Angebote werden stark vermisst

Die Arbeit der „AWO Fulda“, die 75 Jahre alt wird, in der Corona-Pandemie

Wie alles begann.
+
Wie alles begann.

Die Corona-Pandemie betrifft fast alle Menschen, Branchen und auch viele Institutionen, die anderen Menschen helfen. Dazu gehört auch die „AWO“ in Fulda, die normalerweise breit gefächerte Angebote für Menschen aller Altersklassen anbietet. „Fulda aktuell“ fragte beim Kreisgeschäftsführer Wolfram Latsch nach, wie sich die Situation vor Ort seit rund einem Jahr darstellt.

Fulda. „Die Corona-Krise hat auch in den Angeboten und Projekten der ,AWO‘ zu deutlichen Veränderungen wie neue Hygienekonzepte, Umstellung auf digitale Angebote und anderem geführt. Nach nunmehr einem Jahr, Leben in und mit der Krise‘ haben sich viele der Neuerungen bereits eingeschliffen und sind zu einem Teil der normalen Arbeit geworden“, sagt Latsch. Einige Änderungen seien jedoch nach wie vor schwierig. „Soziale Arbeit lebt von der Begegnung und dem Miteinander von Menschen. Beratung, Bildungsangebote, Coaching und Vernetzung kann in Distanz, digital und eingeschränkt nicht so umgesetzt werden, wie wir es aus Vor-Corona-Zeiten schätzen und wünschen.“

„Große Herausforderungen“

Die neue digitalisierte und unter erhöhten Hygienemaßnahmen auszuführende Arbeitsweise sei für die Kolleginnen und Kollegen organisatorisch deutlich aufwendiger. „Zudem nehmen wir wahr, dass viele Klientinnen und Klienten unter den Auswirkungen der Corona-Krise leiden, darunter ältere Menschen, die sich einsam fühlen. Kinder, die den schulischen Anschluss zu verlieren drohen. Migranten, die ihren Sprachkurs nicht wahrnehmen können oder Menschen, die aufgrund Kurzarbeit und Jobverlust ihre Existenz gefährdet sehen. Hier kommen große Herausforderungen auf unsere Gesellschaft und auch auf uns zu“, ist Latsch überzeugt.

In vielen Bereichen sei ein Arbeiten nicht gänzlich ohne einen persönlichen Kontakt möglich. So würden derzeit in der KiTa, in der Jugendhilfe oder der Flüchtlingsberatung zwar die „AHA“-Regeln eingehalten und auch andere Vorkehrungen getroffen, „unsere Mitarbeitenden sind sich aber Tag für Tag der dennoch bestehenden Infektionsgefährdung bewusst“.

Bilder wie dieses von einem „AWO Sprachcafé“ gibt es seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr. „AWO“-Geschäftsführer Wolfram Latsch berichtet von der Lage des Fuldaer Kreisverbandes seit rund einem Jahr.

Veränderte Angebote

Die „AWO Fulda“ versucht in nahezu allen Bereichen, so viele Angebote wie möglich aufrecht zu erhalten – natürlich immer im Einklang mit den Verordnungen des Landes Hessen. Das ist in jedem Angebot ein wenig anders organisiert und anders möglich.

Schuldner- und Migrationsberatungen finden statt, sind aber auf telefonische Beratung und auf Präsenzberatung in Einzelterminen umgestellt. Die Begegnungszentren können in verkleinerten Gruppen Bildungsangebote durchführen. Soweit wie möglich werden zudem Gruppen- und Sportangebote digital angeboten. Viele Begegnungsangebote, wie Seniorengruppen, Frauentreffs, Bastelgruppen, Aktionsgruppen und andere fänden gar nicht statt, „weil solche Treffen schlichtweg in der Verordnung nicht vorgesehen sind, Räume zu klein sind oder für die Menschen ein digitales Treffen mit zu hohen Hürden versehen ist“, so Latsch.

Die KiTa ist entsprechend der Verordnungen für die Kinder aus Familien geöffnet, die anderweitig keine Betreuung sicherstellen können, genauso die Soziale Gruppenarbeit. Das Jugendprojekt „Lohn und Brot“ und die „Fahrradwerkstatt“ sind unter veränderten Rahmenbedingungen geöffnet. Ambulante Jugendhilfe (Einzelfallmaßnahmen) finden statt, Jugendtreffs sind geschlossen.

„Für ältere Menschen organisieren wir nach wie vor noch über das Bürgerzentrum Aschenberg niedrigschwellige Unterstützung im Haushalt und über das Projekt ,AWO hilft, liefert, fährt‘ Besorgungen, Unterstützungen und Fahrten für ältere Menschen, die aufgrund der Corona-Situation eingeschränkt sind“, sagt der Kreis-Geschäftsführer.

75 Jahre „AWO Fulda“

Die Situation ist umso mehr bedauerlich, da die „AWO Fulda“ in diesem Jahr das 75-jährige Jubiläum begehen kann. „Wir hatten uns das Jubiläumsjahr ein wenig anders vorgestellt, als es jetzt stattfindet. Es sollte ein großer Festakt und ein Familienfest stattfinden. Mit Blick auf die aktuelle Lage hat sich der Vorstand aber sehr früh schon auf die Corona-Situation eingestellt. Wir werden nun das Jubiläum digital und mit Abstand feiern. Auf einer separaten Seite der Homepage sind Grußworte von Landrat, Oberbürgermeister und ,AWO‘- Verantwortlichen aufgeführt. Langjährige ,AWO‘-Mitwirkende erzählen von alten Zeiten und lassen die vergangenen 75 Jahre lebendig werden. Begleitend sollen über das ganz Jahr hinweg Kurzfilme zu den aktuellen Angeboten der AWO die soziale Arbeit der Mitarbeitenden von heute erlebbar machen“, erläutert Latsch.

