Deutsche Bischöfe: Flüchtlinge willkommen heißen

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Traditionelle Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am Grab des Heiligen Bonifatius in Fulda.

Fulda. Die  deutschen  Bischöfe  hatten  sich  traditionell zu  ihrer  Herbst-Vollversammlung  am  Grab  des  heiligen Bonifatius  in Fulda versammelt, an der auch in  diesem  Jahr  Vertreter  benachbarter Bischofskonferenzen aus Frankreich und Polen sowie der Apostolische Nuntius als Gast anwesend  waren.

In  seiner  Predigt  zur  Eröffnung  der  Beratungen  war  es  dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx,  ein  Anliegen,  an  die Wiederherstellung der deutschen Einheit vor 25 Jahren zu erinnern. "Mit der Einheit begann für uns die Wiederentdeckung einer gemeinsamen Geschichte. Gerade heute brauchen wir das Wissen  um  Identität  und  die  Erfahrung  von  Zugehörigkeit,  von  Miteinander  und Gemeinsamkeit.  Gegenwärtig  ist  die  Frage  nach  Heimat  und  Identität  besonders  drängend: Menschen  suchen  Bleibe  und  oft  auch  Heimat,  weil  sie  sie  verloren  haben.  Heimat  muss bisweilen neu geschaffen und neu geschenkt werden, damit man weiß, wohin man gehört und wo man bleiben kann. Gerade wir in Deutschland können diese Geschichte aufgrund unserer Vergangenheit erzählen. Ohne Frage hat Heimat viel mit Familie, Sprache, neuem Aufbruch und einer Gemeinschaft zu tun, die sich findet", sagte Marx in seinem Abschluss-Statement.

Marx  wollte deutlich machen,  "dass  wir  uns  in  einer  Zeit  weit verbreiteter  Heimatlosigkeit  befinden:  Kriege,  Gewalt,  Hass  und  Machtgier  und  zügelloses Besitzstreben sind einige der Ursachen von Flucht. Wer sich auf die Flucht begeben muss, will eine neue Welt der Zugehörigkeit und der Gemeinschaft, des Respekts vor seiner Würde, Anerkennung,  Freiheit  und  nicht  zuletzt  Sicherheit  und  Geborgenheit  finden.  Diese  Suche führt viele auch zu uns und wir wollen sie willkommen heißen. Die Probleme, die das auch mit  sich  bringt,  werden  wir  nicht  lösen,  wenn  wir  Mauern  aufbauen  und  Abgrenzungen vornehmen.  Die  Kirche  möchte  als  Werkzeug  für  Frieden  und  Versöhnung  der  Menschen dienen.  Wir  verlieren  unsere  Identität  als  Christen,  wenn  wir  uns  abschotten. Selbstverschließung war immer wieder eine Gefahr in der Geschichte der Kirche.Die  Vollversammlung  hat  sich  ausführlich  mit  der  Flüchtlingskrise  beschäftigt,  die  derzeit Deutschland  und  Europa  in  Atem  hält.  Dazu  hatte sie  zur  Eröffnungssitzung  kompetente Gäste  eingeladen,  die  den  Bischöfen  Einblicke  in  die  Arbeit  vor  Ort  und  in  die  konkreten Probleme geben konnten – unter anderem die Oberbürgermeisterin von Brandenburg an der Havel, Dr. Dietlind Tiemann, der Oberbürgermeister von Darmstadt, Jochen Partsch, sowie Vertreterinnen und Vertreter des haupt- und ehrenamtlichen Engagements in der Kirche. Den Bischöfen  ist  dabei  deutlich  geworden,  dass  die  Beschaffung  von  Wohnraum  –  bei  der Erstaufnahme von Flüchtlingen, aber auch für deren langfristigen oder dauerhaften Verbleib – die  im  Moment  dringlichste  Aufgabe  darstellt.  Viele  kirchliche  Einrichtungen  sind  mit großem  Enthusiasmus  bemüht,  ihren  Teil  zur  Bewältigung  dieser  gesamtgesellschaftlichen Aufgabe  zu  leisten.  Die  Vollversammlung  hat  darum  gebeten,  dass  diese  Anstrengungen weitergehen und möglichst noch verstärkt werden. Alle deutschen Bistümer und Hilfswerke sind dazu bereit.

Die Vollversammlung hat auch ein Wort der deutschen Bischöfe an die Gläubigen und die Kirchengemeinden verfasst, das den Dank für die Arbeit mit den Flüchtlingen  erneut  zum  Ausdruck  bringt  und  zu  einem  langen  Atem  ermutigt.  "Denn  derZustrom von Menschen, die vor Gewalt und Verfolgung fliehen, wird so bald nicht geringer, und auch für die, die schon hier sind, müssen Perspektiven der Integration geschaffen werden. Hilfe für die Flüchtlinge ist kein Kurzstreckenlauf, sondern ein Marathon", so Kardinal Marx.

Die  Diskussionen  der  vergangenen  Tage  haben  die  Bischöfe  in  ihrer  Auffassung  bestätigt, dass die professionelle kirchliche Hilfe noch besser organisiert und koordiniert werden sollte, damit  wir  die  Herausforderungen  der  Stunde  erfolgreich  bestehen.  Deshalb  hat  die Vollversammlung die Aufgabe eines "Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen" geschaffen und den Erzbischof von Hamburg, Dr. Stefan Heße, für zunächst ein Jahr mit dieser Aufgabe betraut.  Der  Sonderbeauftragte  ist  der  Migrationskommission  zugeordnet  und  wird  in  den bistumsübergreifenden Fragen der Flüchtlingsarbeit als Ansprechpartner und Moderator tätig sein.  Ihm  wird  ein  Arbeitsstab  zugeordnet,  dem  unter  anderem  Vertreter  kirchlicher Einrichtungen,  die  für  die  kirchliche  Flüchtlingshilfe  von  besonderer  Bedeutung  sind, angehören.

"Wir  sind  überzeugt,  dass  unsere  kirchliche  Arbeit  mit  Hilfe  des  Sonderbeauftragten  noch mehr Passgenauigkeit, Koordination und Effizienz gewinnt", sagte Marx. Dem Sonderbeauftragten ist auch die Aufgabe übertragen, den katholischen Einsatz für die Flüchtlinge möglichst umfassend zu dokumentiere – zum einen, damit Defizite leichter erkannt werden könnenn, zum anderen, um noch präziser als bisher auskunftsfähig zu sein.

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