Deutschland verliert Königsklasse: Müssen deutsche Formel 1-Fans auf ihren Heim-Grand-Prix verzichten?

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"Fulda aktuell"-Objektleiter Michael Schwabe war am vergangenen Wochenende beim deutschen Heim-Grand-Prix der Formel 1 dabei.

VON MICHAEL SCHWABE  

Hockenheim - Vergangenes Wochenende war für Rennsportbegeisterte und besonders für Fans von Sebastian Vettel ein wirklich denkwürdiges Rennen. Heute, eine Woche später, wissen wir um die Tatsache, dass Vettel die unrühmliche Qualifikations-Blamage, der technisch defekten Ferrari-Boliden, dank fehlerhafter Mercedes-Konkurrenz und einem sensationellen „Husarenritt“ auf regennasser Rennpiste, hat vergessen lassen. Was noch im vergangenen Jahr peinlich für Vettel im Kiesbett endete, reichte vergangene Woche ­– vom Ende des Starterfeldes vorfahrend – bis auf den fantastischen zweiten Platz. Emotionen pur bei den angereisten Ferrari- und Vettel-Fans, die eine sehr lange Durststrecke, mit vielen Enttäuschungen in den vergangenen Monaten, hinnehmen mussten. Leider sind diese spannenden Rennen mit harten Positionskämpfen, Ausfällen, Überholmanövern und bestem „Racing“ zu einer echten Ausnahme in dem einst so sehr von den Massen geliebten Formelsport geworden. Wir erinnern uns noch alle an die tollen Rennen des Michael Schumacher, der seine aktive Zeit prägte wie kein anderer und als Seriensieger vorweg fuhr, ohne dass die Menschen gelangweilt an der Strecke oder den TV-Geräten saßen. Seinerzeit fühlte sich der Rennzirkus irgendwie noch anders an. Grund hierfür war aber nicht ausschließlich der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher. Heute sind die F1-Boliden lange nicht mehr so spektakulär wie noch vor Jahren, als man mit zwölf oder zehn Zylindern eine donnernde Show ablieferte, die den Besuchern an der Rennstrecke sinnbildlich den Unterkiefer runterklappen ließ. Das bewies am vergangenen Wochenende eindrücklich Schumachers Sohn Mick, der zur Freude aller, mit dem 2004er Ferrari seines Vaters, die guten alten Zeiten aufleben ließ. Was für ein Sound, der durch Mark und Bein fährt und jeden Fahrer dieser glorreichen F1-Epoche zu einer Legende werden ließ. Heute kennen wir sie noch alle – auch wenn sie nie selbst Weltmeister wurden. Beispiele gefällig? Jean Alesi, Giancarlo Fisichella, Heinz Harald Frentzen, David Coulthard, Rubens Barrichello um nur einige zu nennen. Unvergessene Namen, fest verankert mit der Formal-Eins-Ära, die ganz Deutschland an den Rennwochenenden an die Fernseher oder bestenfalls an die Strecke lockte.

Noch heute werden diese „Rennsport-Talente“ bewundert, weil sie in der Lage waren ein so irrsinniges PS-Monster behände durch das Kurven-Labyrinth, Rad an Rad im Zweikampf zu steuern. Und was ist passiert mit der heutigen Königsklasse? „Flüsterleise“ Rennwagen mit moderner Elektropower-Unterstützung nebst undurchsichtigem Regeldschungel und „charismalosen Paydrivern“ machen das Fan-Dasein immer schwerer – es fehlen Emotionen und die modernen Gladiatoren in ihren „Streitwagen“. Ein Lichtblick ist da der mutig und bisweilen ungestüm fahrende Max Verstappen, bei dem der Zuschauer noch diesen unbändigen Siegeswillen spürt, gepaart mit dem nötigen Maß an Egoismus und fahrerischem Ungestüm, welches für einen künftigen Weltmeistertitel sicherlich wichtig ist. Verstappen eckt an, wird nicht von allen geliebt, ist aber am Steuer schon jetzt weltmeisterlich und bietet allen Zuschauern die größtmögliche Show. Das zeigt unter anderem auch das riesige Interesse für den im nächsten Jahr erstmals stattfindenden Grand Prix im holländischen Zandvoort, für den es über eine Million Ticketanfragen gibt! Ein echtes Max Verstappen-Phänomen. Nicht diese langweiligen Rennsonntage, an denen es nur noch darauf ankommt, im Schatten eines Lewis Hamilton “reifenschonend“ das Ziel in den Punkten zu erreichen, um diese dann wie ein Sieg bei den TV-Interviews zu feiern. Nein, das wollen die Fans nicht. Sie wollen Hochspannung, klare und einfache Regeln, viele Teams und Fahrer, die in spannenden Rennen um den Sieg kämpfen, ohne dass man schon vorab weiß wie das Rennen ausgehen wird. Rennsport darf laut sein und muss nach Benzin riechen. E-Motoren sollen hier ausdrücklich nicht „weggeredet“ werden, schließlich soll die Formel 1 auch die Moderne und das technisch machbare Limit verkörpern – aber bitte nicht mit einem „Party-Mode-Button“ am Lenkrad.

Weniger ist bisweilen auch mehr! Wer braucht schon so viele verschiedene Reifen, die speziell für jede Strecke angefertigt werden? Nein liebe F1-Macher, so werdet ihr den Sport auf lange Sicht abschaffen. Wir brauchen wieder mehr Kimi Räikkönen-Typen am Lenkrad, die sich nicht vom Renningenieur sagen lassen, wann sie zu bremsen haben oder die Streckenbegrenzungen zu weit überfahren und dafür noch eine Strafe kassieren. Macht wieder ein Kiesbett hinter den Asphalt, so wie früher, denn dann fährt da auch kein Fahrer freiwillig über die Linie. Und warum war das jetzt vielleicht das letzte Formel 1- Rennen auf einer deutschen Rennstrecke für lange Zeit? Ganz einfach: Sponsorengelder fehlen! Wer mag schon die Formel-Langeweile als Werbeplattform nutzen? Man geht über den „großen Teich“ oder nach Asien, wo noch genügend Werbegelder eingesammelt werden können oder hat einen populären Ausnahmefahrer vom Schlag eines Verstappen, der die Rennsportarenen füllen kann, um künftig den schnellsten Rennzirkus der Welt finanzieren zu können. Da helfen bei uns in Deutschland weder der Regen-Wettergott noch der großartig fahrende „Seb“ aus Heppenheim, um die Königsklasse auf Jahre im eigenen Land zu sichern. Eines steht leider fest: die guten alten Zeiten, in denen das Motodrom in Hockenheim ein rotes Fahnenmeer enthusiastischer Ferrari-Fans war, kommen so bald nicht nach Deutschland zurück.

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