Mit einer Geocaching-Tour durch die verschiedenen Orte in Fulda, in denen die „AWO“ in den letzten 75 Jahren aktiv war, gibt die Organisation interessierten Menschen die Möglichkeit, sich direkt mit der Geschichte der „AWO Fulda“ auseinanderzusetzen und über mehrsprachige Texte an den Stationen etwas über Fulda zu lernen. „Und wer mitmacht, kann bei einem Gewinnspiel spannende Preise gewinnen“, sagt Latsch. „Wenn es im Sommer möglich ist, würden wir gerne am 3. Juli eine Art Familienfest am Universitätsplatz feiern. Ob das gelingt, werden wir sehen. Auch unser jährliches, Dinner-in-Weiß‘ hoffen wir durchführen zu können.“

Er freue sich, wenn dieHinweise und Berichte auf der Homepage und in den sozialen Medien zu einer Interaktion mit den sich angesprochenen Menschen führen würden. „Vielleicht kommt so doch ein bisschen Feierstimmung auf – bis wir dann irgendwann einen großen Festakt in Präsenz nachschieben können.“

Das von der „AWO Fulda“ betriebene „Kaufhaus mit Herz“ wird derzeit entsprechend der Regelungen der hessischen Corona-Verordnung für den Einzelhandel betrieben. Nach einer kurzen Schließung im ersten Lockdown wurde das Kaufhaus bis etwa Mitte Dezember unter Corona-Regeln geöffnet betrieben. Danach erfolgte die Schließung und zwischenzeitlich die Möglichkeit, über „klick&collect“ beziehungsweise „klick&meet“ zeitweise zu öffnen.

„Das ist gerade sehr bitter. Für viele Menschen ist das Kaufhaus nicht nur ein Ort, um etwas zu kaufen, sondern vor allem ein Ort, um Menschen zu begegnen und sich mit ihnen auszutauschen. Wir wollen auch, dass Menschen ehrenamtlich im Kaufhaus mitmachen und für sich und andere Menschen schöne Angebote organisieren, um gemeinsam etwas zu erleben. Wir bekommen immer wieder die Rückmeldung, wie sehr dieses Angebot doch vermisst wird“, bedauert der Geschäftsführer.

„Wir haben Glück, dass die Projektfinanzierung vieler Angebote auch in der Coronazeit weitgehend unverändert weitergeführt wurde. Dafür sind wir den Partnern in den Kommunen, im Land Hessen und im Bund sehr dankbar. Natürlich fallen zu einem großen Teil Eigenerlöse aus erbrachten Dienstleistungen, im Kaufhaus und der Fahrradwerkstatt weg, die wiederum nur zu einem sehr kleinen Teil durch zusätzliche Förderungen kompensiert werden“, erklärt Latsch zur finanziellen Lage in der Pandemie.

„Die aktuelle Krise trifft uns alle hart und wir werden als Menschen und als Gesellschaft noch eine lange Zeit danach mit den Folgen der Krise zu tun haben. Wir alle wollen zurück zu einer Normalität, in der wir ohne schlechtes Gewissen uns mit unseren Freunden und unserer Familie treffen können, Hobbys nachgehen, Veranstaltungen besuchen, andere Menschen unterstützen können. Je stärker wir durch gezieltes Impfen und durch das Einhalten von Hygieneregeln die Verbreitung des Virus eindämmern, desto früher wird ein gewohntes Miteinander wieder möglich sein. Darauf freuen wir uns. Und wir bitten jeden Einzelnen, seinen oder ihren Beitrag dazu zu leisten“, appelliert Wolfram Latsch in der Hoffnung auf eine baldige Veränderung der Situation.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Schwerer Unfall auf der A7 am Montagmittag

Schwerer Unfall auf der A7 am Montagmittag: Gegen 12.20 Uhr war ein Fahrzeug in Höhe der Tank- und Rastanlage Großenmoor von der Autobahn abgekommen und über die …
Schwerer Unfall auf der A7 am Montagmittag

18-jähriger Motorradfahrer aus dem Raum Hünfeld stirbt bei Unfall auf A 7

Krad prallt gegen Lkw / Soziafahrerin schwer verletzt
18-jähriger Motorradfahrer aus dem Raum Hünfeld stirbt bei Unfall auf A 7

Förderbescheid über 117.800 Euro: Kindergarten Eckweisbach wird erweitert

Durch Anbau soll sich die räumliche Situation des Kindergartens "St. Michael" entspannen
Förderbescheid über 117.800 Euro: Kindergarten Eckweisbach wird erweitert

Fuldaer „Media Markt“-Geschäftsführer Peter Henkelmann im Ruhestand

Auch Fulda aktuell - Verlagsleiter Michael Schwabe, bedankt sich bei Herrn Henkelmann, für viele Jahre vertrauensvoller Zusammenarbeit.
Fuldaer „Media Markt“-Geschäftsführer Peter Henkelmann im Ruhestand

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.