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Der neue Bürgermeister „brennt“ für seine Heimatstadt

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Der am Sonntag im ersten Durchgang gewählte neue Schlitzer Bürgermeister Heiko Siemon im Gespräch bei FULDA AKTUELL.
Der am Sonntag im ersten Durchgang gewählte neue Schlitzer Bürgermeister Heiko Siemon im Gespräch bei FULDA AKTUELL. © Schwabe

Gespräch mit Heiko Siemon, der am 28. März offiziell in sein Amt als Verwaltungschef von Schlitz eingeführt wird

Schlitz. Die Burgenstadt Schlitz, an der Nahtstelle zwischen Vogelsbergkreis und Kreis Fulda gelegen, ist nicht nur berühmt für das Trachtenfest (das wegen Corona 2021 ausfallen musste) oder die Weihnachtskerze, sondern auch für die Destillerie und für zwei Schriftsteller: Gudrun Pausewang („Die Wolke“) und Florian Illies („Generation Golf“). Das knapp 10.000 Einwohner zählende Städtchen mit seinen 16 Stadtteilen hat seit Sonntag einen neuen Bürgermeister: Heiko Siemon von der CDU setzte sich mit 50,31 Prozent gleich im ersten Wahlgang gegen die drei Mitbewerber Zeynel Can, Jürgen Laurinat und Thomas Leonhard Dostal durch.

Fragt man den dreifachen Vater nach fünf Punkten, mit denen er einen Außenstehenden davon überzeugen wolle, nach Schlitz zu ziehen,dann kommt an erster Stelle die sehr gute Verkehrsanbindung. Gefolgt von der sehr guten Infrastruktur (von Kinderbetreuung bis zu Schulen), der höchst attraktiven Wohnlage sowie den schönen Freizeiteinrichtungen, gepaart mit aktiven Vereinen und Verbänden wie der Feuerwehr. Das Fazit des in Schlitz Geborenen: „Wer einmal da gewesen ist, der wird sich in die Silhouette verliebt haben“.

Bei der einstimmigen Nominierung zum Bürgermeisterkandidaten hatte der Schlitzer CDU-Stadtverbandsvorsitzende Hans-Jürgen Schäfer Siemon als Kommunalpolitiker mit Verwaltungserfahrung und hohem finanz- und haushaltspolitischem Sachverstand charakterisiert. Schäfer war der Vorvorgänger im Amt des Verwaltungschefs gewesen. Danach hatte zum 27. April 2019 Alexander Altstadt das Ruder übernommen, um die politischen Geschicke von Schlitz zu lenken. Wegen der gesundheitlichen Folgen eines Schlaganfalls, den er knapp ein halbes Jahr nach Amtsantritt erlitten hatte, war Altstadt zum 31. Oktober 2021 offiziell ausgeschieden. Die Amtsgeschäfte werden bis zur Einführung von Siemon weiter von Erstem Stadtrat Willy Kreuzer wahrgenommen.

Siemon ist seit 16 Jahren bei der „Sparkasse Fulda“ tätig und hier Abteilungsleiter im Vermögensmanagement sowie Geschäftsführer der „Sparkasse Fulda Immobilien & Versicherung GmbH“. Zudem ist er stellvertretendes Vorstandsmitglied im Verhinderungsfall.

Bis zu seinem offiziellen Start wolle er einen „ordentlichen Übergang“ von der Sparkasse in seinen neuen beruflichen Abschnitt schaffen, betont der 45-Jährige am Donnerstagvormittag im Gespräch auf Einladung von FULDA AKTUELL. Bei der Entscheidung, sich um die Stelle des Bürgermeisters zu bewerben, sei er von der Motivation geleitet worden, Dinge angehen und Verantwortung übernehmen zu wollen.

Mit einem Kernteam

Dabei ist Siemon kein Newcomer im kommunalpolitischen Schlitzer Alltag, war er doch von 2006 bis 2020 Stadtverordneter, von 2011 bis 2020 Vorsitzender des Haupt-/Finanz- und Wirtschaftsausschusses und ist seit 2020 Stadtrat. „Meine Kandidatur ist letztlich die logische Konsequenz meiner beruflichen Laufbahn und meines ehrenamtlichen Engage-

ments für meine Heimatstadt gewesen, zumal ich auch auf Platz eins der CDU-Liste für die Kommunalwahl stand“. Im Oktober sei dann nach einer Phase des Abwägens mit Familie und Freunden das Votum gefällt worden, anzutreten. Im Wahlkampf habe er sich auf ein Kernteam von fünf Leuten verlassen können, „alles enge Freunde“.

