es geht nicht primär um die Hautfarbe, die Religion oder die Herkunft eines Menschen, sondern um das friedliche Miteinander.

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