Motto sei gewesen, „agieren und nicht reagieren“ zu wollen, und neben Imagevideos und digitaler Präsenz in den sozialen Medien habe er eine „Schlitzerland-Tour“ durch alle 16 Stadtteile absolviert, um sich ein genaues Bild zu verschaffen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Sehr wichtig seien ihm Treffen mit Unternehmern gewesen, die zu einer festen Einrichtung werden sollen. Und wenn er sich bei Vereinen oder auch auf Sportplätzen haben sehen lassen, dann sei dies keine Wahlkampftaktik gewesen, sondern eine für ihn gewohnte Sache. Generell sei die politische Auseinandersetzung mit den anderen drei Kandidaten fair verlaufen.

Je näher der Wahlsonntag rückte, umso deutlicher sei die Anspannung – gerade auch bei seiner Frau – geworden. Er selbst habe die ersten Ergebnisse nicht öffentlich in der „Landesmusikakademie“, sondern im Hause der Schwiegereltern gemeinsam mit dem Ersten Kreisbeigeordneten und Vogelsberger CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Jens Mischak verfolgt. Als dann nur noch der Briefwahlbezirk Schlitz auszuzählen war und er gut 50 Stimmen Vorsprung hatte, habe man sich ins Auto gesetzt. Am Zielort „haben wir beide auf unsere Handys geschaut, wo gerade die Nachricht aufploppte, dass ich gewonnen hätte. Da waren Erleichterung und Freude groß“.

Der erste Schwerpunkt

Siemon gesteht zu, „dass es mich persönlich schon sehr getroffen hätte, wäre ich schon im ersten Wahlgang raus geflogen. Dann hätte ich für mich reflektieren müssen, ob es überhaupt richtig ist, was ich da mache“. Wäre es zu einer Stichwahl gekommen und wäre er – beispielsweise – mit 49 zu 51 Prozent unterlegen gewesen, hätte er es leichter aufnehmen können. Getreu dem Motto: „Dann ist das eben so“.

Nun aber gehe er hochmotiviert an seine neue berufliche Herausforderung und wolle sich schwerpunktmäßig zunächst dem Gelände der ehemaligen „Auerhahn“-Brauerei in Schlitz widmen. Das Areal soll neu entwickelt und für die Burgenstadt eine Initialzündung auch bezüglich Veranstaltungen, Tourismus und Gastronomie werden. Das Projekt wird gefördert aus dem Städtebauprogramm des Bundes „Lebendige Zentren“. Gut neun Millionen Euro sind für den ersten Bauabschnitt veranschlagt, von denen rund zwei Millionen Euro die Stadt Schlitz trägt. Weitere Projekte, um das Ziel einer lebendigen und pulsierenden Kulturbrauerei zu erreichen, sind Café, Tourist-Info, Heimatmuseum, Markthalle, kleinere Geschäfte und auch Parkplätze. Siemon zufolge ist das gesamte Thema „emotional stark besetzt“, wichtig sei die Akzeptanz der Bürgerschaft. Würden die Pläne realisiert, wobei der Denkmalschutz ein gewichtiges Wort mitzusprechen hat„dann wäre dies ein Magnet und eine Aufwertung für die Stadt“. Bei Realisierung des ersten Bauabschnitts werden auch Schlitzer Unternehmen beteiligt sein. Deutlich wird, dass Siemon eine klare Vision hat, dafür „brennt“ und das Thema positiv besetzen will.

Schlitz ist flächenmäßig die viertgrößte Kommune in Hessen, und da muss finanziell schon einiges aufgewendet werden, um beispielsweise die Spielplätze, Bürger- und Feuerwehrhäuser stets auf dem besten Stand zu halten. Was Gewerbegebiete angeht, so sei man hier „einer gewissen Restriktion bei der Neuausweisung“ unterworfen, denn nichts darf „auf Vorrat“ ausgewiesen werden, sondern nur bei mindestens einem konkreten Interesse.

Bliebe noch das Thema „Wohnen“: Hier spricht Siemon unter anderem vom Baugebiet in Hutzdorf, das – in den 1970er Jahren bereits angelegt – nunmehr reaktiviert und dann für insgesamt 40 Bauplätze konzipiert werde.

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